„Ich habe mich mit Udo befreundet gewähnt schon seit ich acht, neun Jahre alt bin“, erzählt Benjamin Stuckrad-Barre. Der Sänger sei ein großer „Anstifter“ für ihn gewesen: „Ich dachte immer schon, das ist so, als ob das ein Freund ist oder ein älterer Bruder – so ein Korrespondent aus der tollen Welt.“
Der Autor hat Udo Lindenberg bereits vor zehn Jahren in seinem autobiographischen Roman „Panikherz“ ein bleibendes Denkmal gesetzt. Vielerlei fasziniert ihn an diesem Sänger und genialen Lieddichter, den sogar ein Friedrich Merz – ob nun bewusst oder unbewusst – zitiert, wenn er von „Rambo Zambo“ spricht, bekanntlich eine Formulierung aus Lindenbergs Song „Bodo Ballermann“ von 1976.
„Volksdichter“ mit Stehauf-Qualitäten
Wenn man rausgehe und ein bisschen über die Straßen und Leute nach Udo Lindenberg frage, hätten sehr viele Zeilen im Kopf und könnten etwas auswendig zitieren, ist Stuckrad-Barre überzeugt. Der Mann ist ein „Volksdichter“, findet der Autor, ihn begeistert seine „stete Beweglichkeit“ und „Festlegungsaversion“ – und Udo Lindenbergs Gabe, immer wieder aufzustehen, die ihm viele gar nicht zutrauen in all seinem „ausgestellten Schluffismus“, wie Stuckrad-Barre Lindenbergs Haltung treffend nennt. Sein „Lockerswing“, seine Sprachspiellust inspirieren Benjamin von Stuckrad-Barre: „Da empfinde ich ihn als sehr, sehr vorbildlich. Rock’n Roll ohne Protokoll, ne?“
Udo Lindenbergs Hut kommt aus Manufaktur in Bayern
Das Glossar „Udo Fröhliche“ erzählt viel darüber, wie ansteckend „Udo“ auf andere wirkt: „Ich war mit ihm wirklich überall, in den Kellern, in New York, aber auch im Schloss Bellevue oder so, und gerade an solchen Orten hinterlässt er eine Schneise des Schubidu. Leute, die nur fürs Protokoll da sind, benehmen sich dann leicht angeheitert. Das ist ein sehr schöner Effekt, den es hat, mit Udo unterwegs zu sein.“
Stuckrad-Barres Buch wartet mit vielen überraschenden Informationen auf – oder hätten Sie gewusst, dass einer der „integralen Markenzeichenbestandteile“ dieses Künstlers – sein Hut – in einer Manufaktur in Bayern hergestellt wird? „In einem Ort, der wirklich Lindenberg heißt, im Allgäu“, sagt Stuckrad-Barre.
Stuckrad-Barre: „Sein radikalstes Kunstwerk ist er selbst“
Einen „Selbsterfindungsextremisten“ nennt Stuckrad-Barre seinen Freund. Udo sei ein Gesamtkunstwerk: „Sein radikalstes Kunstwerk ist er selbst, diese Figur Udo Lindenberg, die er sich ausgedacht hat, schon als Kind. Also da gibt es wirklich Zeugnisse davon, wie er das aufgemalt hat, Karrierepläne, und wie man dann heißen müsse (…).“
Und diesen ‚Menschen dahinter‘, gebe es schon gar nicht mehr. „Das ist die eigentliche Sensation, und so ist seine eigene Biografie auch sein größter Songtext eigentlich.“
Vademecum für finstere Zeiten
„Stuckiman“, mit welchem Kosenamen Lindenberg seinen Porträtisten bedenkt, ist mit „Udo Fröhliche“ ein kurzweiliges Buch über den Jubilar gelungen, das sich liest wie ein Vademecum für finstere Zeiten und Leute mit zu vielen „Dustergedanken“.
Udo Lindenberg reagiere auf „die Ernsthaftigkeitsangebote der Welt“, also auf die vielen, negativen Nachrichten, die uns täglich erreichen, mit seiner speziellen Heiterkeit, erklärt Stuckrad-Barre. Das sei ja eine Taktik, um so eine „tief in ihm sitzende Melancholie“ zu überwinden: „Diese Heiterkeit und dieses Larifaritum ist eigentlich sein Triumph darüber.“

