Ein rechtliches Problem
Was sie gegen das gefälschte Nacktbild hätte machen können, wusste Teresa Rizos damals nicht. Nach einer Weile war das Bild aus dem Internet verschwunden. Von Fällen sexualisierter Gewalt aus ihrem direkten Umfeld weiß sie: „Wenn es überhaupt zur Anzeige kam, ist es eigentlich nie zu einer wirklichen Bestrafung gekommen.“
Dr. Jessica Flint kennt das Problem von ihren Mandanten: „Wir sehen in der Praxis leider, dass tatsächlich Betroffene von Deepfakes oft auf sich allein gestellt sind. Gerade was das Strafrecht angeht. Da sind die Polizeien und auch Staatsanwaltschaften teilweise überfordert und auch nicht richtig ausgestattet mit den richtigen rechtlichen Grundlagen.“
Auf eine Anzeige solle man laut ihr trotzdem nicht verzichten. Das mache die Fälle erst sichtbar und sende eine klare Botschaft an die Politik.
Änderungen in Aussicht
Nach den Vorwürfen von Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann wird der Schutz vor digitaler sexualisierter Gewalt breit diskutiert. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) hat ein Gesetz gegen digitale sexualisierte Gewalt geplant. Auch auf EU-Ebene wird es Änderungen geben. Vor wenigen Tagen stimmte das Europaparlament für ein Verbot von KI-Systemen, mit denen Porno-Deepfakes erstellt werden können.
Auch in der vergangenen Münchner Runde im BR Fernsehen begrüßte der Bayerische Justizminister Georg Eisenreich (CSU) die Verschärfung des Strafrechts beim Thema Deepfakes und nahm auch die Plattformen in die Pflicht.
Keine Scham
Teresa Rizos weiß, wie es ist, Betroffene eines sexualisierten Deepfakes zu sein. Betroffenen von sexualisierter Gewalt – digital oder nicht – möchte sie deshalb Folgendes mitgeben: „Versucht, von einer Scham oder Schuldgefühlen, die euch klein fühlen lassen, in eine Wut zu kommen. Und zwar nicht, um die auszuagieren und Rache zu nehmen, sondern um euch zu wehren und Grenzen zu ziehen.“
Das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen (116 016) bietet anonyme Hilfe. Hilfe für Betroffene. Weitere Informationen unter www.hilfetelefon.de

