Es sind sehr große Fußabdrücke, die Tim Cook bei Apple hinterlassen hat. Dabei war der Start für ihn 2011 nicht leicht gewesen. Als Cook das Ruder vom todkranken Gründer Steve Jobs übernahm, gab es viel Skepsis. Zu blass, zu unkreativ sei der Neue – so oder ähnlich urteilte die Fachwelt.
Doch die Kritiker wurden bald stiller, denn an den Börsen legte die Apple-Aktie fortan einen extrem steilen Kursanstieg hin. Als Tim Cook die Führung übernahm, kostete die Apple-Aktie rund 15 Dollar, jetzt ist das Papier fast das 20-Fache wert.
Apple fehlt ein wirklich intelligenter Assistent
Allerdings sind unter Cook auch einige Dinge nicht gut gelaufen. Vor allem beim Thema Künstliche Intelligenz hat Apple zuletzt nicht brilliert. Man versuchte es mit KI-Funktionen unter dem Namen Apple Intelligence, und das war es. Mit den KI-Pionieren wie OpenAI mit ChatGPT oder Google mit Gemini konnte man so aber nicht mithalten.
Besonders schwer tat sich Apple mit der Weiterentwicklung seines Sprachassistenten Siri. Letztes Jahr musste der Konzern eine neue Version um unbestimmte Zeit verschieben. Man räumte damals ein, dass die personalisiertere Siri-Version mit besserem Kontextverständnis länger brauche als gedacht.
Was bringt John Ternus mit?
Nun soll also John Ternus den Faden aufnehmen. Der Neue ist 50 Jahre alt und seit rund 25 Jahren im Unternehmen. Der neue Job werde eine Herausforderung für Ternus, sagt etwa der Tech-Investor Ross Gerber, dem Sender Bloomberg. Gleichzeitig rühmt er den neuen Apple-Boss als Mann mit viel Erfahrung, der das Unternehmen sehr gut kenne.
Der würde den Schritt nicht tun, wenn er sich nicht sicher wäre, Apple auf die nächste Stufe bringen zu können, ist der Investor überzeugt. John Ternus ist seit 2021 für die Entwicklung der neuen Apple-Geräte verantwortlich. Also Laptops, Tablets, smarte Uhren, Bluetooth-Kopfhörer und auch Apples wichtigstes Produkt, das iPhone.
Bekommt das iPhone Konkurrenz?
Der Konzern verdient seit vielen Jahren schon das meiste Geld mit dem iPhone. Dass das so bleibt, ist Ternus’ größte Herausforderung. Hunderte Millionen Menschen nutzen die Apple-Handys weltweit. Das wird sich so schnell nicht ändern. Langfristig könnte aber KI die Art und Weise beeinflussen, wie wir Geräte nutzen. Statt immer aufs Handy zu schauen, könnte eben Sprachsteuerung weiter an Bedeutung gewinnen. Deshalb arbeiten andere Firmen auch an neuen Geräten, die dem iPhone Konkurrenz machen könnten. Beispiel: vernetzte Brillen.
Dass Apple unter Tim Cook mit dem iPhone so erfolgreich war, lag auch daran, dass Tim Cook rund um den Globus höchst effiziente Lieferketten aufgebaut und dabei die Produktion zum guten Teil nach China verlegt hat. Der Großteil der iPhones wird mittlerweile dort von der Firma Foxconn zusammenbauen.
Ohne China wird’s schwierig
Es gibt keinen Ort auf der Welt, wo Apple in dieser Qualität, dieser Menge und zu diesem Preis produzieren könnte, außer in China, sagte der New-York-Times-Journalist und Apple-Experte Patrick McGee der ARD. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Arbeitsbedingungen in chinesischen Zulieferfirmen ungleich härter sind als etwa in den USA.
Zwölf-Stunden-Schichten sind üblich. Reden während der Arbeit ist verboten, angeblich wird sogar Lachen bestraft. Apple ist mit der komplizierten Produktion seiner Geräte inzwischen abhängig von den chinesischen Zulieferern. McGee hat das in seinem Buch „Apple in China: Von der Werkbank zum Würgegriff“ ausführlich beschrieben. Sollte die US-Regierung nun beispielsweise neue Zölle gegen China verhängen, würde das den neuen Apple-Chef in Schwierigkeiten bringen.
Wie devot muss ein Apple-Chef gegenüber Trump sein?
Das führt zu einem weiteren Problem: das Verhältnis ins Weiße Haus. Tim Cook, brachte letzten Sommer US-Präsident Donald Trump ein besonders Geschenk ins Oval Office: einen Goldbarren, in dem eine Glasscheibe mit einem Apple-Logo und Cooks Unterschrift steckte. Das wurde zum Teil als Unterwürfigkeit kritisiert. Es bleibt abzuwarten, ob es John Ternus gelingt, sich den US-Präsidenten auf elegantere Weise gewogen zu halten.

