Weltweit wurde 2024 ein neuer Rekord bei der unterirdischen CO2-Speicherung (kurz: CCS, für Carbon Capture & Storage) erreicht: Über 43 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) wurden im Untergrund verpresst. Insgesamt sind es über 420 Millionen Tonnen in den letzten 30 Jahren. Das „Londoner Register der unterirdischen CO2-Speicherung“ (externer Link) zeigt in seinem diesjährigen Bericht (externer Link) einen kontinuierlichen Anstieg. Angetrieben wird er von Ölkonzernen, die steuerlich gefördert werden und auf vorhandene unterirdische Speicher und zur CO2-Abscheidung benötigte Technik zurückgreifen. Umweltingenieur Samuel Krevor vom Imperial College (externer Link), der die Forschergruppe leitet, die den Report erstellt, betont, wie stark CCS in den letzten zehn Jahren gewachsen ist – und dass dies zeige, dass die Technik inzwischen industriell im Millionen-Tonnen-Maßstab funktioniert.
CO2-Speicherung wichtige Maßnahme zum Erreichen des 1,5-Grad-Ziels – aber nicht ausreichend
Für Krevor ist klar: Ohne CO2-Speicherung (externer Link) ist das 1,5-Grad-Klimaschutzziel kaum erreichbar. Allein weniger Emissionen reichten nicht aus, zusätzlich müsse CO2 dauerhaft im Boden verschwinden. Die heutigen Mengen sind allerdings weit entfernt von dem, was dafür nötig wäre. Laut Krevor müssten jährlich rund eine Milliarde Tonnen Kohlendioxid weltweit gespeichert werden – also rund das 23-Fache der aktuellen Menge. Er ist jedoch optimistisch, dass diese Marke bis 2050 erreicht werden kann, wenn das Wachstum im selben Maß anhält. Andere Institutionen, wie etwa die Internationale Energie-Agentur IEA (externer Link), fordern dieses Niveau allerdings schon bis 2030.
Kritische Stimmen zur CO2-Speicherung: Technik unreif, Wissen begrenzt
Die Energieökonomin Franziska Holz vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung DIW teilt Krevors Zuversicht nicht. Aus ihrer Sicht ist die Technologie für das Einfangen von CO2 in großen Industrieanlagen noch längst nicht ausgereift. Schätzungen, so Holz, gingen davon aus, dass das Klimagas nur zu 60 bis bestenfalls 95 Prozent (externer Link) abgefangen werden könne. Und es gebe bislang nur wenige Projekte, die das Kohlendioxid wirklich dauerhaft speichern. Vieles sei noch im Experimentierstadium, mit kleinen Anlagen. Holz sieht daher großen Forschungsbedarf – gerade, was die Langzeitsicherheit der Speicher angeht. Denn nur wenn CO2 über Jahrhunderte im Boden bleibt, trägt CCS tatsächlich zum Klimaschutz bei.
Durch CO2-Speicherung noch mehr Öl aus Lagerstätten
Ein weiterer Kritikpunkt von Franziska Holz: Viele Ölunternehmen pressen Kohlendioxid vor allem in tiefe Gesteinsschichten ein, um mit dieser technischen Maßnahme, dem sogenannten „Enhanced Oil Recovery“ noch mehr Rohöl aus den Lagerstätten zu lösen. Klimaschutz ist dann eher Nebenprodukt als Hauptziel. So würde mehr fossile Energie gefördert, statt der Ausbau Erneuerbarer Energien vorangetrieben. Für „schwer zu dekarbonisierende“ Branchen wie die Zementindustrie oder Teile der chemischen Industrie hält Holz eine CO2-Speicherung für sinnvoll. Doch hier sei man noch weit davon entfernt, CCS zu nutzen.
Hoher Energiebedarf für CCS kann CO2-Emissionen verursachen
Zudem sei die Speicherung sehr energieaufwendig: „Tatsächlich ist es weniger die Verpressung im Gestein im Untergrund, sondern es ist der Vorgang der Abscheidung“, der viel Energie benötigt, so Franziska Holz. Der seinerseits Emissionen verursachen kann. Weil CCS noch gar nicht im großen Rahmen angewendet werde, kenne man die Höhe nicht genau. Aber Schätzungen gingen davon aus, dass die dafür benötigte Energie CO2-Emissionen erzeugen könnte, die 10 bis 100 Prozent der Menge entsprechen, die damit gespeichert werden soll.
CO2-Speicherung nur eine Maßnahme im Klimaschutz
Daher müsse dringend weiter erforscht werden, wie man Kohlendioxid effektiv und wirklich dauerhaft im Untergrund speichern könne. Und diese Forschung müsse auch öffentlich gefördert werden. Erst dann könne CCS Teil eines sinnvollen Klimaschutz-Mixes sein. Wichtigste Maßnahme sei der schnelle Ersatz fossiler Energieträger durch Erneuerbare Energie. Ohne den konsequenten Ausstieg aus Öl, Gas und Kohle werden auch CO2-Speicher die Erderwärmung nicht stoppen.

