In Deutschland sterben jedes Jahr mehrere hundert Menschen bei Badeunfällen, besonders in Seen und Flüssen – auch in Bayern. Ursache sind häufig Selbstüberschätzung, Alkohol, fehlende Schwimmkenntnisse oder gesundheitliche Probleme. Viele Menschen glauben, Ertrinkende würden laut schreien oder wild mit den Armen rudern. Tatsächlich geschieht Ertrinken aber meist still.
Woran erkennt man Ertrinkende im Wasser?
Ertrinkende sind meist in einer aufrechten, fast „stehenden“ Position im Wasser. Die Augen sind oft weit geöffnet, der Kopf ist häufig nach hinten geneigt, während Mund und Nase immer wieder unter die Wasseroberfläche geraten. In dieser Situation steht das reine Luftschnappen im Vordergrund, weshalb Betroffene in der Regel nicht mehr rufen können.
Die Arme bewegen sich meist reflexartig seitlich oder nach unten im Wasser, um den Körper an der Oberfläche zu halten. Dadurch fehlen die Kraft und Kontrolle, um gezielt winken oder auf sich aufmerksam machen zu können. Diese typischen Erkennungsmerkmale beschreibt auch die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft e.V. (DLRG) (externer Link).
So helfen Sie richtig bei einem Badeunfall
Das Wichtigste: laut um Hilfe rufen. Befinden sich eine Wasserwacht oder Rettungsschwimmer vor Ort, sollten diese sofort alarmiert werden. Ist das nicht der Fall, gilt: umgehend den Notruf 112 wählen. Gleichzeitig kann es helfen, andere Personen gezielt einzubinden, etwa um Rettungskräfte einzuweisen.
Die DLRG empfiehlt außerdem, dem Ertrinkenden möglichst Auftriebshilfen wie Rettungsringe, Schwimmbretter oder geeignete Gegenstände zuzuwerfen, damit die Person sich über Wasser halten kann.
Badeunfall: Eigenschutz geht immer vor
Bei einem Badeunfall gilt zuerst: Eigenschutz hat Vorrang. Niemand sollte zu einer ertrinkenden Person ins Wasser gehen, wenn die eigene Schwimmfähigkeit nicht absolut sicher ist oder Zweifel an der eigenen Kraft bestehen.
Auch geübte Schwimmer können in offenen Gewässern schnell an ihre Grenzen kommen. Die DLRG betont daher klar: „Bringe dich niemals selbst in Gefahr!“
Im Falle einer Rettungsaktion: sicher helfen statt Risiko eingehen
Wenn Sie sich eine Rettung im Wasser zutrauen, sollten Sie Ihre Kleidung vorher ausziehen, denn nasse Kleidung saugt sich voll, erhöht das Gewicht und erschwert das Schwimmen zusätzlich.
Wichtig ist, nach Möglichkeit nicht direkt zur ertrinkenden Person zu schwimmen, sondern Hilfsmittel wie einen Rettungsring, ein Seil oder andere Schwimmhilfen zu nutzen und diese aus sicherer Entfernung zuzuwerfen oder hinzuschieben. Menschen in Panik können unkontrolliert reagieren und sich an Helfend klammern, was am Ende beide in Gefahr bringt.
Kommt es dennoch zu einer Umklammerung, soll laut Wasserrettung ein kurzes Abtauchen helfen, um den Griff zu lösen, da die betroffene Person instinktiv wieder an die Wasseroberfläche strebt.
Der früher oft genannte Tipp, eine ertrinkende Person mit einer Ohrfeige aus dem Panikmodus zu holen, gilt heute als überholt. Ein Erfolg ist nicht belegt und kann die Situation im Zweifel sogar verschlimmern.
Verhalten im Wasser bis zum Eintreffen der Rettungskräfte
Schaffen Sie es nicht, die ertrinkende Person an Land zu ziehen, bleiben Sie an Ort und Stelle und halten Sie, den Kopf des Ertrinkenden über Wasser zu halten, bis die Rettungskräfte eintreffen.
Gleichzeitig gilt jedoch: keine Selbstgefährdung eingehen und nur so lange im Wasser bleiben, wie es sicher möglich ist.
Erste Hilfe nach einem Badeunfall: Was ist zu tun?
Wenn es gelungen ist, die gerettete Person ans Ufer zu ziehen, überbrücken Erste-Hilfe-Maßnahmen die Zeit bis zum Eintreffen der Rettungskräfte.
- Ist die Person bewusstlos, aber noch atmend, sollte sie in die stabile Seitenlage gebracht werden. Zusätzlich ist es wichtig, sie vor Auskühlung zu schützen und den Körper möglichst warmzuhalten.
- Atmet die verunglückte Person nicht mehr, muss sofort mit der Wiederbelebung begonnen und diese ohne Unterbrechung bis zum Eintreffen der Rettungskräfte fortgeführt werden. Entscheidend ist dabei, die Sauerstoffversorgung des Gehirns aufrechtzuerhalten. Schon nach wenigen Minuten ohne Reanimation können schwere, bleibende Schäden entstehen.
- Wichtig: Nicht versuchen, Wasser aus der Lunge zu drücken. Das kostet wertvolle Zeit und hilft nicht.
Wie lässt sich Ertrinken verhindern?
Sicherer wird Baden an bewachten Badestellen. Außerdem empfiehlt die DLRG:
- niemals alkoholisiert schwimmen
- Kinder ständig beaufsichtigen
- Strömungen und Wetter beachten
- nicht alleine schwimmen
- die eigene Kondition realistisch einschätzen
Diese einfachen Regeln reduzieren das Risiko von Badeunfällen deutlich.

