Ein Minibagger im Kirchenschiff, vorne ein Hydraulikhammer. In Bad Rodach wird der Boden der Salvatorkirche von 1749 gerade herausgebrochen. Das Gebäude ist entwidmet, also offiziell kein Gotteshaus mehr, und soll als Gemeinde- und Verwaltungszentrum weitergenutzt werden.
Umwidmung der Salvatorkirche: Warum Bad Rodach umbaut
Seit 2018 beschäftigt sich die evangelische Kirchengemeinde Bad Rodach mit der Zukunft ihrer Gebäude. Zwei Kirchen zu unterhalten, dazu Pfarramt und weitere Räume, wurde zu teuer. Pfarrer Christian Rosenzweig sagt: „Es war schnell klar, wir brauchen keine zwei Kirchen. Wir haben eine Hauptkirche am Markt und wir brauchen ein Gemeindezentrum mit einem Pfarramt. Und deswegen kamen wir zu dem Schluss: Wenn wir diese Salvatorkirche erhalten, dann geht das nur, wenn wir sie sozusagen umnutzen.“
Für die Umnutzung passt vieles aus der Ausstattung nicht mehr. Die Gemeinde schrieb deshalb einen Architektenwettbewerb aus. Geplant ist ein Holzkubus im Inneren, der künftig Büros und den Gemeindesaal aufnimmt.
Kirchenkunst im Museum: Sakristei, Liedertafeln, Altarkreuz
Was herausgenommen wird, soll nicht einfach verschwinden. Im Heimatmuseum Bad Rodach wird seit gut zwei Jahren eine hölzerne Sakristei ausgestellt, also der Raum, in dem sich Mitwirkende früher auf den Gottesdienst vorbereiteten. Dort stehen auch Liedertafeln und das Altarkreuz.
Helga Bießenecker, Vertrauensfrau im Kirchenvorstand, sagt: „Wir sind glücklich darüber, dass das so gut Platz gefunden hat. Jeden Sonntag ist das Museum geöffnet, und die Rodacher sind dankbar und glücklich, wenn sie ihre Sakristei wiedersehen.“
Museumsleiterin Hedda Hanft erlebt, dass das nicht selbsterklärend ist. „Man muss es schon manchmal erklären, was das ist. Es kommen ja auch viele Fremde rein.“
Orgel bei Ebay angeboten, Kanzel eingelagert
Für den Verkauf der Orgel wählte die Gemeinde einen ungewöhnlichen Weg: „Die haben wir tatsächlich ganz unkonventionell über Ebay angeboten“, erzählt Rosenzweig. „Und dann hatten wir eine Anfrage von einer Musikschule und von einer katholischen Gemeinde. Wir haben uns dann im Kirchenvorstand für die katholische Gemeinde entschieden, weil wir sagen, dann spielt die Orgel weiter zur Ehre Gottes.“
Anderes zog in die Johanniskirche um, die künftig die einzige evangelische Kirche in Bad Rodach ist. Dort sind nun das Abendmahlsgeschirr und ein leichter Taufstein, mit dem die Gemeinde künftig auch im Freien taufen will. Die frühere Kanzel aus der Salvatorkirche liegt dagegen verpackt im Dachstuhl der Johanniskirche.
Interessenten gab es keine. Die Denkmalschutzbehörden bestanden darauf, dass sie erhalten bleibt. Pfarrer Rosenzweig sieht die Lösung mit gemischten Gefühlen: „Ich denke, sie liegt und sie bleibt liegen, solange, bis die nächste oder die übernächste Generation sie irgendwann entfernt. Sie ist hier weder ausgestellt, noch kann sie betrachtet werden, sie hat kein Gegenüber mehr.“
Inventarisierung und Förderung: Lehre für andere Gemeinden
In der evangelischen und katholischen Kirche wird inzwischen intensiver darüber gesprochen, was mit Kunst und Inventar passiert, wenn Gotteshäuser umgewidmet werden. Denn längst lässt sich nicht alles weiter nutzen oder einfach irgendwo unterbringen. Helmut Braun, Kunstbeauftragter der Evangelischen Landeskirche, sagt: „Es geht nicht darum, alles wegzuschmeißen, sondern sich sehr bewusst zu machen: Was haben wir und wie können wir mit welchen Objekten, mit welcher Kunst adäquat umgehen?“
Bei katholischen Kollegen würden Kruzifixe, Rosenkränze oder Heiligenfiguren, die nicht mehr gebraucht werden, auch in ein Grab gelegt und würdevoll verabschiedet. In Bad Rodach war das nicht nötig. Dort habe sich für vieles eine Lösung gefunden, sagt Rosenzweig. Entscheidend sei, frühzeitig anzufangen und ohne Hektik zu planen: „Wo gibt’s alternative Aufstellungsmöglichkeiten? Wovon können wir uns trennen? Wo gibt’s vielleicht auch Künstler, die Ideen haben? Und dann findet man Lösungen.“
Umbau wird von Evangelischer Landeskirche stark gefördert
Der Umbau der Salvatorkirche kostet 2,2 Millionen Euro und wird von der Evangelischen Landeskirche stark gefördert. Bad Rodach gilt damit als Leuchtturmprojekt. Nicht nur, weil ein entwidmetes Gotteshaus erhalten bleibt, sondern auch, weil es zeigt, wie Kirchenkunst weiterleben kann, wenn eine Kirche keine Kirche mehr ist.

