Viele Kliniken in Bayern erleben derzeit eine finanzielle Verschnaufpause. Das ist das Ergebnis des Krankenhaustrends, mit dem die Bayerische Krankenhausgesellschaft (BKG) jedes Jahr ihre Mitglieder zu ihrer wirtschaftlichen Lage befragt. Fürs laufende Jahr erwarten zwei Drittel der bayerischen Kliniken ein Defizit, vergangenes Jahr hatten noch 72 Prozent einen Fehlbetrag in der Bilanz.
Bundesregierung hatte für Entlastung gesorgt
Hinter dieser Verbesserung stehe ein befristeter Zuschlag bei der Bezahlung, den die Bundesregierung beschlossen hat, erklärt der BKG-Geschäftsführer, Roland Engehausen. Damit sollen Belastungen durch die zeitweise sehr hohe Inflation ausgeglichen werden. Doch dieser Zuschlag schaffe keine dauerhafte Entlastung, warnt Engehausen: „Der Ausblick ist leider sehr, sehr trübe.“
Auch Kliniken wollen Kosten senken
Sorge machen dem BKG-Geschäftsführer vor allem die Sparpläne der Bundesregierung. Um den drastischen Anstieg der Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung der vergangenen Jahre zu stoppen, sollen in allen Versorgungsbereichen die Ausgaben gesenkt werden. Unter anderem will die Bundesregierung die Erlöse der Krankenhäuser deckeln.
Die Kliniken seien zwar bereit, ihre Abläufe effektiver zu gestalten, wie es mit der aktuellen Krankenhaus-Reform geplant ist. Sie würden sich auch gerne daran beteiligen, dass Operationen vermieden werden, die nicht zwingend notwendig sind, betont die Bayerische Krankenhausgesellschaft.
Prognose: Weitere Kliniken schließen oder schränken Angebot ein
Doch die Arbeit entsprechend zu ändern, das lasse sich nicht von einem Tag auf den anderen umsetzen. Deswegen sei zu erwarten, dass weitere Abteilungen und ganze Standorte in ganz Bayern geschlossen werden, warnt die BKG-Vorsitzende, die Kitzinger Landrätin Tamara Bischof (Freie Wähler).
Viele Landkreise und Städte müssten weiterhin Millionensummen aus Steuermitteln aufwenden, um für die Verluste ihrer Kliniken einzuspringen, so Bischof. Viele Privatkrankenhäuser und vor allem Kliniken, die von den Kirchen oder anderen gemeinnützigen Trägern betrieben werden, könnten allerdings Defizite nicht ausgleichen und müssten ihre Angebote einschränken, warnt die BKG-Vorsitzende. Die Kliniken seien bereit, Reformen umsetzen, betont Bischof, fügt aber hinzu: „Die Jojo-Politik muss ein Ende haben“.
BKG-Geschäftsführer: „Behandeln zu viel“
Auch die Kliniken seien sich bewusst, dass die Versorgung derzeit nicht optimal ist, sagt der BKG-Geschäftsführer Engehausen: „Wir behandeln zu viel.“ Es gebe auch nach Einschätzung der Krankenhausgesellschaft Operationen, die nicht zwingend notwendig seien. Um solche OPs zu vermeiden, müssten Abläufe verändert und verbessert werden, sagte Engehausen. Das lasse sich aber nicht durch pauschale Kürzungen erreichen.
Zweite Meinung für mehr Eingriffe gefordert
Ein erweitertes Zweitmeinungs-Verfahren, wie es die Finanzkommission der Bundesregierung vorgeschlagen hat, ist nach Einschätzung der BKG sinnvoll. Die Kommission sei hier aber „viel zu zögerlich“, kritisiert Engehausen. Denn sie wolle zunächst nur beim Kniegelenks-Ersatz eine zweite Meinung zwingend vorschreiben. Dieses Verfahren könne aber zügig auch für andere Eingriffe etabliert werden, wünscht sich Engehausen.

