So wird die Saison 2026/27
Gute Laune bei den Münchner Philharmonikern
Gute Laune bei den Münchner Philharmonikern
Gute Stimmung bei den Münchner Philharmonikern: Sie freuen sich auf die kommende Saison mit ihrem neuen Chefdirigenten Lahav Shani. Für den gibt es von Seite der Musikerinnen und Musiker großes Lob. Ein Motto? Gibt es nicht. Dafür selten gespielte Werke und ungewohnte Kombinationen.
Bildquelle: Münchner Philharmoniker / Tobias Hase
Klassik aktuell
So wird die neue Saison der Münchner Philharmoniker
Die Münchner Philharmoniker haben gute Laune. Die Auslastungszahlen sind stabil, die Konzerte der kommenden Spielzeit machen neugierig und nach einer langen Phrase der Vorfreude tritt endlich der Chefdirigent sein Amt an. Um ihm geht es deshalb auch in dieser Saison: Lahav Shani, der von den frisch gedruckten Programmbüchern lächelt und bald in neuer Position vor seinem Orchester stehen wird.
Kommende Saison steht Lahav Shani als neuer Chef im Vordergrund

Bildquelle: Münchner Philharmoniker / Tobias Hase
Kennengelernt haben sich der Dirigent und das Orchester 2022, als Anne-Sophie Mutter ein Benefizkonzert zugunsten der Ukraine organisiert hat. Es hat sofort gefunkt. Über die Wahl Shanis zum Chef sagt die Klarinettistin Alexandra Gruber aus dem Orchestervorstand: „Es gab keine Stichwahl.“ In den darauffolgenden Monaten hat sich die Beziehung von Dirigent und Ensemble vertieft, sodass Gruber jetzt schon meint: „Er ist einer von uns.“ Man hat sich deshalb einiges überlegt, um die neue Ära mit Fest-Glanz einzuläuten und ihr mit ein paar neuen Impulsen Anfangsschwung zu verleihen.
Neue Spielzeit ohne Motto aber mit Roten Fäden
Ein Motto, wie es in der Vergangenheit üblich war, hat die neue Spielzeit zwar nicht. Rote Fäden gibt es aber – Lahav Shani möchte sich dem Publikum in ihm persönlich wichtigen Programmen vorstellen. Für den Einstand hat er sich deshalb seine musikalische Freundin, die Weltpianistin Martha Argerich eingeladen. Daneben erklingen die auf hebräischen Texten basierenden „Chichester Psalms“ von Leonard Bernstein. Dem in Tel Aviv geborenen Shani war es wichtig, ein Werk in seiner Muttersprache aufzuführen. Und auch Strawinskys „Le sacre du printemps“, ein Stück, das ihn früh geprägt hat. „Ich habe zwei Wochen lang nichts gemacht, als diese Partitur zu lesen“, sagt er.
Das Programm setzt auf selten Gespieltes und neue Kombinationen

Bei der Pressekonferenz stellen die Philharmoniker und Chefdirigent Lahav Shani das kommende Programm und die Highlights vor. | Bildquelle: Münchner Philharmoniker / Tobias Hase
Die Programme der im September startenden Saison folgen einer Gestaltungsdevise: Die Granden behalten, aber auch mal jenseits ihrer Standards suchen. Also nicht zum x-ten Mal Mendelssohns „Italienische“, sondern seine ingeniöse „Erste Walpurgisnacht“. Nicht Schumanns „Rheinische“, dafür die selten gehörten späten „Szenen aus Goethes Faust“. Oder spannungsreiche Kombinationen aus Bewährtem und Seltenem. Bruckners Vierte kommt mit dem Violinkonzert von Philip Glass in Kontakt. Wie das zusammenpasst? „Werden wir sehen!“, sagt Shani und lacht.
Mahlers vierte Symphonie steht auf einem Programmzettel mit Werken des israelischen Komponisten Paul Ben-Haim, der 1897 als Paul Frankenburger in München geboren wurde. „Für mich der größte Komponist Israels“, sagt Shani. Ben-Haims „Concerto grosso“ wird zum ersten Mal von den Münchner Philharmonikern aufgeführt. Und das, obwohl die Uraufführung des Stücks noch für März 1933 geplant war. Aufführungsverbote der Nazis machten das unmöglich. Jetzt kehrt das Werk zurück. „Wir schulden ihm diese Aufführung“, sagt Shani.
Neues Festival im Mai 2027
Das Konzert findet im Rahmen eines neuen Festivals im Mai 2027 statt. Dessen Programm steht noch nicht ganz fest, aber Shani, der versierter Pianist ist und Kontrabass spielt, soll dabei auch als Kammermusiker auftreten. Alexandra Gruber fasst es so zusammen: „Wir haben einen ‚gekauft‘ und drei bekommen: Einen Dirigenten, einen Pianisten und einen Kontrabassisten. Oder eigentlich noch einen vierten – einen Freund.“
Klassik-Promis wie Janine Jansen und Anne-Sophie Mutter
Auch im neuen Programm glitzern also die Stars. Janine Jansen, Renaud Capuçon oder Anne-Sophie Mutter kommen. Der Ehrendirigent des Orchesters, Zubin Mehta, dirigiert ein Konzert, ebenso Andris Nelsons oder Manfred Honeck. Mit Musikerinnen wie Anja Bihlmaier, Nathalie Stutzmann, Marie Jacquot oder der dirigierenden Sängerin Barbara Hannigan hat man einige der besten Orchesterleiterinnen gewinnen können. Fortgeführt werden etwa die beliebten Jugendkonzerte und die inzwischen relativ gut besuchten Kammermusikprojekte. Neu hinzu kommt die konzertante Aufführung einer Oper. Den Anfang macht „Herzog Blaubarts Burg“ von Béla Bartók.
Sparmaßnahmen: Kartenverkauf soll gesteigert werden
Die Freude ist also groß auf allen Seiten. Dirigent und Orchester sind gefragt, Tourneen sind geplant. Und auch die Zahlen beim Heimpublikum stimmen den Intendanten des Orchesters, Florian Wiegand, positiv. Die Auslastung der Isarphilharmonie lag in den vergangenen Monaten bei 90 Prozent und besonders im U30-Segment sei man erfolgreich. Der Kartenverkauf solle nochmals gesteigert werden, wenn erst einmal der neue Chefdirigent mit seiner Strahlkraft und verbindenden Funktion da ist, sagt Wiegand. Dennoch: Die Sparmaßnahmen der Stadt treffen auch das Orchester. „Wir wollen nicht am Angebot und an der künstlerischen Qualität sparen“, stellt der Intendant klar.
Einnahmen müssen her: Karten werden teuer
Da hier nicht gespart wird, müssen die Einnahmen steigen. Florian Wiegand ist dafür nach wie vor auf der Suche nach Sponsoren und Mäzenen. Ganz ohne Preissteigerung geht es allerdings nicht. Die Karten für Konzerte in der Isarphilharmonie steigen daher durchschnittlich um 6 bis 7 Prozent, wobei Wiegand betont: Davon seien primär die obersten Preiskategorien betroffen, die unteren weniger und die unterste gar nicht. Auch die Preise der Jugendkarten ändern sich nicht.

Gute Stimmung bei den Philharmonikern: Sie freuen sich auf die Zusammenarbeit mit ihrem neuen Chefdirigenten Lahav Shani und tolle Solisten. | Bildquelle: Münchner Philharmoniker / Tobias Hase
Bleibt nur noch die ewig aktuelle Frage nach dem Haus. Die Philharmonie im Gasteig ist zu, wie lange genau, ist schwer zu sagen. 2033 soll die Generalsanierung abgeschlossen sein, hofft man. „Wir haben extra einen jungen Dirigenten genommen, damit er da noch dirigieren kann“, scherzt Kulturreferent Marek Wiechers. Da lacht Lahav Shani. Doch er sagt auch: „Es ist wichtig, dass wir das machen. Die Isarphilharmonie ist toll, aber wir können sie kein Zuhause nennen. Und ein Orchester wie die Münchner Philharmoniker braucht ein Zuhause.“
Die Feststimmung trübt das kaum. Zu sehr freut man sich über den neuen Chef und möchte mit ihm feiern – auf musikalischen Entdeckungsreisen und mit Weltklasse-Solisten.
Bildquelle: © Günther Pichlkostner/First Look/picturedesk.com/picture alliance
Klassik am Odeonsplatz mit den Münchner Philharmonikern und Lahav Shani
Sergej Rachmaninow: Symphonische Tänze
Autor des Textes: Paul Schäufele
Sendung: „Leporello“ am 12. März 2026 ab 16:05 Uhr auf BR Klassik und im Podcast „Klassik aktuell“

