Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland über 250.000 Marderschäden an Autos gemeldet. Die Tiere kriechen nur zu gerne in den Motorraum von Autos und verbeißen sich dort in Kabel, Schläuche und andere Gummi- sowie Kunststoffteile. Aber warum tun Marder das? Und kann man sie davon abhalten?
Der Grund für Marderschäden: Revierverhalten statt Paarungszeit
Mit der Paarungszeit der Tiere hat das zurzeit nichts zu tun, denn diese liegt hauptsächlich zwischen Juni und August. „Was wir aber jetzt vermehrt haben, sind Revierkämpfe, denn junge Steinmarder suchen natürlich auch freie Plätze. Wenn sie dann unterwegs sind, untersuchen sie alles Mögliche – auch unsere Autos“, sagt Biologin und Marderexpertin Susann Palow.
Warum Marder Kabel zerbeißen: Duftmarken als Auslöser
Ausgesprochen beißwütig reagieren Marder, wenn sie am Auto Duftmarken anderer Marder wahrnehmen – also von Eindringlingen in ihr Revier. Marder haben Duftdrüsen unter den Pfoten und hinterlassen so eine Duftspur. Die Revierinhaber wollen dann die Spuren des Rivalen beseitigen und fangen deshalb an, wahllos alles zu zerbeißen, was ihnen vor die Schnauze kommt – und verteilen ihre eigenen Duftmarken, was wiederum weitere Marder anlocken kann.
Marder in der Stadt: Kein reines Landproblem
Schon längst sind Marder kein Problem mehr, das nur Autobesitzer in ländlichen Gebieten trifft. Auch in Großstädten und Ballungsräumen fühlen sich die Wildtiere immer heimischer. Motorräume sind bei ihnen beliebte Spiel- und Ruheplätze – besonders, wenn der Motor noch warm ist.
Das sind typische Marderschäden am Auto
Am häufigsten beschädigen Marder folgende Bauteile:
- Zündkabel
- Kühlwasser- und Scheibenwaschwasserleitungen
- Kunststoff- und Gummischläuche
- Faltenbälge an Antriebswellen und der Lenkung
- Stromleitungen bzw. deren Isolierung
- Isomatten für Geräusch- und Wärmedämmung
Oft fällt der Marderschaden nicht sofort auf, was zu noch schlimmeren Folgeschäden führen kann. Angeknabberte Zündkabel können den Katalysator schädigen. Zerbissene Gummimanschetten ziehen oft Schäden an der Lenkung, den Antriebs- oder Achsgelenken nach sich. Und wenn der Marder die Kühlwasserschläuche durchlöchert hat, kann der Motor überhitzen.
Zahlt die Versicherung Marderschäden?
Für Besitzer eines betroffenen Wagens wird der Marderverbiss oft teuer. Die meisten Teilkaskoversicherungen übernehmen zwar die direkt vom Marder verursachten Schäden. Folgeschäden sind jedoch häufig nicht automatisch mitversichert. Deswegen sollten Autobesitzer, die in Nachbarschaft mit Mardern wohnen, das Kleingedruckte vor Abschluss einer Versicherung sorgfältig durchlesen und gegebenenfalls eine entsprechende Zusatzversicherung abschließen.
Marderabwehr am Auto: Was wirklich hilft – und was nicht
Da hilft nur aktive Marderabwehr. Allerdings wirken nicht alle der bekannten „Hausmittelchen“. Duftstoffe jeglicher Art – sei es der Klostein im Motorraum, Mottenkugeln, Säckchen mit Hunde- oder Katzenhaaren, menschlicher Geruch (zum Beispiel durch Socken) oder spezielle Marderabwehrsprays – wirken meist nur kurzfristig, bis sich der Marder an den Geruch gewöhnt hat. Ähnliches gilt für Mardergitter, also Gitter aus Maschendraht, die unter den Wagen gelegt werden. Marder laufen wegen ihrer empfindlichen Pfoten nicht gerne darauf, doch auch daran gewöhnen sie sich mit der Zeit. Auch Ultraschallgeräte, die sehr hohe, für Marder unangenehme Töne abgeben, helfen oft nicht dauerhaft zuverlässig.

