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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Baustellen-Aushub: Nutzlos oder wiederverwertbar?
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Baustellen-Aushub: Nutzlos oder wiederverwertbar?

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 30. Januar 2026 09:49
Von Michael Farber
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4 min. Lesezeit
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Mehr als 100 Millionen Tonnen Boden schaufeln Bagger in Deutschland jedes Jahr aus Baugruben: Man braucht rund fünf Millionen Kipplaster, um diese Menge auf Deponien zu transportieren. Denn da landet solcher Bau-Aushub normalerweise.

Inhaltsübersicht
Baustellen-Aushub: Kreislaufwirtschaft statt Deponie bei BödenPflanzenkohle aus Holz filtert Biozide im Boden besonders gutBaustellen-Böden bringen Blumen am Straßenrand zum Blühen

Es ist sogenannter mineralischer Unterboden, ohne organische Substanz aus Pflanzenresten und die vielen Kleinstlebewesen und Mikroorganismen, die einen Boden fruchtbar machen. Solchen fruchtbaren Boden brauchen nicht nur Landwirte und Gärtner, sondern auch Städte für ihre Grünflächen. Sie holen ihn nicht selten aus dem Umland.

Baustellen-Aushub: Kreislaufwirtschaft statt Deponie bei Böden

In München will man einen anderen Weg gehen: Kreislaufwirtschaft auch bei Böden. „Was in der Stadt anfällt, sollte im besten Fall auch in der Stadt wiederverwendet werden“, sagt die Biologin Nadja Berger vom Lehrstuhl für Renaturierungsökologie der Technischen Universität München (TUM). Der Bau-Aushub lässt sich mit Kompost, den die Stadt aus dem Inhalt der Bio-Tonnen herstellt, zu fruchtbarem Boden aufwerten.

Mit solchen „konstruierten Böden“ wurde in den vergangenen Jahren auch anderswo schon experimentiert. In München will man aber Böden für die Begrünung von Straßengräben erzeugen. „In so einem Fall wollen wir Zusatzstoffe in diese neu konstruierten Böden mischen, die den Schadstoffrückhalt verbessern“, sagt Berger. „An dieser Zusatzfunktionalität wurde noch nicht so viel geforscht.“

Pflanzenkohle aus Holz filtert Biozide im Boden besonders gut

Welche Zusatzstoffe sich dafür am besten eignen, hat die Umweltingenieurin Natalie Páez Curtidor vom Lehrstuhl für Siedlungswasserwirtschaft der TU München untersucht. „Besonders gut funktioniert Pflanzenkohle aus Holz, die bei über 800 Grad hergestellt wurde“, erklärt sie. Ähnlich wie Holzkohle zum Grillen entsteht Pflanzenkohle, indem Holzreste ohne Sauerstoff-Zufuhr verschwelt werden. In der Landwirtschaft verwendet man sie, um den Boden locker zu halten, und weil sie in den Poren Nährstoffe speichert. „Diese mikropörose Struktur erlaubt auch die Entfernung von Schadstoffen.“

Zwei Sorten von Schadstoffen sollte der „konstruierte Boden“ ausfiltern: Schwermetalle, die aus Reifen- und Bremsabrieb kommen oder von Metalldächern. Und Biozide, die zum Beispiel Wärmedämm-Fassaden vor Pilzbefall schützen. „Pflanzenkohle wirkt vor allem für Biozide gut“, das haben Páez Curtidors Experimente gezeigt. „Bei Schwermetallen ist der Effekt weniger ausgeprägt.“ Vielleicht können andere Zusatzstoffe mit Ionenaustauscher-Funktion den Böden auch noch diese Funktion verleihen, daran wird noch geforscht. Die Biozide aber bleiben hängen und werden dann im Boden nach und nach abgebaut – statt im Grundwasser zu landen.

Baustellen-Böden bringen Blumen am Straßenrand zum Blühen

Auf den konstruierten Böden aus Bau-Aushub, Kompost und Pflanzenkohle soll aber auch etwas wachsen. Nadja Berger hat in ihren Experimenten nach Pflanzen gesucht, die Bienen, Hummeln und anderen Insekten etwas bieten – und mit dem schwierigen Standort am Straßenrand zurechtkommen. „Es sickern die Schadstoffe ein, bei starkem Regen kann es sein, dass diese Mulden für ein paar Tage überstaut sind, aber es kann auch passieren, dass wir zwischendurch eine Dürreperiode haben.“

Neben einigen Gräsern haben sich auch Pflanzen als robust genug erwiesen, die man von bunten Wiesen kennt, wie das unscheinbare Labkraut mit vielen kleinen weißen Blüten, der große Wiesenknopf mit seinen dunkelroten Köpfchen oder der Wiesensalbei mit seinen langen, violetten Kerzen. Wenn sie demnächst an einem Straßenrand blühen, könnte es also sein, dass sie auf einem ganz besonderen, einem konstruierten Boden wurzeln.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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