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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Warum Alkohol so gut entspannt – und genau das zum Problem wird
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Warum Alkohol so gut entspannt – und genau das zum Problem wird

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 24. Juli 2026 16:47
Von Michael Farber
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3 min. Lesezeit
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Martin erinnert sich noch gut daran, wie alles begann. Erst trank er mit Freunden am Wochenende, später nach der Arbeit mit den Kollegen. Irgendwann gehörte auch zu Hause am Abend mindestens ein Drink dazu. Was zunächst nach einem gewöhnlichen Feierabend aussah, entwickelte sich schleichend zur Sucht.

Inhaltsübersicht
Alkohol zur Entspannung: Warum er so gut funktioniertAlkohol verhindert neue EntspannungstechnikenWarum Alkohol so verführerisch istMartins Weg aus der Sucht

Dabei ist Martin kein Einzelfall: Rund 3,9 Millionen Erwachsene zwischen 18 und 64 Jahren hatten laut der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen im Jahr 2024 in Deutschland eine alkoholbezogene Störung.

Alkohol zur Entspannung: Warum er so gut funktioniert

Als Martin, Ende 20, in einer Münchner Werbeagentur arbeitete, wurden lange Arbeitstage häufig gemeinsam in der Kneipe beendet. Mit der Zeit reichte ihm das nicht mehr. Auch zu Hause wurde Alkohol für ihn zum festen Bestandteil des Feierabends. Rückblickend sagt er: „Da war es schon so, dass ich fast keinen Tag mehr gehabt hab, ohne dass ich Alkohol getrunken hab.“

Genau darin sieht der Verhaltenstherapeut und Host im Psychologie-Podcast „Die Lösung“, Sina Haghiri, ein problematisches Muster: Alkohol zur Entspannung sei nicht nur bei Menschen mit einer Suchterkrankung verbreitet. Auch viele Menschen ohne Alkoholabhängigkeit griffen nach einem stressigen Tag bewusst zu Bier oder Wein, um herunterzukommen.

Alkohol verhindert neue Entspannungstechniken

Haghiri erlebt das nach eigenen Angaben regelmäßig in der Klinik. Dort behandle er Menschen mit ganz unterschiedlichen psychischen Belastungen. Viele seien überzeugt, kein Alkoholproblem zu haben, obwohl sie fast täglich zur Entspannung trinken.

Das eigentliche Problem sei dabei nicht nur der Alkohol selbst. Die Patientinnen und Patienten lernten in der Therapie neue Strategien gegen Stress und belastende Gefühle, etwa Achtsamkeit, Bewegung, Gespräche oder progressive Muskelentspannung. Diese Methoden müssten jedoch erst eingeübt werden und seien anfangs „sogar anstrengend“. Alkohol wirke dagegen sofort und mache es schwerer, neue Gewohnheiten aufzubauen.

Warum Alkohol so verführerisch ist

Aus Sicht des Verhaltenstherapeuten ist Alkohol deshalb eine besonders wirksame Entspannungstechnik. Er dämpft das Nervensystem und der Körper schüttet Glückshormone wie Dopamin und Serotonin aus. Die Wirkung setzt schnell ein und verlangt kaum Anstrengung. „Es wirkt körperlich, es wirkt sofort, es wirkt verlässlich, es ist überhaupt kein Aufwand“, sagt Haghiri.

Gerade diese scheinbare Einfachheit werde häufig unterschätzt. Nach Haghiris Einschätzung besteht das Problem nicht allein in den gesundheitlichen Risiken von Alkohol. Wer sich regelmäßig mit Alkohol entspannt, könne langfristig verpassen, andere Möglichkeiten zur Stressbewältigung zu entwickeln, die nachhaltiger und gesünder seien.

Martins Weg aus der Sucht

Für Martin kam irgendwann der Wendepunkt. Heute trinkt er seit 13 Jahren keinen Alkohol mehr. Geholfen haben ihm nach eigenen Angaben eine Selbsthilfegruppe, seine Familie und neue Beschäftigungen, unter anderem die Zeit mit seiner Tochter.

Was ihn bis heute abstinent hält, beschreibt er mit wenigen Worten: Er wolle nicht riskieren, das Vertrauen seiner Familie und alles, was er sich über Jahre aufgebaut habe, wieder zu verlieren.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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