In Deutschland breiten sich derzeit offenbar Infektionen mit dem Respiratorischen Synzytialvirus (RSV) aus. Darauf deutet die Belastung des Abwassers mit RS-Viren hin. Auch die Zahl der gemeldeten Infektionen mit RSV ist in den ersten beiden Januarwochen gestiegen, war zuletzt aber stabil. Was man zum RS-Virus wissen muss.
Infektionsgeschehen weiter von Influenzaviren bestimmt
Insgesamt bestimmend sind jedoch weiterhin Infektionen mit Influenzaviren. Das geht aus dem ARE-Bericht des Robert Koch-Instituts (RKI) für die dritte Kalenderwoche (externer Link) hervor.
Der Begriff ARE steht laut RKI für akute respiratorische Erkrankungen, also akute Atemwegsinfektionen, die durch verschiedene Viren ausgelöst werden können. Dazu zählen unter anderem Influenzaviren, SARS-CoV-2, Rhino- und Adenoviren sowie RS-Viren. Zwar ist die Aktivität akuter respiratorischer Erkrankungen in der dritten Kalenderwoche insgesamt angestiegen, sie bewegt sich jedoch weiterhin auf einem niedrigen Niveau.
RSV-Infektionen seit Jahresanfang gestiegen
Auch die Zahl der gemäß Infektionsschutzgesetz an das RKI gemeldeten RSV-Fälle blieb in der dritten Meldewoche stabil, nachdem sie in den ersten beiden Kalenderwochen des Jahres zugenommen hatte.
Allerdings steigt die Belastung des Abwassers mit RS-Viren seit mehreren Wochen kontinuierlich an. Abwasseranalysen geben Hinweise darauf, wie verbreitet RS-Viren tatsächlich sind, und machen die Dunkelziffer möglicher Infektionen sichtbar.
Respiratorischen Synzytialvirus: Was ist RSV?
RSV seht für „Respiratorisches Synzytialvirus“. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums (externer Link) handelt es sich um einen weltweit verbreiteten Erreger von akuten Atemwegserkrankungen. Infektionen mit RSV würden vor allem im Herbst und im Winter vorkommen. Laut RKI liege die „RSV-Saison“ auf der nördlichen Halbkugel (externer Link) etwa zwischen Anfang Oktober und Mitte Mai.
Die „RSV-Welle“ sei hingegen die Zeitspanne mit einer erhöhten RSV-Aktivität. In den vergangenen Jahren habe diese in der Regel im Dezember begonnen und drei bis vier Monate angehalten.
Welche Symptome ruft eine RSV-Infektion hervor?
Üblicherweise beginnt der Krankheitsverlauf laut RKI „mit Symptomen einer Infektion der oberen Atemwege wie Schnupfen und Husten, die sich zu Symptomen einer Infektion der unteren Atemwege entwickeln können.“ Bei Säuglingen könne sich die RSV-Erkrankung „als Entzündung der feinen Äste der unteren Atemwege (Bronchiolitis)“ festsetzen.
Symptome könnten unter anderem ein schnelles, angestrengtes Atmen sein, außerdem Kraftlosigkeit oder Trinkschwäche, so das RKI. Bei Personen mit Vorerkrankungen bestehe außerdem ein erhöhtes Risiko für eine Lungenentzündung.
Wie gefährlich ist RSV?
Laut Bundesgesundheitsministerium kann eine Infektion mit RSV als leichte Atemwegsinfektion verlaufen. Möglich ist aber auch eine schwere Erkrankung der unteren Atemwege, so das Gesundheitsministerium: „Vor allem Säuglinge, insbesondere Frühgeborene und Säuglinge mit bestimmten Grunderkrankungen, sowie Erwachsene ab einem Alter von 75 Jahren und ältere Erwachsene mit bestimmten Grundkrankheiten haben ein erhöhtes Risiko, schwer an RSV-Infektionen zu erkranken.“ Infektion können also unterschiedlich schwer verlaufen, möglich sind auch Todesfälle, so das RKI.
RSV-Impfung möglich – passive Immunisierung für Säuglinge
Von der Ständigen Impfkommission (STIKO) wird eine einmalige RSV-Impfung für Menschen ab 75 Jahren empfohlen. Außerdem für Personen ab 60 Jahren, die eine schwere Grunderkrankung haben oder in einer Pflegeeinrichtung leben.
Für Neugeborene und Säuglinge empfiehlt die STIKO eine passive Immunisierung mit dem monoklonalen Antikörper Nirsevimab (Beyfortus; Sanofi). Die Immunisierung erfolgt einmalig und richtet sich nach der Geburtszeit des Kindes, um während der RSV-Saison Schutz zu gewährleisten. Kinder, die zwischen April und September geboren werden, erhalten die Antikörper im Herbst vor der Saison, während Kinder, die zwischen Oktober und März geboren werden, möglichst direkt nach der Geburt immunisiert werden sollen.
Dieser Schutz verhindert in der Regel eine schwer verlaufende RSV-Infektion während der ersten RSV-Saison, kann aber nicht verhindern, dass die Kinder später erneut infiziert werden. Allerdings verläuft eine spätere Infektion in der Regel milder, da die Atemwege dann schon besser entwickelt sind.
Lohnt sich jetzt noch eine Impfung gegen RSV?
Idealerweise sollte die RSV-Impfung vor Beginn der Saison, also zwischen Mitte Oktober und Mitte November, erfolgen, um rechtzeitig Schutz aufzubauen. Aber auch jetzt kann eine Impfung noch sinnvoll sein, da die RSV-Saison bis in den Mai reichen kann.
Bei Erwachsenen dauert es nach der Impfung in der Regel ein bis zwei Wochen, bis ein wirksamer Schutz aufgebaut ist.

