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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > „One Piece“ und Co.: Haben Animes die Generation Z politisiert?
Kultur

„One Piece“ und Co.: Haben Animes die Generation Z politisiert?

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 19. April 2026 10:47
Von Uta Schröder
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5 min. Lesezeit
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Ein lächelnder Totenkopf mit Strohhut: Im Manga und Anime „One Piece“ ist diese Flagge das Markenzeichen der Strohhutbande um den Piratenkapitän Monkey D. Ruffy. Aber dabei ist es nicht geblieben. Die Fahne ist ein Symbol für Protestbewegungen auf der ganzen Welt: Egal ob auf Gaza-Demonstrationen, beim Generalstreik in Rom, bei Protesten in Madagaskar oder beim Sturz der Regierung in Nepal – immer wieder ist die Fahne zu sehen. Die indonesische Regierung hat sie sogar schon als „Symbol für Landesverrat“ bezeichnet, nachdem einige Rebellen sie am Nationalfeiertag statt der Landesfahne aufgehängt hatten.

Inhaltsübersicht
Von der Nische zum MainstreamWorum es in „One Piece“ gehtAnimes sind auch politischWie junge Menschen über Animes denkenSchattenseiten der Branche

Von der Nische zum Mainstream

Animes wie „One Piece“ sind in den letzten Jahren vom Nischenprodukt zum weltweit erfolgreichen Kulturgut geworden. Einem Bericht der Association of Japanese Animations (AJA) zufolge stieg der Gesamtumsatz der japanischen Anime-Industrie 2024 umgerechnet auf rund 21 Milliarden Euro. Zwar entstanden einige der bekanntesten Animes bereits in den 90er-Jahren – damals kamen Serien wie „Naruto“, „Dragonball“ und „One Piece“ ins Fernsehen –, aber nicht nur in Deutschland wurden sie lange als Animationsspaß für Jugendliche abgetan.

Von diesem Ruf haben sich Animes aber emanzipiert. Netflix erreicht mit seiner Realverfilmung der Serie „One Piece“ aktuell ein Millionenpublikum. Nach zwei erfolgreichen Staffeln ist Staffel drei schon in Produktion. Selbst der FC Bayern inszenierte seine Mannschaft auf Social Media vor dem Champions-League-Viertelfinale gegen Real Madrid auf Social Media als animierte Strohhutbande.

Worum es in „One Piece“ geht

Die Geschichte von „One Piece“ ist anime-typisch surreal: Hauptheld Monkey D. Ruffy isst als Kind versehentlich eine Teufelsfrucht, die seinen Körper in Gummi verwandelt. Mit seinen neu gewonnenen Superkräften fasst er den Entschluss, zum „König der Piraten“ zu werden und den größten Schatz der Welt zu finden: das „One Piece“, das Ex-Piratenkönig Gold Roger an einem unbekannten Ort versteckt hat. Dafür verbündet er sich mit anderen Piraten und gründet die Strohhut-Bande.

Animes sind auch politisch

Inhaltlich folgt „One Piece“ einem Anime-typischen Muster: Die Serie verhandelt auch ernste Themen wie Sklaverei, Rassismus und Korruption: die fiktive Welt, kontrolliert von einer Reihe reicher Aristokratenfamilien, der Weltregierung. Ruffys Heldenreise entwickelt sich im Verlauf der Geschichte immer mehr zum Symbol für die Rebellion gegen das ungerechte System. Und mehr und mehr Figuren solidarisieren sich mit den gesetzlosen Strohhut-Piraten.

Wie junge Menschen über Animes denken

Das Vermischen von Fantasy und Realpolitik ist dabei ganz typisch für Animes. Auf den Digitalplattformen werden Animes zum Beispiel kulturwissenschaftlich interpretiert. „Animes sind antifaschistische Technologie“, sagt zum Beispiel der Doktorand Isaac Sanders auf Instagram, dem dort fast 70.000 Menschen folgen. In Animes wie „Full Metal Alchemist“ lerne man zum Beispiel, dass Solidarität und Fürsorge der wirksamste Konter gegen Faschisten seien, so Sanders.

Darüber hinaus ist auf TikTok und Instagram auch zu lesen, dass die „Generation Naruto“, noch ein Anime aus den 90ern, stressresistenter sei. Weil diese Geschichte vermitteln würde, dass die Welt zwar ungerecht, hart, voller Rückschläge und Leid sei, es aber immer Wege gebe, die Ungerechtigkeit zu überwinden. Die Kernthese immer: Animes haben die Generation Z politisiert.

Schattenseiten der Branche

Und so ein Subtext findet sich in vielen Animes. Im neuen Netflix-Anime-Videospielableger „Devil May Cry“ lernt man zum Beispiel etwas über die Folgen von Rassismus. Der bislang erfolgreichste Anime, „Demon Slayer“, der allein mit zwei Film-Ablegern über eine Milliarde Dollar eingespielt hat, verhandelt Themen wie Entmenschlichung, Verlust und Trauer.

Trotz des großen Erfolgs hat die Branche aber auch Schattenseiten. Viele Anime- und Manga-Autoren klagen über Ausbeutung: Zeitdruck, schlechtes Einkommen und unsichere Arbeitsverträge sollen bei den Beschäftigten der Branche in Japan an der Tagesordnung sein. 2024 erschien ein Bericht der UN. Darin stand, dass viele Animatoren über niedrige Löhne, zu lange Arbeitszeiten und Burnout klagen. Der kommerzielle Erfolg der Produkte kommt also nicht ihnen zugute. Gut möglich, dass auch sie demnächst die „One-Piece“-Flagge hissen.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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