Seit einigen Jahren beobachtet Franz Leutenbauer einen Trend: Die Kunden bräuchten heute viel länger, bis sie eine neue Heizung bei ihm bestellen. „Die Leute sind weniger entscheidungsfreudig“, erzählt der Geschäftsführer einer Gebäudetechnikfirma in Schöngeising, einem kleinen Ort nahe Fürstenfeldbruck.
Viel Unsicherheit, wenig Klarheit
Und Franz Leutenbauer kennt auch den Grund dafür: „Die Politik trifft oft Entscheidungen, die einfach ein bisschen aus der Hüfte geschossen kommen“, sagt er. „Man möchte ein Gesetz ändern und die Leute warten dann einfach ab, was kommt.“
Diese Unsicherheit dürfte nicht gerade kleiner geworden sein, seit die schwarz-rote Regierungskoalition am Dienstagabend ein fünfseitiges Eckpunktepapier (externer Link) vorgestellt hat. Darin umreißt sie, wie sie das bisher geltende Gebäudeenergiegesetz reformieren will. „Dieses Eckpunktepapier wirft mehr Fragen auf als es beantwortet“, sagt Wolfgang Schwarz, Hauptgeschäftsführer vom Fachverband Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik in Bayern (SHK). Und: „Keiner weiß was.“
Das fünfseitige Schreiben sorgt für Gesprächsbedarf: Welche Heizung ist jetzt noch die rentabelste? Wie steht es um die Förderung bei neuen Heizungen? Und was bedeutet das alles für Mieterinnen und Mieter?
Welche Kosten fallen künftig bei einer Öl- und Gasheizung an?
„Die Kunden laufen Gefahr, in eine Kostenfalle zu tappen“, konstatiert der Energieberater Alexander Beer von der Verbraucherzentrale Bayern. Dafür gebe es mehrere Gründe: Zum einen wird auf Öl und Gas auch weiterhin ein CO2-Preis anfallen. Der liegt aktuell zwischen 55 und 65 Euro pro Tonne, wird aber in Zukunft deutlich höher liegen – spätestens dann, wenn der deutsche in den europäischen Emissionshandel überführt wird. „Experten sind sich einig, dass der Preis dann auf circa 300 Euro pro Tonne steigen wird“, so Beer.
Auch die verpflichtende Beimischung von Biokraftstoffen, die für neue Öl- oder Gasheizungen in Deutschland vorgesehen ist, wird sich auf der Rechnung bemerkbar machen. Denn: „Die Herstellung von grünem Gas, grünem Öl oder Wasserstoff ist sehr teuer“, erklärt Wolfgang Schwarz vom SHK Bayern. Diese Kosten träfen dann auch all jene Fernwärmenetze, die noch zum überwiegenden Teil mit konventionellem Öl oder Gas gespeist werden.
Welche Heizungsart ist am Schluss rentabler?
Die genauen Kosten fürs Heizen hängen vom Haus- oder Wohnungstyp ab. An dieser Stelle also nur ein Rechenbeispiel: Bei einem Einfamilienhaus mit nur einer Wohneinheit rechnet Energieberater Beer für den Einbau einer Ölheizung mit rund 19.000 bis 20.000 Euro. Wärmepumpen dagegen gibt es in verschiedenen Preisklassen, aber als ungefähren Durchschnittswert nennt Beer 35.000 Euro. Allerdings: Wärmepumpen werden vom Staat gefördert. Bei einer Fördersumme von 16.500 Euro muss der Kunde nur noch rund 19.000 Euro zahlen – ähnlich viel also wie für eine Ölheizung.
Und: Im laufenden Betrieb sei dann die Wärmepumpe billiger, sagt Beer. „Bei einem Durchschnittsverbrauch von 25.000 Kilowattstunden muss man bei einer Öl- oder Gasheizung zukünftig mit 300 bis 400 Euro Mehrkosten rechnen“, bilanziert Beer.
Wie geht es weiter mit der Förderung? Muss ich mich jetzt beeilen?
Die Bundesförderung für effiziente Gebäude werde bis mindestens 2029 sichergestellt, heißt es im Eckpunktepapier der Regierungskoalition. Das betrifft also beispielsweise Wärmepumpen, Brennstoffzellenheizungen oder wasserstofffähige Heizungen. „Aber ob das tatsächlich dieselben Förderstufen sind, bleibt noch abzuwarten“, sagt SHK-Bayern-Geschäftsführer Schwarz. Bislang hat die Bundesregierung nur klargestellt, dass Öl- und Gasheizungen unter dem neuen Heizungsgesetz nicht gefördert werden sollen.
Worauf müssen sich Mieter einstellen?
Das Eckpunktepapier hält fest, dass es eine Regelung braucht, die Mieterinnen und Mieter vor überhöhten Nebenkosten schützt. Wie genau das aussehen könnte, bleibt aber unklar. „Ich bin gespannt, wie das die Regierung umsetzen möchte“, sagt Energieberater Beer. Denn theoretisch könnten Vermieter eine Gasheizung in ihr Mietshaus einbauen und die Kosten für die Einspeisung von teurem Grüngas dann auf die Mieter umwälzen. Der Vorteil für den Vermieter: Er wäre vom CO2-Preis befreit. Der Mieterbund kritisiert den Vorstoß (externer Link) der Regierung deshalb scharf.

