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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Knochen von Giganten: Forscher setzen Urelefanten zusammen
Wissen

Knochen von Giganten: Forscher setzen Urelefanten zusammen

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 16. März 2026 14:47
Von Michael Farber
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5 min. Lesezeit
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Vor drei Jahren haben Kinder im Landkreis Erding einen spektakulären Fund gemacht: einen Urzeitfriedhof. Unter den vielen Knochen gab es auch zwei Skelette von Urzeit-Elefanten in bemerkenswert gutem Zustand: „Big Alex“ und „Little Consti“ – benannt nach ihren jungen Entdeckern.

Inhaltsübersicht
Puzzle aus der Urzeit13 Tonnen schwere HauerelefantenDer Sensationsfund von 2023Knochen bis zu 120 Kilo schwerDer Mann für die KnochenMuseum mit Leidenschaft

In wenigen Monaten sollen die Knochen erstmals komplett im Urzeitmuseum in Taufkirchen (Vils) ausgestellt werden. Der Weg dorthin ist allerdings lang – von der Ausgrabung über die Präparation bis zum Zusammenbau eines Millionen Jahre alten Puzzles.

Puzzle aus der Urzeit

Lautes Schnaufen und Stöhnen im Urzeitmuseum in Taufkirchen an der Vils. Museumschef Peter Kapustin und Tierpräparator Aart Walen hieven gemeinsam einen grau-bräunlichen Gegenstand in ein Metallgestell. „Ja, easy, easy“, sagen sie und klingen alles andere als entspannt.

Denn: Sie halten gerade einen Oberschenkelknochen eines urzeitlichen Elefanten in ihren Händen. Über zehn Millionen Jahre alt, Dutzende Kilos schwer. Dann ist es geschafft: Der Knochen hängt an der Wand.

13 Tonnen schwere Hauerelefanten

Er gehört zu einem Dinotherium. Diese ausgestorbene Elefantenart lebte vor rund zehn Millionen Jahren in Europa und Afrika. Mit einer Schulterhöhe von über vier Metern und einem Gewicht von bis zu 13 Tonnen gehörte sie zu den größten Landsäugetieren ihrer Zeit. Typisch waren die nach unten gebogenen Stoßzähne am Unterkiefer – ein Merkmal, das dem Tier auch den Namen „Hauerelefant“ eingebracht hat.

Der Sensationsfund von 2023

Die Geschichte beginnt im Jahr 2023: Peter Kapustin, Leiter des Urzeitmuseums, ist mit seinen Söhnen Alexander und Constantin – damals zehn und neun Jahre alt – in der Nähe von Weipersdorf im Landkreis Erding unterwegs. Die beiden Jungen entdecken einen Knochen, der aus einem Hang nahe eines Fuchsbaus ragt. Was zunächst wie ein einzelnes Fossil aussieht, entpuppt sich bald als wissenschaftliche Sensation.

Bei den folgenden Ausgrabungen kommen Hunderte Knochen zum Vorschein – unter anderem Überreste von drei Urelefanten. Besonders bemerkenswert: Einer der Urelefanten ist zu etwa 70 Prozent vollständig erhalten. Für Paläontologen ist ein so gut erhaltener Fund extrem selten. Die beiden besterhaltenen Tiere bekommen schnell ihre Namen: „Little Consti“ und „Big Alex“.

Knochen bis zu 120 Kilo schwer

Die Ausgrabung: Schwerstarbeit. Viele der Knochen liegen nur wenige Meter unter der Erde – doch sie sind von hartem Kalk umschlossen, teilweise wie Beton. Manche Knochen wiegen bis zu 120 Kilogramm. Damit sie beim Transport nicht zerbrechen, werden sie in Gips eingepackt.

Dann mussten die Knochen präpariert werden. „Die meisten Knochen waren komplett mit Kalk überbacken“, erzählt Kapustin. „Den musste man mit schweren Geräten aufschneiden, bevor man ihn mit Säure oder zahnärztlichem Werkzeug freilegen konnte.“ Monatelang dauerte diese Prozedur.

Der Mann für die Knochen

Nun liegen überall im neuen Ausstellungsraum im Urzeitmuseum Knochen aus. Die leichteren Rippen liegen erhöht auf Styropor. Auf dem Boden, auf Decken gebettet, die größeren Knochen. Das Skelett des kleineren, nur etwa drei Meter hohen Little Consti soll an einer Holzwand in Gestellen hängend ausgestellt werden.

Ein Job für den Spezialisten Aart Walen. Der Niederländer ist professioneller Tierpräparator. Weltweit baut er Skelette für Museen. Seine Aufgabe ist es nun, ein anatomisch korrektes Skelett zusammenzusetzen. Dafür hat er jeden Knochen begutachtet, schneidet ihre Form erst aus Pappe aus, um sie auf der Holzwand zu positionieren. Anschließend schweißt und biegt er eine maßgeschneiderte Metallkonstruktion für jeden Knochen.

Museum mit Leidenschaft

Das Urzeitmuseum in Taufkirchen, etwa 40 Minuten nordöstlich von München, zeigt auf rund 2.000 Quadratmetern Fossilien aus verschiedenen Erdzeitaltern – von Dinosauriern bis zu Urpferden. Das Museum wurde von Kapustin aufgebaut und wird größtenteils ehrenamtlich betrieben. Viel Herzblut und freiwillige Arbeit stecken in der Sammlung und den Ausstellungen.

Auch der neue Urelefanten-Fund ist ein Gemeinschaftsprojekt: Unterstützt wird die Präparation unter anderem vom Landesamt für Denkmalpflege, vom Landkreis Erding und von der Gemeinde.

Noch arbeiten die Experten mit Bohrern, Schweißgerät und viel Geduld. Schon bald soll das Skelett stehen: Am 9. Mai sollen erstmals die Knochen von Big Alex und Little Consti komplett ausgestellt sein.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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