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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > „So jemanden kenne ich auch“: Wenn am Grab gegendert wird
Kultur

„So jemanden kenne ich auch“: Wenn am Grab gegendert wird

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 3. Juni 2026 14:47
Von Uta Schröder
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5 min. Lesezeit
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Hier kommt es ausnahmsweise mal auf einen einzelnen Buchstaben an: „Alter weißer Mann“ ist eine Filmkomödie von Simon Verhoeven, die im Herbst 2024 in die Kinos kam, mit Jan Josef Liefers in der Hauptrolle. „Kalter weißer Mann“ klingt zwar so ähnlich, ist aber eine Gesellschaftssatire von Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob, die ebenfalls 2024 uraufgeführt wurde, allerdings ein halbes Jahr früher als der Film, am Renaissance-Theater in Berlin.

Inhaltsübersicht
„Hochaktuell und brisant“„Zwei Minuten was zum Leuchten bringen“„Möglichst nahbar und natürlich“

Was die Sache etwas verwirrend macht: In beiden Fällen geht es um Lust und Last mit der politischen Korrektheit und um die Frage, was man überhaupt noch sagen darf, und wenn ja, wie. Das Theaterstück spielt auf dem Friedhof. An einem der Kränze für den verstorbenen Firmenchef ist zu lesen: „Deine Mitarbeiter“, wohlgemerkt ohne: „Mitarbeiterinnen“. Der Streit darüber ist schnell entfacht, wie sich jetzt an der Komödie im Bayerischen Hof in München überprüfen lässt.

„Hochaktuell und brisant“

Regisseurin Katharina Schmidt: „Das hat wahrscheinlich mit der jeweiligen Generation gar nichts zu tun, dass viele Leute sich immer noch daran stoßen und noch immer Probleme haben, wirklich auch zu verstehen, worum es jetzt wirklich geht. Geht es bei diesem Sternchen nur darum, Frauen noch mehr einzubinden oder nicht eben auch um non-binäre Menschen, Trans-Personen? Genau deswegen finde ich das immer noch hochaktuell und brisant.“

Der fernsehbekannte Schauspieler Gerhard Wittmann spielt Horst Bohne, den Firmenerben und zukünftigen Geschäftsführer beim Feinwäscheproduzenten Steinfels. Im Stück will er alles richtig machen und eckt gerade deshalb bei jungen, kritischen Kolleginnen an. Die Zeiten haben sich sehr geändert, auch im wirklichen Leben, so Wittmann: „Also wenn ich jetzt ans Theater denke, ich habe damals in Österreich begonnen, da hat man sechs oder sieben Stücke im Jahr gemacht, da war vielleicht mal eine Regisseurin dabei und die hat dann das Kinderstück gemacht. Dann waren die Leute in der Bühnen-Gasse gestanden und haben gesagt: ‚Bitte, die bringt es ja nicht.‘ Das ist jetzt kein Thema mehr.“

„Zwei Minuten was zum Leuchten bringen“

Klar, das Stück erinnert sehr an die Erfolgskomödie „Extrawurst“ vom selben Autorenduo, wo es ja auch um politische Korrektheit geht, in diesem Fall um Migration und kulturelle Aneignung. Im „Kalten, weißen Mann“ dreht sich dagegen alles um Gendergerechtigkeit, um Sexismus und Gleichberechtigung.

„Ist es ein politischer Stoff?“, fragt sich Gerhard Wittmann: „Ich bin weit davon entfernt, dass man irgendwas mit politischen Stoffen auf der Bühne erreicht. Nullkommanull, na vielleicht nullkommanulleins oder so. Aber wenn es mir vielleicht gelingt, während des ganzen Abends zwei Minuten was zum Leuchten zu bringen, dass unten einer sagt, ‚Oh ja, das ist mir auch schon mal passiert, woher weiß der das über mich, das stimmt‘, dann habe ich viel erreicht.“

„Möglichst nahbar und natürlich“

Wichtig bei einer Boulevardkomödie sind natürlich Tempo und Timing. Die Pointen müssen sitzen, die Lacher zielgenau mit inszeniert werden. Katharina Schmidt will es damit aber nicht bewenden lassen: „Ansonsten ist es mir wichtig, dass das möglichst nahbare Figuren sind. Je nahbarer diese Menschen auf der Bühne sind, für uns da unten, desto mehr können wir uns mit den verschiedenen Positionen solidarisieren, desto mehr berührt uns das auch emotional. Aber eben auch auf der humorvollen Ebene, dass man wirklich sagt: ‚Ach Mensch, so jemanden kenne ich doch auch vom Büro. Der hockt neben mir, die macht auch immer mal einen dummen Spruch‘, also dass es möglichst nahbar und natürlich bleibt.“

Solche Komödien sind immer auch Schaukämpfe. Mit welchem Darsteller wird sich das Publikum wohl identifizieren? Wo liegen seine Sympathien? Gerhard Wittmann ist ausgesprochen ehrgeizig und lacht: „Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich auch hier bei den Älteren durchaus Leute auf meine Seite ziehe.“

Auf der Tournee hat sich jedenfalls gezeigt, dass manche Zuschauer durchaus unvermittelt reagierten. Improvisation im Saal sozusagen. Eine spannende Perspektive.

Bis 12. Juli in der Komödie im Bayerischen Hof München.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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