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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Tödliche Nähe: Wenn Schwarze Löcher Sterne zerreißen
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Tödliche Nähe: Wenn Schwarze Löcher Sterne zerreißen

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 16. März 2026 14:47
Von Michael Farber
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5 min. Lesezeit
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Sterne sterben auf unterschiedliche Weise – manchmal spektakulär: Sehr massereiche Sterne enden in einer gigantischen Explosion, einer sogenannten Supernova. Dabei werden die äußeren Schichten ins All geschleudert, während der Kern entweder zu einem Neutronenstern oder einem Schwarzen Loch werden kann. Sterne mit geringerer Masse, wie unsere Sonne, werfen dagegen ihre äußeren Schichten ab und hinterlassen einen kleinen, heißen Weißen Zwerg – einen kleinen kompakten alten Stern.

Inhaltsübersicht
So entstehen Schwarze LöcherTidal-Disruption-Events: Wenn Sterne zerrissen werdenSeltene Sternentode mit großer Bedeutung für die AstronomieModerne Teleskope auf der Suche nach zerrissenen SternenGravitationslinsen: Kosmische Lupen für ferne Schwarze LöcherWarum Forschung an Schwarzen Löchern so wichtig ist

So entstehen Schwarze Löcher

Schwarze Löcher entstehen, wenn sehr massereiche Sterne am Ende ihres Lebens kollabieren. Ihre Materie wird dabei auf einen extrem kleinen Raum zusammengedrückt. Es wird ein Punkt erreicht, an dem die Gravitationskräfte so stark sind, dass nichts, nicht einmal Licht, ihrer Anziehung entkommen kann – ein Schwarzes Loch entsteht.

Entgegen verbreiteten Vorstellungen sind Schwarze Löcher jedoch keine „kosmischen Staubsauger“. Solange man ihnen nicht sehr nahekommt, wirken sie gravitativ wie andere schwere Objekte im All.

Tidal-Disruption-Events: Wenn Sterne zerrissen werden

Besonders spannend für die Forschung sind sogenannte Tidal-Disruption-Events. Sie entstehen, wenn ein Stern einem Schwarzen Loch zu nahe kommt und zerrissen wird. Elias Mamuzic erforscht dieses Phänomen am Max-Planck-Institut für Astrophysik in Garching bei München [externer Link]. „Der Begriff lässt sich gut erklären, ‚Tidal‘ bezieht sich auf Gezeiten, wie man sie auch von den Ozeanen der Erde kennt. Kommt ein Stern einem Schwarzen Loch zu nahe, werden diese Gezeitenkräfte so stark, dass der Stern auseinandergerissen wird. Man spricht dann von einem Tidal-Disruption-Event. Meist wird der Stern dabei vollständig zerstört, manchmal aber auch nur teilweise“, so Mamuzic im Podcast Science TeaTime.

Der Stern wird dabei regelrecht in die Länge gezogen. Ein Teil seines Materials wird ins All geschleudert, der andere Teil sammelt sich in einer glühenden Scheibe aus Gas um das Schwarze Loch. Ein solches Tidal-Disruption-Event kann für kurze Zeit extrem hell aufleuchten – ein Signal, das mit Teleskopen auf der Erde messbar ist.

Seltene Sternentode mit großer Bedeutung für die Astronomie

Tidal-Disruption-Events sind selten. Wie häufig sie tatsächlich auftreten, ist noch unklar: Schätzungen reichen von einigen Hundert bis zu mehreren Tausend pro Jahr im beobachtbaren Universum. Bisher kennen Forschende erst einige Dutzend klar identifizierte Tidal-Disruption-Events.

Gerade weil diese Ereignisse so selten sind, sind sie für die Forschung besonders wertvoll. Sie liefern Hinweise auf die Masse Schwarzer Löcher, auf extreme Gravitation und auf die physikalischen Prozesse beim Tod von Sternen.

Moderne Teleskope auf der Suche nach zerrissenen Sternen

Um solche Ereignisse zu finden, beobachten moderne Teleskope regelmäßig den gesamten Nachthimmel. Dabei werden Lichtquellen gesucht und aktuelle Aufnahmen mit älteren Bildern verglichen. Taucht plötzlich ein heller Punkt auf, beginnt die Detektivarbeit: Handelt es sich um eine Supernova, einen Asteroiden – oder um einen Stern, der gerade von einem Schwarzen Loch zerrissen wird?

Die Datenmenge ist gigantisch: Automatische Auswertungen und internationale Zusammenarbeit sind dabei entscheidend. Für das erste Foto eines Schwarzen Lochs mussten die Daten von Weltraumobservatorien aus der ganzen Welt zusammengefügt werden.

Gravitationslinsen: Kosmische Lupen für ferne Schwarze Löcher

Besonders aufschlussreich sind Fälle, in denen solche Ereignisse durch eine Gravitationslinse beobachtet werden. Massive Galaxien beugen das Licht dahinterliegender Objekte und wirken wie ein kosmisches Vergrößerungsglas.

So lassen sich selbst sehr weit entfernte Sternentode detaillierter untersuchen und daraus neue Erkenntnisse über die Struktur der leuchtenden Materiescheiben um Schwarze Löcher gewinnen.

Warum Forschung an Schwarzen Löchern so wichtig ist

Die Untersuchung sterbender Sterne hilft, grundlegende Fragen zu beantworten: Wie funktioniert Gravitation unter extremen Bedingungen? Wie entwickeln sich Galaxien? Und welche Rolle spielen Schwarze Löcher dabei?

Wie so oft in der Grundlagenforschung zeigt sich der praktische Nutzen erst später. Erkenntnisse über Gravitation und extreme Physik bilden heute bereits die Grundlage moderner Technologien. „Vor 100 Jahren haben wir uns gefragt, wie Atome aufgebaut sind oder wie Gravitation genau funktioniert – etwa mit Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie. Damals hätte man auch fragen können, welchen Nutzen das hat. Heute wissen wir: Ohne diese Forschung gäbe es keine Mikrochips und kein GPS. Grundlagenforschung schafft Wissen, auf dem zukünftige Generationen aufbauen können“, sagt Elias Mamuzic.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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