Bei einem am Mittwoch im Zentrum Londons aufgetauchten Standbild handelt es sich offenbar um ein Werk des britischen Street-Art-Künstlers Banksy. Am Donnerstag veröffentlichte Banksy auf Instagram ein Video, das unter anderem zeigt, wie die Statue aufgestellt wurde. Eine Sprecherin des Künstlers gab zudem an, das Standbild sei am Mittwochmorgen an seinen heutigen Platz transportiert worden.
Warnung vor blindem Patriotismus
Die mehrere Meter hohe Statue thront auf einem Sockel auf dem Mittelstreifen der Hauptstraße Pall Mall, mitten in der City of Westminster, dem Herzen Londons. Sie zeigt einen marschierenden Mann kurz vor seinem Tritt ins Leere. In der rechten Hand hält er eine Flagge, die sein Gesicht verdeckt. Auf dem Sockel ist der „Banksy“-Schriftzug zu erkennen.
Bereits am Mittwoch versammelten sich vor dem Standbild zahlreiche Schaulustige. „Wir fragen uns, wie zum Teufel er es geschafft hat, diese Statue nur einen Steinwurf vom Buckingham Palast entfernt aufzustellen“, sagte etwa der Kunststudent Ollie Isaac einem Reporter der Nachrichtenagentur AFP. Er verstehe das Standbild als Mahnung gegen „das Wiederaufleben des Nationalismus auf der ganzen Welt und in diesem Land“.
Mit dieser Einschätzung ist Isaac nicht allein. Banksy sendet mit seinen Werken häufig auch politische Botschaften. Berühmt sind etwa seine Graffito auf der Sperranlage um den Gaza-Streifen. Auch in der kriegszerstörten Ukraine hinterließ der Künstler seine Spuren. Die Statue in Westminister wird vielfach als Warnung vor einem verblendenden Patriotismus interpretiert.
Spekulationen um Banksys Identität
In der Nähe gibt es zahlreiche weitere Statuen, darunter von König Edward VII. und von Florence Nightingale, die als Begründerin der modernen Krankenpflege gilt. In der nahen Shaftesbury Avenue war bereits 2004 ein Werk Banksys aufgetaucht, das wenig später gestohlen wurde.
Der aus Bristol stammende Banksy erregt mit seinen Street-Art-Kunstwerken in aller Welt immer wieder Aufsehen, seine Werke werden zu Millionenbeträgen verkauft. Über die Identität des Künstlers wird seit Jahren spekuliert, er selbst hält sich von der Öffentlichkeit fern.
Zuletzt hatte die Nachrichtenagentur Reuters versucht, Licht ins Dunkel um den mysteriösen Künstler zu bringen. Der Bericht stützt sich auf ein Festnahmeprotokoll aus New York aus dem Jahr 2000 und Aussagen von Zeugen, die Banksy während eines Besuch in der Ukraine gesehen haben wollen. Vor zwei Jahrzehnten hatte eine britische Zeitung berichtet, dass es sich bei Banksy um den Briten Robin Gunningham handeln soll, der seinen Namen demnach später in David Jones änderte. Eine Bestätigung seitens des Künstlers gibt es nicht.

