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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > KI in der Justiz: „Das Gefühl für das Zwischenmenschliche fehlt“
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KI in der Justiz: „Das Gefühl für das Zwischenmenschliche fehlt“

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 18. Mai 2025 11:47
Von Michael Farber
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3 min. Lesezeit
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Ralf Lemster ist Fachübersetzer und arbeitet auch für Strafverfolgungsbehörden und Gerichte. Seit rund 25 Jahren nutzt er schon Computerprogramme, die ihn in seiner Arbeit unterstützen. Sie haben das Übersetzen oft schneller und einfacher gemacht.

Inhaltsübersicht
Computerprogrammen fehlt das GewissenKI kann nicht zwischen den Zeilen lesenFazit: Der Mensch muss kontrollieren

Diese Programme werden immer besser, sagt Lemster. So viel besser, dass man genau hinschauen müsse, wann man die Technik einsetzt und wann nicht: „Da ist halt die Frage, was ist es für ein Text? Ist es eine harmlose E-Mail, wo mich jemand fragt, wie das Wetter in Nürnberg ist? Oder ist es eine Anklageschrift? Das ist natürlich ein wahnsinniger Unterschied“, sagt der Fachübersetzer. Bei einer Tagung zu Chancen und Risiken von Künstlicher Intelligenz bei der Sprachmittlung in der Justiz tauschte sich Lemster in dieser Woche im Nürnberger Justizpalast mit Kollegen und Kolleginnen aus.

Computerprogrammen fehlt das Gewissen

Im juristischen Bereich wird viel mit sensiblen Daten gearbeitet. Das erfordert auch bei Übersetzern und Dolmetschern Sensibilität. Doch bei Übersetzungs- und Sprachtools gibt es oft keine Kontrolle, auf welchen Servern diese landen. Zudem sind die Programme fehleranfällig.

Das Gewissen fehle hier, sagt Übersetzer Lemster: „Alles, was die KI macht, alles, was die maschinelle Übersetzung tut, ist die Berechnung der Wahrscheinlichkeit und kommt mit dem Ergebnis raus, was wahrscheinlich die beste Übersetzung ist. Aber ohne es selbst zu wissen.“ Er und seine Kolleginnen und Kollegen arbeiteten nach der Formel „Nach bestem Wissen und Gewissen“. Gewissen fehle der Maschine aber.

KI kann nicht zwischen den Zeilen lesen

Es ist vor allem das Zwischenmenschliche, das die KI nicht entschlüsseln kann. Mimik und Gestik erkennen, Gefühle und Dialekte verstehen, zwischen den Zeilen lesen, all das kann KI noch nicht. Genau das ist aber für die vereidigte Dolmetscherin Karin Heese in ihrer Arbeit wichtig. Die Situationen im Gerichtssaal seien hochkomplex. Ob Richter, Zeuge, Angeklagter, Sachverständiger – jeder spreche in einer anderen Tonlage, mal laut, mal leise, eingeschüchtert oder aufgeregt: „Das Ganze führt dazu, dass der Dolmetscher sehr fein spüren muss, wie bei wem welche Situation ist. Er muss individuell darauf eingehen. Einen Sachverständigen, der irgendwas runterrattert muss ich anders dolmetschen wie einen Angeklagten, der kaum seine Worte findet“, so die Dolmetscherin.

Fazit: Der Mensch muss kontrollieren

Übersetzer und Dolmetscher haben eine hohe Verantwortung. Fehler beim Übersetzen könnten gravierende Folgen haben, erklärt Karin Heese. „Da geht es schon richtig um was. Wenn ich Diebstahl und Raub verwechsle, versuchter Totschlag oder versuchter Mord, da geht’s um viele Jahre Gefängnis.“ Deshalb könne sich das Gericht niemals auf eine automatische Übersetzung verlassen.

Die KI wird bei den Dolmetschern und Übersetzern auf der Fachtagung im Nürnberger Justizpalast als Praktikant gesehen, der sie in der Arbeit unterstützt. Am Ende müsse aber immer der Mensch stehen, der kontrolliert. Darüber waren sich alle einig.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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