Bleibt die Frage: Wenn selbst ein großer Verlag wie Hachette mit einem Sicherheitsnetz aus Lektorierenden einen sehr wahrscheinlich mit Chat GPT erstellten Text nicht erkennt, wie kann man in Zukunft ausschließen, dass ganze Romane mit generativer KI geschrieben werden?
Bisher verlassen sich Lesende wie Lektorierende oft auf den Stil. Tauchen formelhafte Formulierungen auf? Häufen sich Adjektive und Metaphern? All das ist allerdings noch kein handfester Beweis für die Verwendung von KI. Christian Jünger ist CEO bei der Penguin Verlagsgruppe. Er setzt auf Vertrauen und Verträge, um KI-generierte Bücher zu verhindern. „Vom Grundsatz her vertrauen wir natürlich erst mal unseren Autoren“, sagt er – „und wir lassen uns zusichern, dass die Inhalte nicht vollständig von einer KI generiert worden sind. Gleichzeitig ist uns klar, dass Kreative KI-Tools als Hilfsmittel benutzen– das ist auch in Ordnung. Uns ist wichtig, dass das transparent ist und dass wir keine vollständig von KI generierten Inhalte veröffentlichen.“
Immer mehr Verlage kennzeichnen Bücher als KI-frei
Einige Verlage signalisieren diese Transparenz auch ihrem Publikum. Der Loewe Verlag kennzeichnet seine Bücher inzwischen mit dem Hinweis „Ohne KI“. Die Idee: Orientierung schaffen in einem Markt, in dem sich Qualität und Herkunft immer schwerer unterscheiden lassen. Doch auch solche Labels lösen das Grundproblem nicht. Auch sie basieren nur auf Selbstangaben und internen Prüfprozessen. Für Bestseller-Autorin Alena Schröder („Bei euch ist es immer so unheimlich still“) geht das Nutzen von KI allerdings schlicht gegen ihre Berufsethik.
„Ich persönlich lehne den Einsatz von KI beim Schreiben aus zwei Gründen total ab, einem handwerklichen und einem moralischen“, sagt sie. „Wenn ich den Kern meines Handwerks an eine Maschine auslagere, bringe ich mich um die Möglichkeit, besser zu werden. Und die Tatsache, dass diese KIs so gut sind, liegt daran, dass dafür ein enormer Diebstahl geistigen Eigentums begangen wurde.“
Die große Ideenklaumaschine
Wenn es sich also einzelne Autoren und Autorinnen einfacher machen, indem sie Chat GPT nach dem alles verändernden Plot Twist fragen – dann kann ihnen die KI genau deshalb antworten, weil sie sie ungefragt und unbezahlt geistiges Eigentum anderer verwendet. Eine Tatsache, auf die Schriftstellerinnen wie Margaret Atwood schon seit Jahren hinweisen. Der Münchner dtv-Verlag und andere drucken zum Schutz ihrer Autorinnen und Autoren deshalb in jedes Buch den Hinweis, dass der Inhalt nicht für maschinelles Lernen verwendet werden darf.
Was heißt das für Leserinnen und Leser? Die schlechte Nachricht ist: Wir können seit der breiten Nutzung generativer KI einfach nicht mehr sicher sein, ob ein Buch mit KI geschrieben worden ist. Aber es gibt Hinweise: transparente Verlage, glaubwürdige Autorinnen, mit Sorgfalt herausgegebene Bücher. Literatur ist jetzt mehr denn je ein Vertrauensverhältnis. Aber selbst wenn KI künftig immer mehr Texte auf den Markt schmeißen wird, eines kann sie nicht: Einen Text aus einem echten Leben heraus schreiben. Um Sätze ringen, statt sie zu errechnen. Etwas Menschliches zu sagen haben.

