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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Explosion am Bildschirm: 40 Jahre Challenger-Katastrophe
Kultur

Explosion am Bildschirm: 40 Jahre Challenger-Katastrophe

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 28. Januar 2026 09:47
Von Uta Schröder
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4 min. Lesezeit
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28. Januar 1986, kurz nach halb zwölf mittags an der Ostküste der USA. Am Himmel über Florida steigt eine weiße Rakete auf, eine Spur aus Feuer und Rauch, makellos, elegant. Und dann – nach 73 Sekunden – eine Explosion. Für einen Moment versteht niemand, was da gerade passiert.

Inhaltsübersicht
Katastrophe am Himmel – und alle schauen zuWarnungen ignoriertDas All gehört den Milliardären

Die Explosion der Challenger war mehr als ein Unfall. Zum ersten Mal starben Menschen im Rahmen einer Raumfahrtmission vor den Augen der Weltöffentlichkeit – oder genauer: Ihr Tod wurde zu einem Bild, das sich ins kollektive Gedächtnis einbrannte. Das liegt daran, dass die Aufnahmen in den Stunden und Tagen danach unablässig wiederholt wurden. Immer wieder dieselben 73 Sekunden. Immer wieder die Explosion.

Katastrophe am Himmel – und alle schauen zu

Dass diese Bilder eine solche Wucht entwickelten, hatte auch mit dem zu tun, was die Challenger symbolisieren sollte. Unter Präsident Reagan sollte der Staat beweisen, dass er wie ein Unternehmen geführt werden kann: schlank, leistungsfähig, kosteneffizient. Auch die NASA geriet unter diesen Druck. Das Space-Shuttle-Programm sollte zeigen, dass Raumfahrt keine Ausnahme mehr ist – sondern Routine. Ein Bus ins All. Genau deshalb saß an Bord der Challenger auch eine Lehrerin: Christa McAuliffe.

Ausgewählt aus rund 11.000 Bewerbern im Rahmen des „Teacher-in-Space“-Programms. Sie war die erste Zivilistin im All, Stellvertreterin einer Idee: Raumfahrt als Teil des Alltags, des American Dream. Wenn eine Lehrerin ins All fliegen kann, dann kann jeder ins All fliegen. Dann ist die Zukunft normal geworden.

Warnungen ignoriert

Doch es kam anders. Warnungen von Ingenieuren wurden in den Wind geschlagen, Verantwortlichkeiten zerbröselten zwischen Behörde und privaten Auftragnehmern. Es reichte, dass etwas funktionierte – auch wenn man wusste, dass es nicht wirklich sicher war. Die Soziologin Diane Vaughan nannte das später die „Normalisierung von Abweichung“: Man gewöhnt sich an das Falsche, solange nichts passiert. Bis etwas passiert.

Als die Challenger explodierte, zerbrach dann nicht nur eine Raumfähre, sondern eine Erzählung. In seiner Fernsehansprache versuchte Präsident Reagan, das Desaster in Pionier-Pathos zu verwandeln. „Nothing ends here“, sagte er. Dies sei nicht das Ende. „Die Zukunft gehört nicht den Kleinmütigen, sie gehört den Tapferen.“ Doch genau diese Zukunft wurde erst einmal auf Eis gelegt. Visionen waren wieder eher etwas für den Arzt. Manche sagen, die Katastrophe warf die bemannte Raumfahrt um mindestens ein Jahrzehnt zurück. Nicht nur technisch, sondern auch mental.

Das All gehört den Milliardären

Man kann deshalb durchaus spekulieren, dass wir ohne die Challenger-Katastrophe in einer anderen Gegenwart leben würden. Vielleicht näher an jener alternativen Zeitlinie, die die Apple-Serie „For All Mankind“ entwirft: einer Welt, in der der Wettlauf ins All nie wirklich endet, in der Raumfahrt gesellschaftlich verankert bleibt, politisch priorisiert, kulturell aufgeladen. Eine Welt, in der das All nicht exotisch ist, sondern Alltag – riskant, ja, aber getragen von einem kollektiven Willen.

Heute fliegen keine Lehrerinnen mehr ins Weltall. Heute fliegen Milliardäre. Tech-Unternehmer. Popstars wie Katy Perry. Ins All als Spektakel, als Punkt auf der persönlichen Bucketlist. Raumfahrt ist zurück, ja. Aber sie ist nicht mehr gesellschaftlich, sondern exklusiv. Nicht mehr Versprechen, sondern Erlebnis.

Vielleicht ist das der größte Unterschied zu 1986. Damals sollte eine Lehrerin zeigen, dass der Weltraum allen gehört. Heute zeigt der Weltraum vor allem, wer es sich leisten kann, dort zu sein.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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