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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > „Schokolade nie mehr so gut“: Erinnerungen an Care-Pakete
Kultur

„Schokolade nie mehr so gut“: Erinnerungen an Care-Pakete

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 15. Juli 2026 13:47
Von Uta Schröder
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4 min. Lesezeit
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An den Herbst 1946 kann sich Angele Bederski noch gut erinnern. Sie war damals vier Jahre alt, als an der Wohnungstür in Berlin ein Paket abgegeben wurde: „Wir hatten Hunger und Verwandte, die nach Amerika ausgewandert waren, haben uns CARE-Pakete geschickt. Muttis Vater hatte vier oder fünf Geschwister, die sind rübergegangen. Und Tante Rosa aus Wisconsin hat uns CARE-Pakete geschickt.“ Viele Familien erinnern sich bis heute an solche Momente.

Inhaltsübersicht
Einstiger Kriegsgegner hilft den DeutschenCaritas und Diakonie verteilten Pakete in DeutschlandPolitisches Interesse der USACARE-Pakete waren wie ein „Lottogewinn“

Einstiger Kriegsgegner hilft den Deutschen

Im Herbst 1945, ein paar Monate nach Kriegsende, schließen sich in den USA 22 Wohlfahrtsorganisationen zur Genossenschaft CARE zusammen, darunter mehrere christliche Kirchen, christliche Hilfswerke wie die Heilsarmee und Gewerkschaften. CARE steht für „Cooperative for American Remittances to Europe“. Care heißt aber auch „Fürsorge“. Und als Akt der Fürsorge packten hunderttausende US-Amerikaner viele Jahre lang Hilfspakete für die Deutschen – die kurz zuvor noch Kriegsgegner gewesen waren.

Caritas und Diakonie verteilten Pakete in Deutschland

1946, kurz nachdem der damalige US-Präsident Harry S. Truman das Verbot von Hilfen für Deutschland aufgehoben hatte, erreichte das erste Schiff Bremerhaven. Den ersten 36.000 Paketen, viele davon geschickt von Nachfahren und Verwandten in den USA, sollten viele folgen: Bis 1960 wurden insgesamt zehn Millionen CARE-Pakete in Westdeutschland und Westberlin verteilt, in ganz Europa waren es rund 100 Millionen. Für zehn Dollar konnten US-Bürger auch ein Paket sponsern.

Verteilt wurden die Lieferungen in Deutschland von der Caritas und der Diakonie. In den Päckchen waren Lebensmittel wie Rosinen, Milchpulver, Eipulver, weißes Brot, Zucker, Mehl und Kaffee, manchmal auch Kaugummis, Schokolade, Haarspangen und Zigaretten. In jedem Fall für die hungernde deutsche Bevölkerung ein Segen, wie sich Angele Bederski erinnert: „Wie ein Weltwunder haben wir die Pakete genossen. Ganz aus reiner Menschenliebe haben sie uns geholfen.“

Die CARE-Pakete haben sich bei Angela Bederski ins Gedächtnis eingebrannt. „Da war was drin für uns und wir waren voller Freude. Das war wie ein Wunder, dass wir diese Pakete bekamen. Da war eine Puppe drin, noch nie hatten wir eine Puppe bekommen. Ich habe damals im Krieg mit einem Stück Holz als Puppe gespielt. Da war Schokolade drin. So gut wie mir die Schokolade damals geschmeckt hat, hat sie mir nie mehr geschmeckt“, erinnert sich Bederski.

Politisches Interesse der USA

Wolfgang Reinicke ist Kurator im Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg und hat sich dafür eingesetzt, dass dort ein original CARE-Paket angeschaut werden kann. Daneben Essensrationen, Zigaretten, Seife, Kaffee. Er sagt, es war im Interesse der Besatzungsmacht, dass die Deutschen die USA auch als etwas Positives wahrnehmen konnten.

Das hatte den Effekt, sagt Historiker Reinicke, dass sie die amerikanischen Maßnahmen zur Umerziehung und Entnazifizierung leichter akzeptierten: „Die Amerikaner haben dieses Land, das sehr viel Schuld auf sich geladen hat, besiegt und auch befreit und haben gleichzeitig dafür Sorge getragen, dass es entnazifiziert wird. Das war aber bei vielen Leuten nicht gut angesehen.“

CARE-Pakete waren wie ein „Lottogewinn“

„Die Liebesgaben von Uncle Sam„, wie sie damals genannt wurden, befeuerten im Deutschland der Nachkriegszeit den Mythos Amerika, sagt Stefan Ewers, Vorsitzender des Nachfolge-Vereins von CARE in Deutschland: „Diese Hilfe ist auch deshalb bei uns so im Bewusstsein geblieben, weil sie vom einstigen Gegner kam. Viele Empfänger haben es als Weihnachtsgeschenk oder als Sechser im Lotto empfunden.“

Aus CARE entwickelte sich eine weltweite Entwicklungshilfe-Organisation, die bis heute in mehr als 100 Ländern in der humanitären Nothilfe und Armutsbekämpfung tätig ist. Was vor 80 Jahren begann, widmet sich heute Menschen im Sudan, Jemen oder dem Libanon.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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