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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > DNA aus Traubenkernen erzählt 4.000 Jahre Weinanbau-Geschichte
Wissen

DNA aus Traubenkernen erzählt 4.000 Jahre Weinanbau-Geschichte

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 28. März 2026 19:47
Von Michael Farber
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4 min. Lesezeit
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Wenn Weintrauben im Biomüll landen, sind sie kurze Zeit später schon wieder zu Komposterde abgebaut. Trotzdem haben Archäobotaniker Traubenkerne gefunden, die einige hundert, sogar einige tausend Jahre alt sind. Wenn sie unter Luftabschluss in feuchtem Boden liegen, bleibt sogar die DNA erhalten.

Inhaltsübersicht
Alte Gene – heute noch im Weinberg2.600 Jahre französische WeingeschichteDNA-Archäologie mit Blick in die Zukunft

Alte Gene – heute noch im Weinberg

Der Molekulararchäologe Ludovic Orlando von der Paul-Sabatier-Universität in Toulouse konnte damit die Geschichte des Weinanbaus in Frankreich neu schreiben, nachdem er das Erbgut aus Traubenkernen so genau analysiert hatte wie nie zuvor: „Bei früheren Arbeiten wurden von historischen Traubenkernen nur etwa 10.000 DNA-Bausteine analysiert, aber das Erbgut enthält 500 Millionen Bausteine. Unser Ziel war, sie alle zu analysieren. Und frühere Studien haben sich auf die Zeit von vor 2.500 Jahren bis vor 1.000 Jahren konzentriert. Wir haben die Zeit von vor 4.300 Jahren bis ins 15. Jahrhundert und weiter in die Moderne betrachtet.“

Eine erstaunliche Entdeckung machte er beim Vergleich der DNA aus einem mittelalterlichen Traubenkern mit einer Datenbank heutiger Rebsorten. „Die DNA eines nordfranzösischen Traubenkerns aus dem 15. Jahrhundert ist genetisch identisch mit einem heutigen Spätburgunder-Weinstock; wir haben jeden einzelnen DNA-Baustein analysiert.“

Das Erbgut einer Pflanze, die im 15. Jahrhundert wuchs, wurde durch Stecklinge – also Klone – bis heute erhalten. Daneben gibt es allerdings heute weitere Varianten des Spätburgunders (Pinot noir), einer der wirtschaftlich bedeutendsten Rebsorten in Frankreich.

2.600 Jahre französische Weingeschichte

Ludovic Orlando hat die DNA von Traubenkernen aus 49 Fundstätten analysiert. Die ältesten kamen nur von wildem Wein. Es waren griechische Siedler, die um das Jahr 600 vor unserer Zeitrechnung die ersten gezüchteten Weinstöcke nach Südfrankreich brachten, wo sie die Stadt Marseille gründeten.

Die ersten französischen Rebsorten entstanden in den folgenden 100 Jahren durch die Kreuzung mit wildem Wein. „Wir wissen nicht, ob das absichtliche Kreuzungen waren oder Zufall“, sagt der Archäobotaniker Laurent Boudy von der Universität Montpellier. „Vermutlich hat man damit die Rebsorten verändert, etwa für einen bestimmten Verwendungszweck, oder sie an die ökologischen Bedingungen angepasst.“ Die neuen Sorten wurden als Stecklinge über weite Distanzen gehandelt, bis nach Nordfrankreich.

DNA-Analysen zeigen, dass im Lauf der Jahrhunderte Wein-Erbgut von der Levante, aus Anatolien, dem Kaukasus und Spanien in französische Rebsorten eingeflossen ist.

DNA-Archäologie mit Blick in die Zukunft

Bevor man die DNA analysieren konnte, waren so detaillierte Analysen unmöglich. Unter dem Mikroskop kann man nur Größe und Form der Kerne unterscheiden. „Wir können wilden Wein von gezüchteten Rebsorten unterscheiden, und aus historischen Texten und Ausgrabungen wussten wir viel über Weinanbau, -herstellung und -handel, aber kaum etwas über die Pflanzen“, sagt Laurent Baudy. Und mit dem Mikroskop findet man auch nicht heraus, wie aus wildem Wein ertragreiche, domestizierte Sorten gezüchtet wurden.

Die DNA-Archäologie kann aber auch für die Zukunft des Weinbaus eine Rolle spielen, sagt Ludovic Orlando: „Wir könnten vielleicht unter den früheren Varianten welche finden, die nützlich sind für heutige Sorten. Oder zukünftige, in Anbetracht beispielsweise der globalen Erwärmung und des Artenverlusts durch die massive Anwendung von Pestiziden.“

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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