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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > „Alpine Divorce“: Wenn Männer Frauen auf dem Berg alleine lassen
Kultur

„Alpine Divorce“: Wenn Männer Frauen auf dem Berg alleine lassen

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 28. März 2026 09:47
Von Uta Schröder
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4 min. Lesezeit
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Vor einem Jahr erfror Kerstin G. am Großglockner, dem höchsten Berg Österreichs. Ihr Partner hatte sie dort zurückgelassen, um Hilfe zu holen. Im Februar wurde Thomas P. wegen grob fahrlässiger Tötung verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Inhaltsübersicht
Die alpine ScheidungGeschlechterrollen auf dem Berg„Alpine Divorce“ kein weitverbreitetes Phänomen?

Dennoch, der Fall löste eine virale Debatte aus. Viele Frauen berichten online seitdem davon, wie sie von ihren Partnern bei Bergwanderungen im Stich gelassen werden. Sie nennen es „Alpine Divorce“. Etwas, das auch Simone erleben musste.

Die alpine Scheidung

Simone, die lieber anonym bleiben möchte, erinnert sich noch gut an den Streit mit ihrem damaligen Partner. Mitten in einer Gebirgswanderung eskaliert es zwischen den beiden. Im Streit läuft ihr Ex-Partner davon und lässt sie ganz alleine zurück. „Ich hab ehrlich gesagt Angst gehabt“, erzählt sie. „Wenn ich ausrutsche und runterfalle, dann ist alles vorbei.“

Auf Social Media teilen viele Frauen ähnliche Geschichten. Bei Wander- oder Klettertouren finden sie sich allein am Berg wieder, zurückgelassen von ihrer männlichen Begleitung. Es kommt zur „Alpine Divorce“, der alpinen Scheidung. Oft der Anfang vom Ende einer Beziehung.

Der Begriff geht auf eine Kurzgeschichte von Robert Barr zurück. Darin plant ein Ehemann, seine Frau bei einer Bergtour zu töten. Auf Social Media hat „Alpine Divorce“ in den meisten Fällen nichts mit Mord zu tun. Stefan Winter vom Deutschen Alpenverein DAV sieht das Problem eher bei Leistungskonflikten: „Da mangelt es dann nicht selten der stärkeren Person an Empathie für die schwächere Person. Denn man selbst hat ja kein Problem, ist fit. Freut sich zum Beispiel schon auf den Gipfel.“

Geschlechterrollen auf dem Berg

Natürlich sind Frauen nicht per se langsamer oder schwächer am Berg als Männer. Trotzdem fällt auf: Online berichten deutlich häufiger Frauen davon, dass sie von ihren Partnern zurückgelassen werden. Sind Männer also anfälliger für diesen Elan oder weniger empathisch?

Nicht so ganz, sagt Soziologin Gitta Axmann. Der Berg oder in der Natur zu sein sei historisch männlich geprägt: „Wie wird man sozialisiert als Mann oder als Frau, wer ist Risikobereiter, wer ist eher umsichtiger oder vorsichtiger in den Entscheidungen? Daraus resultiert dann auch, wer führt und wer nicht.“

Im Falle von Simone, die selbst eine „Alpine Divorce“ erleben musste, war klar, wer führt: Ihr Partner kannte die Route, ein Klettersteig, auf dem sich viele mit Gurt sichern. Ihr versicherte er aber, dass der Gurt nur für Kinder sei und sie ihn nicht brauche.

Studien zeigen: Männer gehen im Schnitt mehr Risiken ein und überschätzen sich eher als Frauen. Das kann gefährlich werden. „Problematisch ist eben, dass diese Risikoeinschätzung nicht ausgehandelt wird“, sagt Soziologin Axmann. Wer einmal die Verantwortung übernimmt, der müsse sie für alle tragen und Entscheidungen für alle treffen, nicht nur für sich selbst.

„Alpine Divorce“ kein weitverbreitetes Phänomen?

Wie oft eine Alpine Scheidung vorkommt, ist schwierig zu sagen. Laut DAV-Unfallstatistik lassen Wanderer nur selten jemanden zurück. Stefan Winter vom DAV findet daher richtig, dass die Debatte geführt wird, aber „man darf sie nicht größer machen als sie ist“.

Simone hat sich nach ihrer „Alpine Divorce“ nicht von den Bergen verabschiedet. Im Gegenteilt, sie hat sich weitergebildet, um jetzt selbst Wanderern auszuhelfen. Damit niemand zurückbleibt.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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