Der 28. April 2025 war für Spanien und Portugal ein Schock. Ein Stromausfall legte weite Teile der Länder für rund zwölf Stunden lang lahm – kein Internet, kein Handynetz, kein Bahnverkehr – selbst Supermärkte mussten schließen, weil Kühltheken und Kassensysteme ausfielen. Der große Zusammenbruch des Stromnetzes führt vor, wie abhängig der Alltag von einer stabilen Stromversorgung ist.
Blackout 2025 in Spanien und Portugal: Schwingungen im Stromnetz
Ein Analyse-Bericht (externer Link) der europäischen Übertragungsnetzbetreiber zeigt: Der Blackout 2025 auf der Iberischen Halbinsel basierte nicht auf einem einzigen Fehler, sondern auf einer Abfolge mehrerer Ursachen. Zunächst traten im Hochspannungsnetz Schwingungen auf. Solche Schwingungen kommen vor, weil in konventionellen Kraftwerken Turbinen und Generatoren riesige rotierende Massen sind. Sie laufen im Gleichtakt, aber eben nicht immer perfekt, erklärt der Energiesystem-Experte Christian Rehtanz von der Technischen Universität (TU) Dortmund. Daraus entstehen Schwankungen der Netzfrequenz und der Spannung. Um diese zu dämpfen, greifen Netzbetreiber ein und stabilisieren das System, indem sie bestimmte Leitungen oder Netzkomponenten zu- oder abschalten, so Rehtanz: „Man nimmt Drosselspulen aus dem Netz, dadurch geht die Spannung nach oben. Man hat diese Maßnahmen ergriffen nach Plan. Dadurch ist die Spannung aber deutlich höher gegangen als erwartet.“
Kettenreaktion führte zu flächendeckendem Blackout
Das löste die nächste Stufe der Kettenreaktion aus: Viele Photovoltaik- und Windkraftanlagen schalteten sich ab. Grund dafür waren ihre Wechselrichter, auch Umrichter genannt, also die Geräte, die beispielsweise den erzeugten Gleichstrom in Wechselstrom für das Netz umwandeln. Sie können auch die Spannung regeln. Sie reagierten empfindlich auf die Überspannung und trennten sich aus Selbstschutz vom Netz – teilweise deutlich früher, als es die Regeln vorsahen, kritisiert Christian Rehtanz.
Dadurch war zu wenig Leistung im System, sowohl zur Versorgung als auch um die Netz-Spannung zu stabilisieren. Gleichzeitig reagierten auch einige konventionelle Kraftwerke falsch. Auch sie schalteten sich ab. Als Folge dessen schoss die Netz-Spannung weiter hoch. Und noch mehr Anlagen schalteten sich ab, um sich vor der hohen Spannung zu schützen. Ein Kaskadeneffekt – bis zum totalen Blackout.
Blackout-Gefahr: Vielzahl von Stromerzeugern macht Stromnetz anfälliger
Der Analyse-Bericht der Übertragungsnetzbetreiber betont, dass durch die Vielzahl von Erzeugern von erneuerbaren Energien das Stromnetz anfälliger geworden ist. Ein Grund sind die Wechsel- oder Umrichter, erklärt Rehtanz: „Es waren jetzt nicht die erneuerbaren Energien an sich, das ist kein Photovoltaik-Problem, es war ein Fehlverhalten der Umrichter, die sich eben nicht korrekt an das, was normativ vorgegeben war in Spanien, gehalten haben.“
Für ihn ist es daher wichtig, dass alle Photovoltaik-Anlagen-Betreiber, also auch von solchen auf eigenen Hausdächern oder von Balkonkraftwerken, zertifizierte Wechselrichter haben, sodass sie den technischen Vorgaben der Netzbetreiber folgen. Und, damit sie, um das Netz zu schützen, schnell ihre Anlage hoch- oder runterregeln können. Vor unzertifizierten Wechselrichtern warnt auch die Bundesnetzagentur (externer Link).
Blackout vorbeugen: Stromerzeuger müssen Stabilität der Stromnetze sichern
Windkraft- und Photovoltaik-Anlagen sind, zusammen mit Biomasse und anderen erneuerbaren Quellen, inzwischen die Haupt-Stromerzeuger (externer Link). Sie müssen daher zunehmend auch mehr Verantwortung für die Stabilität der Stromnetze übernehmen, meint die Energieexpertin Jutta Hanson von der Technischen Universität (TU) Darmstadt. Kraftwerke seien „wie Stützpfeiler im Netz“, erklärte sie auf einer Online-Veranstaltung des Science Media Centers (externer Link). Kraftwerke stellen sogenannte „Blindleistung“ (externer Link) ins Netz, die nicht der Energieversorgung dient, sondern die Spannung regelt. Gemäß der „Roadmap Systemstabilität“ (externer Link), erklärt Christian Rehtanz, müssen zunehmend die erneuerbaren Energien diese Stützaufgaben übernehmen.
Batteriespeicher als Netz-Stütze
Künftig könnten auch leistungselektronische Komponenten oder Batteriespeicher diese Netz-Stabilisierung erledigen, meint Christian Rehtanz. Entscheidend sei, dass diese ausreichend groß und schnell regelbar sind. Beim Blackout in Spanien und Portugal 2025 dauerte das Abschalten von Wind- und Photovoltaik-Anlagen mit einer Leistung von annähernd 928 Megawatt nur eine Sekunde. Der gesamte Ablauf der Ursachen-Kaskade bis zum Blackout etwa anderthalb Minuten – das zeigt, wie schnell die Anlagen gesteuert werden müssen.

