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Statt mit 67 künftig erst mit 70 Jahren in Rente gehen zu können: Das hatten viele als Vorschlag von der eigens eingesetzten Expertenkommission erwartet. Doch die legte einen etwas modifizierten Vorschlag auf den Tisch: Die Regelaltersgrenze soll künftig an die Lebenserwartung gekoppelt werden – aber moderat. Alle zehn Jahre soll man sechs Monate später in den Ruhestand wechseln. Basis für die Berechnung ist das, was das Statistische Bundesamt ermittelt. Das würde konkret bedeuten:
- bis 1964 Geborene gehen wie jetzt schon vorgesehen mit 67 in Rente
- Geburtenjahrgänge bis in die 70er erst mit 67,5 Jahren
- Jahrgänge der 1980er und 1990er in Schritten erst mit 69 Jahren
- Für noch Jüngere läge der Renteneintritt dann bei 70 Jahren
Immer vorausgesetzt, die Lebenserwartung steigt im Schnitt weiter an. Das soll – so die Kommission – regelmäßig überprüft werden. Einen späteren Renteneintritt halten die Experten dabei angesichts des demographischen Wandels für geboten. Es sichere die Finanzen der gesetzlichen Versicherung und dämpfe den Beitragssatz und den jetzt schon nötigen Zuschuss des Bundes.
Einkommen bestimmt Lebenserwartung
Für viele Leserinnen und Leser ein Aufreger: Viele Menschen seien gerade in körperlich fordernden Berufen gar nicht in der Lage, so lang zu arbeiten. „Moritz“ etwa sagt: „Wer kann denn z.B. als Paketfahrer, Verkäuferin, Pflegekraft, im Gesundheitswesen, bis zu diesem Alter arbeiten? Viele dieser Menschen müssen doch aus gesundheitlichen Gründen längst vorher aus dem Erwerbsleben ausscheiden.“ User „Falcon“ kommentiert: „Bei genauerem Hinsehen ist es nichts anderes als eine zusätzliche Rentenkürzung. Wer nicht durchhält, bekommt einfach noch weniger staatliche Rente!“
Wie hängen Beruf und Lebenserwartung zusammen? Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat sich das in einer Sonderausgabe zur Bundestagswahl 2025 genauer angeschaut. Ergebnis: Wer mehr verdient, bezieht im Schnitt länger Rente als Personen mit niedrigerem Einkommen.
Und auch das Robert Koch-Institut kommt in einer Studie zu dem Schluss: Die Lebenserwartung ist in wohlhabenden Regionen höher als in jenen mit geringerem Wohlstand. Sozialökonomen erklären das ganz praktisch: Wer weniger verdient, hat weniger Geld, um sich zum Beispiel gesund zu ernähren. Die Verdienste in belastenden und die Gesundheit gefährdenden Jobs wie in der Gastronomie, der Logistik oder auf dem Bau liegen oft unter denen in anderen Branchen. Das kann die Lebenserwartung verkürzen und damit die Zeit im Ruhestand.
Auch Wohnort entscheidet über Lebenserwartung
Tatsächlich werden die Deutschen und auch die Bayerinnen und Bayern immer älter. Laut Statistischem Landesamt werden neugeborene Mädchen in Bayern 84 Jahre alt, Jungen erreichen 79,7 Jahre. Die durchschnittliche Lebenserwartung Neugeborener ist im Freistaat damit laut amtlicher Statistik so hoch wie nie zuvor. Nun lässt sich das Leben des Einzelnen aber nicht so genau vorhersagen. Viele sterben unerwartet durch einen Unfall oder eine Krankheit viel früher. Und die Lebenserwartung hängt auch davon ab, wo man wohnt.
Das haben die Statistiker ebenfalls ausgewertet: In Oberbayern und Schwaben mit im Schnitt höheren Einkünften kommen sie bei Neugeborenen auf über 80 Jahre Lebenserwartung, in der Oberpfalz und Oberfranken auf je nach Geschlecht bis zu zwei Jahre weniger. Wie alt jemand konkret wird, hängt auch von Bildung und Einkommen ab – so das Fazit des Gesundheitsreportes Bayern 2025 des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit.
Härtefallregelungen gesucht
Das Problem hat auch die Kommission erkannt: Den Renteneintritt an die Lebenserwartung zu koppeln, wirke individuell unterschiedlich „je nach Bildungsstand, Berufsgruppen, Einkommen und Erwerbsverläufen“. Ein Vorschlag der Kommission: Gesundheitsprävention, Rehabilitationsmaßnahmen und Härtefallregelungen.
Ob und unter welchen Voraussetzungen darf man künftig weiterhin früher und abschlagsfrei in den Ruhestand wechseln? Das muss die Bundesregierung nun konkret entscheiden.
Auch User „Barney G.“ hat da Bedenken: „Die Frage ist doch nur, wie viele Arbeitnehmer nach 45 Jahren nicht mehr können, aber noch müssen. Wenn der Akku leer ist und die Knochen verschlissen, dann sollte nach +/- 45 Beitragsjahren irgendwann eine Rente in Würde möglich sein.“
Die Regierung wird auch darauf vielleicht eine Antwort geben, wenn sie ihre Reformvorschläge zum künftigen Renteneintritt demnächst auf den Tisch legt.

