Die Preise an den Tankstellen steigen. Manche überlegen deswegen auf ein E-Auto umzusteigen. Der Staat will den Kauf eines solchen Wagens bezuschussen.
Kaufinteressenten freuen sich über E-Prämie
Marek Wilde aus Leeden im Münsterland möchte von der staatlichen Subvention beim Autokauf profitieren. Er will seinen VW Golf gegen ein neues E-Auto tauschen – der Staat zahlt mehrere tausend Euro dazu. Ein Angebot, dem er nicht widerstehen kann: „Ich hätte mich auch so für ein E-Auto entschieden, aber erst zu einem späteren Zeitpunkt. Aber durch die Prämie jetzt hat sich natürlich der Zeitraum verschoben.“
In seinem Blick: Ein chinesisches Modell. Vollelektrisch. Kostenpunkt: Knapp 44.000 Euro. Bei einer Förderung von 5.000 Euro könnte er sich beim monatlichen Leasing ca. 100 Euro sparen.
Wer bekommt die Förderung und wie hoch fällt sie aus?
Doch nicht jeder bekommt die gleiche E-Auto-Prämie wie Marek Wilde. Die Höhe und ob jemand die Prämie überhaupt bekommt, unterschiedet sich je nach der ökonomischen und familiären Ausgangssituation des Kaufinteressenten. Faktoren hier sind das zu versteuernde Einkommen, die Zahl der Kinder, sowie die Antriebsart des E-Autos. So darf zum Beispiel ein Haushalt ohne Kinder ein Einkommen von 80.000 Euro im Jahr nicht überschreiten, sonst fällt hier die Prämie weg. Ab zwei Kindern liegt die Höchstgrenze bei 90.000 Euro.
Unterm Strich sind mehrere Tausend Euro Förderung drin. Ein Beispiel: Bei einem vollelektrischen Auto, einem sogenannten BEV, liegt die Basisförderung bei 3.000 Euro. Dazu kommt ein Kinderzuschuss von maximal 1.000 Euro. Für Einkommen unter 60.000 Euro gibt es 1.000 Euro extra. Liegt es unter 45.000 Euro, gibt es einen weiteren Tausender obendrauf. In Summe liegt die maximale Prämie bei einem vollelektrischen Wagen also bei 6.000 Euro.
Prämienstart noch unklar
Burkhard Weller ist Inhaber eines Autohauses und Präsident eines neu gegründeten Autohändlerverbandes. Die Stimmung von vielen Autohändlern sei gerade nicht gut. Zwar kämen neue Kunden – seiner Beobachtung nach aber nicht wegen der E-Auto Prämie.
Ein Grund dafür: Das Geld, das es für alle Neuzulassungen seit Januar 2026 geben soll, kann noch immer nicht beantragt werden. Auf Plusminus-Anfrage erklärt das Bundesumweltministerium, dass die Antragstellung voraussichtlich im Mai 2026 möglich sei. Es werde gerade eine Webseite erstellt. „Ein genaues Startdatum können wir (…) aktuell noch nicht nennen (…)“, heißt es weiter auf Anfrage.
Kritik von Autohändlern und Ökonomen
Für Verbraucher blieben deswegen Unsicherheiten, so Burkhard Weller. „Es gibt keinen Verbraucher, der sagt, da gehe ich jetzt ins Risiko, sondern der sagt, ich warte mal ab. Es wird ja kommen und wenn es dann kommt, komme ich wieder und dann kaufe ich auch – aber ich warte mal ab, was ich jetzt wirklich bekomme.“
Auf Händlerseite sorge die Prämie auch für Unsicherheiten, so Weller. Und zwar auf dem Markt für gebrauchte Elektrofahrzeuge. Händler rechnen mit einem Preissturz. Ausgelöst durch die Prämie, die den Kaufpreis für Neuwagen nach unten drückt, so der Präsident der Verband der Automobilhändler Deutschlands. Automatisch sinke damit auch der Wert der Gebrauchten. „Am Gebrauchtwagen gibt es keine Margen von 3.000 bis 6.000 Euro, sondern da sind wir deutlich darunter – und insofern sind das echte Verluste, die auf den Gebrauchtwagen-Höfen entstehen“, so Weller.
Auch aus dem Bereich der Ökonomie gibt es Kritik. Bei allen Ersparnissen für die Käufer sieht Professor Oliver Falck vom ifo Institut für Wirtschaftsforschung zum jetzigen Zeitpunkt keine Begründung für einen Elektroautoprämie, „weil sich der Elektromarkt relativ gut entwickelt und Unsicherheiten, wie es sie am Anfang bei den Käufern gab, einfach im Moment nicht mehr vorhanden sind.“
Die neue E-Auto-Prämie soll es bis 2029 geben. Den Steuerzahler soll die Preissenkung drei Milliarden Euro kosten.

