Großes Wiedersehen nach 20 Jahren mit einer der dysfunktionalsten TV-Familien aller Zeiten: „Malcolm Mittendrin“ ist zurück mit einem vierteiligen Sequel. Und das wird gefeiert. Denn für die Eltern Lois und Hal, gespielt von Jane Kaczmarek und Bryan Cranston, heißt es: 40 Jahre Ehe. Für die anstehende Jubiläumsfeier kommt die ganze Familie wieder unter ein Dach – fast die ganze.
Die politisch unkorrekte Großmutter ist tot, dafür ist jetzt Kelly da, das non-binäre, sechste und jüngste Kind. Der damalige Publikumsliebling Dewey musste neu besetzt werden. Und er ist sowieso da: der Namensgeber der Serie, Malcolm, gespielt von Frankie Muñiz – das Genie und Sandwich-Kind, das nicht selten im Chaos seiner absurden Familie unterging.
Malcolm nicht mehr mittendrin
Doch nicht mehr: „Ja, ich sehe anders aus. Aber, hey, einfach alles an mir ist anders. Ich bin zufrieden. […] Mein Leben ist jetzt fantastisch.“ Das redet sich Malcolm ein, mittlerweile alleinerziehender Vater einer Teenie-Tochter. Denn er ist nicht mehr mittendrin, sondern weit weg von seiner Familie. Er hat sich so sehr von ihnen abgenabelt, dass sie noch nicht einmal von seinem Kind wissen. Doch das Versteckspiel fliegt auf.
„Ihr habt mich dazu gebracht! Einfach alles Schlimme, was in meinem Leben passiert ist, ist eure Schuld!“ Beim Anblick seiner Familie wird Malcolm wieder zum quengeligen Pubertierenden, unbewältigte Emotionen kommen hoch.
Tochter als Malcolm-Kopie
Die eigentliche Teenagerin der Serie, seine Tochter Leah, gespielt von Keeley Karsten, ist seine Kopie: zu klug für alle anderen, und das weiß sie auch. Anders als er ist sie aber emotional gefestigt – und ahnungslos. Sie hat Lust auf den Familienwahnsinn: „Die scheinen vollkommen okay zu sein. Ich verstehe nicht, warum du dich von ihnen fernhalten musst.“
All das und mehr stürzt das liebenswürdige Familienoberhaupt Hal in eine Sinnkrise, er hinterfragt seine ganze Identität: „Seit dem Moment, seitdem ich meiner selbst bewusst bin, bin ich von einer allgegenwärtigen Angst erfüllt. Diese Angst ist mein ständiger Begleiter.“ Da wird deutlich: Auch der sonst so glückliche Hal, bekannt für seine tollpatschigen Slapstick-Einlagen, trägt seine Päckchen mit sich herum.
Bryan Cranston als treibende Kraft
Mit dieser kleinen Fortsetzung von „Malcolm Mittendrin“ schließt sich nun ein Kreis: Hinter der Kamera steht das Team von damals. Die eigentliche treibende Kraft hinter dem Comeback heißt allerdings Bryan Cranston, wie er in einem Variety-Interview (externer Link) erzählt: „I was the one poking the bear, going ‚Let’s do it, let’s do it, let’s do it!'“
Dabei hatte er am meisten davon profitiert, dass die Serie einst abgesetzt wurde, denn das bescherte ihm das Rollenangebot seines Lebens: „Seven years of Malcolm in the Middle, they told us we might pick you up for an eight season […] and Fox, the studio, says no. […] And then, I receive a script and on the cover it said ‚Breaking Bad'“. Cranston in der legendären Rolle des Walter White in „Breaking Bad“ gab es nur, weil „Malcolm Mittendrin“ damals abgesetzt wurde.
Jetzt ist wieder Zeit für diese exzentrische Familie. Sie lieben sich, sind aber gefangen in ihren toxischen Verhaltensweisen. Doch: Ein wenig Heilung scheint möglich. Das zeigt dieses kurze Wiedersehen, das ursprünglich als Filmprojekt angedacht war, und eigentlich ist es auch genau das – vier Folgen, die wie vier Puzzleteile ineinandergreifen und zeigen: Unsere Serien-Lieblinge sind ganz die Alten, aber es geht ihnen besser.

