Wenn sich bei der heutigen Hauptversammlung der Lufthansa auch die Aufsichtsräte auf und neben der Bühne äußern, dann dürften Investoren auf Karl Gernandt blicken. Der einer breiten Öffentlichkeit wenig bekannte Manager gilt als eine der einflussreichsten Stimmen im Konzern. Er vertritt als Präsident des Verwaltungsrates der Kühne AG den größten Einzelaktionär der Lufthansa, den Hamburger Milliardär Klaus-Michael Kühne.
Dieser war zu Zeiten der Corona-Krise groß bei der Fluggesellschaft eingestiegen und hat sich immer wieder kritisch zur Entwicklung des Konzerns geäußert. So kritisierte er im vergangenen Jahr das Management für die breit gefächerte Aufstellung des Unternehmens mit vielen Tochterunternehmen.
Ungelöste Probleme bei der Lufthansa vor einem schwierigen Sommer
Doch auch die Gewerkschaften bekamen zuletzt einiges von Kühne zu hören. Angesichts der jüngsten Streikwelle im April warf er ihnen vor, aus Egoismus das Streikrecht in unverhältnismäßiger Art zu missbrauchen und so das Unternehmen zu schädigen.
Grundsätzlich steht die Lufthansa vor einem schwierigen Sommer. So sind nach wie vor Tarifkonflikte ungelöst, während gleichzeitig die Kosten für Treibstoff massiv steigen. Und nicht zuletzt fordern Investoren seit Jahren höhere Renditen, um zu Konkurrenten wie British Airways oder Air France aufzuschließen. Allerdings birgt jedes neue Sparprogramm das Potenzial für neue Konflikte mit den Gewerkschaften.
Kritik an gestrichenen Strecken der Lufthansa
Die gesamte Luftfahrtbranche steht vor einem schwierigen Sommer. So denkt derzeit wohl jede Airline über Streckenstreichungen nach, wenn das Kerosin zu teuer oder Treibstoff knapp wird. Diese Frage dürfte in diesem Sommer noch viele Urlauber umtreiben.
Bei der Lufthansa gibt es schon jetzt laute Kritik, nachdem Deutschlands größte Airline bereits in den vergangenen Wochen ihr Netz spürbar ausgedünnt hat. Nicht zuletzt wegen der plötzlichen Einstellung des Betriebs der Tochter Cityline fielen zahlreiche innerdeutsche Verbindungen weg, was in den betroffenen Regionen teils für Empörung bei Politik und Wirtschaftsverbänden sorgt. Denn viele Unternehmen aus Räumen wie Stuttgart oder Bremen nutzten solche Kurzflüge nach Frankfurt oder München, um dort in eine Langstreckenmaschine umzusteigen und so internationale Geschäftskontakte zu pflegen.
Unmut über neue Tickettarife der Lufthansa
Darüber hinaus gibt es auch Unmut von Vielfliegern und damit der Stammkundschaft. Zwar betont man bei Lufthansa immer wieder einen Premium-Anspruch. Doch zuletzt gab es einigen Ärger um neue Tarife, die sehr stark den Strukturen von Billigfliegern ähneln. So soll es künftig Tarife geben, in denen Handgepäck nicht mehr kostenfrei mitgenommen werden darf. Und selbst in der teuren Business Class sind bisherige Selbstverständlichkeiten wie ein reservierter Sitzplatz nicht mehr in allen Tarifen inkludiert.

