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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Cees Nooteboom – Der reisende Poet Europas ist tot
Kultur

Cees Nooteboom – Der reisende Poet Europas ist tot

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 12. Februar 2026 11:50
Von Uta Schröder
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4 min. Lesezeit
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Warum reisen Sie so viel? Immer wieder musste der Schriftsteller Cees Nooteboom diese Frage beantworten. „Auf Reisen lernt ein Mensch sich selbst kennen“, zitierte der Niederländer einmal einen arabischen Philosophen. Doch wurde er selbst gerade mit seinen Reisebüchern und Romanen auch ein Chronist Europas. Nun starb Nooteboom im Alter von 92 Jahren in seiner Wahlheimat, der spanischen Insel Menorca.

Inhaltsübersicht
Das Reisen als SchreibschuleMehr Lyriker als RomancierHeimat war für Noteboom nicht ein Ort, sondern die Sprache

Nooteboom packte immer wieder seine Koffer. Er durchquerte nicht nur Kontinente, sondern lebte auch in den verschiedenen Ländern. Er wollte sehen und verstehen. Der wahre Reisende befinde sich immer im Auge des Sturms, schrieb er 2002: „Der Sturm ist die Welt, das Auge ist das, womit er die Welt betrachtet. Im Auge ist es still, und wer sich darin befindet, kann gerade die Dinge unterscheiden, die den Sesshaften entgehen.“

Das Reisen als Schreibschule

In mehr als 60 Jahren veröffentlichte der Niederländer Romane, Erzählungen, Gedichte und viele Essays, Reportagen und Reisebücher. In vielen Ländern wurde er bereits geehrt und ausgezeichnet. Aber das Schreiben falle ihm auch schwer, räumte er einmal ein. Nooteboom rang mit jedem Wort und ziselierte seine Sätze wie ein Bildhauer, der mit einem feinen Messer ein Porträt aus einem Stein schnitzt.

Das Reisen wurde für Nooteboom gleich nach dem Gymnasium auch eine Schreibschule. „Die übertriebene Lyrik muss aus meinen Werken heraus“, entschied er als junger Mann nach der Veröffentlichung seines romantischen Debütromans 1955 „Philip und die anderen“. „Um schreiben zu können, ist eine gewisse connaissance du monde nötig. Darum bin ich auf Reisen gegangen.“

Im Auftrag von niederländischen Zeitungen reiste der junge Mann durch Europa. 1956 erlebte er in Budapest den russischen Einmarsch. Er berichtete im Mai 1968 von der Studentenrevolte in Paris. 1963 kam er zum ersten Mal nach Berlin. 26 Jahre später wurde er in Berlin fast zufällig Zeuge des Mauerfalls.

Mehr Lyriker als Romancier

Nooteboom blieb und beschrieb, wie Geschichte und Gegenwart miteinander verschmolzen. Seine „Berliner Notizen“ sind die Beobachtungen aus der Stadt, in der er zwischen 1989 und 2009 auch immer wieder lebte.

Als Romancier hatte Nooteboom seinen internationalen Durchbruch erst 1980 mit seinem Roman „Rituale“. Die mehrfach ausgezeichnete und später verfilmte tragisch-komische Geschichte des Händlers und Frauenliebhabers Inni Wintrop bündelt seine Themen: Die Existenz des Menschen in der Zeit und die Erinnerung. Die Menschen gäben der Vergangenheit sehr willkürlich eine Bedeutung, sagt die Hauptperson. „Die Erinnerung ist wie ein Hund, der sich hinlegt, wo er will.“

Die Romane „Die folgende Geschichte“ von 1991 und „Allerseelen“ aus dem Jahr 1998 festigen dann seinen Ruf als großer Romancier. In „Allerseelen“ ringt der niederländische Kameramann Arthur Daane, der eine ahistorische Welt filmen will, mit der Erinnerung. Der Autor selbst sah sich nicht so sehr als Romancier, sondern vor allem als Lyriker. Doch alles, was er schrieb, war eng miteinander verbunden.

Heimat war für Noteboom nicht ein Ort, sondern die Sprache

Seine Wurzeln waren in den Niederlanden. Mit seiner Frau, der Fotografin Simone Sassen, wohnte er abwechselnd in Amsterdam und seinem zweiten Zuhause Spanien. Leser lernten sein Haus und Garten auf der Insel Menorca aus seinen Werken kennen.

Doch Heimat war für den reisenden Poeten nicht so sehr ein Ort, sondern die Sprache. Nooteboom sprach zwar viele Sprachen, doch nur auf Niederländisch könne er Bücher schreiben, sagte er einmal. Damit wurde seine Heimat, so sagte er, ausgerechnet für den Reisenden ein Gefängnis: „Ich komme nie raus, es sei denn, durch eine gute Übersetzung.“

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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