Ein poetischer Chor aus weiblichen Stimmen – Begründung der Jury:
Wie erzählt man von flüchtigen, alltäglichen Tätigkeiten? Was bleibt von denen, die weiblich codierte Kulturtechniken wie das Weben und Kochen und Putzen betreiben? Oliwia Hälterleins Roman „Wir Töchter“ beginnt mit einem überzeitlichen, poetischen Chor aus weiblichen Stimmen, die sich der Vereinzelung entgegenstellen. So entsteht ein solidarischer Raum jenseits (patri-)linearer Ordnungen, in dem die Kulturtechnik des Webens zu einem literarischen Verfahren wird.
Einzelne Fäden des Chors werden im Verlauf des Textes immer wieder aufgegriffen und verbinden so die einzelnen Geschichten und Generationen, die sich zwischen Ländern und Sprachen bewegen. Dadurch werden einerseits einzelne Schicksale im Postmigrantischen und Prekären erzählt, andererseits ein verbindendes Moment geschaffen, das verschiedene Kulturräume, Sprachbarrieren und Ausgrenzungen überwindet. Dieser kunstvoll gewebte Text verbindet chorische, lyrische und prosaische Elemente zu einer außergewöhnlichen Vielstimmigkeit.
Die Jury
Der Jury gehörten in diesem Jahr an: der Schriftsteller Joshua Groß, BR-Kulturredakteurin Lili Ruge und die Literaturwissenschaftlerin Laura Schütz. Der Bayern 2-WORTSPIELE-Preis ist mit 2.000 Euro dotiert. Darüber hinaus erwartet die Gewinnerin ein einmonatiges Aufenthaltsstipendium im Goethe-Institut in Peking.
Der ausgezeichnete Text wird auf Bayern 2, in der Sendung „Salon“ am 21. März 2026 um 14.05 Uhr, gesendet und im Bayern 2-Podcast „Buchgefühl – Gespräch und Lesung“ in ARD Sounds sowie bei einer öffentlichen Lesung in Peking präsentiert.

