Kinder und Jugendliche wachsen in einer digitalen Welt auf, Soziale Medien wie TikTok oder Instagram gehören zum normalen Alltag. Das Internet ist ein zentraler, wichtiger Teil im Leben junger Menschen und bietet viele Vorteile, trotzdem kursieren auch viele Falschinformationen im Netz, der Umgangston ist oft rau oder sogar voller Hass.
Der Aktionsrat Bildung, ein Expertengremium aus Bildungswissenschaftlern, das von der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft ins Leben gerufen wurde, führt in seinem jetzt vorgestellten Gutachten (externer Link) an, dass die täglichen Nutzungszeiten von Sozialen Medien beunruhigend hoch seien. Inzwischen zeige mehr als ein Viertel der Kinder und Jugendlichen ein problematisches Social-Media-Nutzungsverhalten, rund fünf Prozent davon würden sogar als Social-Media-süchtig eingestuft.
Viele Experten sind der Meinung, dass Altersbeschränkungen bei manchen Angeboten oder Handyverbote im Unterricht wichtig sind, um Kinder und Jugendliche zu schützen. Und dass das Internet trotzdem nicht vollständig aus ihrem Leben verschwinden darf.
Kinder, Jugendliche, Internet und Social Media: Kompass für Bildungseinrichtungen
Um die junge Generation fit für das Leben im Netz und im Besonderen in sozialen Netzwerken zu machen, hat der Aktionsrat Bildung ein umfangreiches Gutachten erstellt (externer Link), das als Kompass für Bildungseinrichtungen und Politik für die Herausforderungen dienen soll. Eine der Kernforderungen ist, jungen Menschen eine „mediale Integrität“ zu vermitteln.
Kinder und Jugendliche müssen lernen, wie sie mit Hass im Internet umgehen
Gemeint ist damit unter anderem, dass Kinder und Jugendliche lernen sollen, souverän mit Verrohung und Hass im Internet umzugehen, erklärt Dieter Lenzen, der Vorsitzende des Aktionsrats Bildung: „Eine integre Persönlichkeit ist eine gebildete Persönlichkeit, die die Perspektive des anderen übernehmen kann, was es für ihn oder sie bedeutet, wenn zum Beispiel Mobbing stattfindet.“ Aber nicht nur Empathie und die Fähigkeit zur Reflexion sollen den jungen Menschen vermittelt werden. Ein gesundes Selbstbewusstsein und zu sich selbst zu stehen, etwa, wenn man selber mit Bodyshaming, dem Abwerten aufgrund seines Aussehens, konfrontiert ist, gehört ebenfalls zu den Fähigkeiten, die Kinder und Jugendliche frühzeitig entwickeln sollen.
Wissenschaftler fordern: Lehrer sollen mit Schülern Kommunikation in Chats üben
Damit sie dabei nicht allein gelassen werden, fordern die Wissenschaftler auch eine aktive Begleitung, etwa durch die Schule. Hier könnten die Schülerinnen und Schüler beispielsweise in Chatgruppen Kommunikationsstile lernen. Auch muss den Schülerinnen und Schülern beigebracht werden, beispielsweise Falschmeldungen zu erkennen. Öffentliche Bildungseinrichtungen sollen verpflichtet werden, pädagogisch fundierte Nutzungskonzepte für Social Media zu entwickeln. Neben der Integration von digitalen Medien im Unterricht setzt sich das Gremium aber auch mit der Frage auseinander, wann Schluss sein muss mit der Onlinepräsenz. Neben einer gezielten Nutzung im Unterricht hält der Aktionsrat Bildung Altersbeschränkungen für junge Nutzer für unumgänglich.
Aktionsrat Bildung fordert: Betreiber von Plattformen in die Pflicht zu nehmen
Um Beschränkungen wie etwa Altersgrenzen für Kinder und Jugendliche oder ein Verbot von manipulativen und suchtfördernden Elementen durchzusetzen, sollten dem Aktionsrat Bildung zufolge vor allen Dingen die Betreiber von Plattformen in die Pflicht genommen werden. Der Digital Services Act der EU kann solche Regelungen für digitale Plattformen festlegen. Von Haftung und Nutzungsbeschränkungen halten Plattformbetreiber wie Elon Musk oder Mark Zuckerberg allerdings wenig. Auch deshalb droht die US-Regierung der EU immer wieder mit Sanktionen.
Auf BR-Nachfrage fordert der Vorsitzende des Aktionsrats Bildung, Dieter Lenzen, eine konsequente Haltung der Politik: „Wer in Europa Waren oder Dienstleistungen anbieten will, hat sich nach den Regeln und auch nach der Kultur dieses Kontinents zu richten, (…) und wir können uns auch nicht erpressen lassen!“
Social-Media-Sucht bei knapp fünf Prozent aller Jugendlichen
Die Forscher beobachten ein seit Jahren zunehmendes, riskantes Nutzungsverhalten. Laut einer DAK-Studie (externer Link) aus dem Jahr 2025 ist das Nutzungsverhalten von sozialen Medien bei 10- bis 17-Jährigen problematisch, 4,7 Prozent von ihnen gelten als abhängig. Der Aktionsrat Bildung empfiehlt, dass Bildungseinrichtungen entsprechende Anlaufstellen einrichten.
Damit die Forderungen der Wissenschaftler auch umgesetzt werden können, soll die medienpädagogische Qualifikation von Lehrkräften, aber auch von Eltern gefördert werden. So könnten etwa an die Fortbildung der Lehrerinnen und Lehrer auch Informations- und Beratungsmodule für Eltern gekoppelt werden.

