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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Hype um Gen-Z-Band „Geese“: Echt oder nur gutes Marketing?
Kultur

Hype um Gen-Z-Band „Geese“: Echt oder nur gutes Marketing?

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 3. Juni 2026 14:47
Von Uta Schröder
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5 min. Lesezeit
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Die Indie-Band Geese erlebte 2025 ein Erfolgsjahr, wie es sich viele kleinere Bands wünschen würden. Mit ihrem Album „Getting Killed“ landeten sie in den Bestenlisten des Jahres. Es folgten Auftritte in großen Late-Night Shows und ihr erstes großes Set auf einem der berühmtesten Festivals der Welt: Coachella. Die Band wird als die „erste große Rockband der Gen Z“ gehandelt. Auf den ersten Blick wirkt es, als hätte die gehypte Band aus New York endlich ihren Durchbruch geschafft. Aktuell entspinnt sich allerdings eine Debatte darum, ob es diesen Hype um „Geese“ tatsächlich gegeben hat.

Inhaltsübersicht
Vom Geheimtipp zum Indie-HypeDas Narrativ kontrollieren„Clipping“ als Strategie90 Prozent von Social-Feeds kampagnengesteuert?Aufmerksamkeit ist alles

Vom Geheimtipp zum Indie-Hype

Die Band gründete sich bereits 2016 in Brooklyn und veröffentlichte 2021 ihr Debütalbum „Projector“. Ihr erster Aufschlag in der Musikszene brachte ihnen, genauso wie ihr 2023 folgendes Album „3D Country“ gute Kritiken und große Anerkennung in der Indie-Szene ein. Die Band galt lange als Geheimtipp. Ihr anspruchsvoller Rock brachte ihnen schnell das Image ein, nicht zum durchkommerzialisierten Pop zu gehören. Es gibt Interviews, in denen die Band betont, es gehe ihnen nur um die Musik, die sei die Hauptsache.

Das Narrativ kontrollieren

Nun allerdings entbrennt eine Debatte darum, wie glaubwürdig dieses Image ist. Ausgelöst wurde die Diskussion durch einen Essay der eher unbekannten US-Musikerin Eliza McLamb. Darin beschäftigt sie sich mit der Agentur „Chaotic Good Projects“, einer Marketingfirma, die auch schon mit großen Künstlern wie Justin Bieber oder Zara Larsson zusammengearbeitet hat. Eine der Aufgaben von „Chaotic Good Projects“ ist es laut Mitgründer Andrew Spelman das Narrativ rund um einen Künstler zu kontrollieren. Es reiche heute nicht mehr aus, als Künstler einen Auftritt in großen Shows oder Festivals zu bekommen und dann abzuwarten, wie das Publikum reagiert. Entscheidend sei, unmittelbar danach massenhaft positive Reaktionen zu erzielen.

„Clipping“ als Strategie

„Chaotic Good Projects“ erreicht das durch sogenannte „User-Generated-Content-Kampagnen“. Dabei posten viele Accounts immer wieder kurze Ausschnitte eines Songs, Auftritts oder Interviews des Künstlers. Das nennt man auch „Clipping“. Mal als Meme, mal als scheinbar spontane Empfehlung, mal als Kommentar zur Popkultur. Für die User ist kaum erkennbar, ob hier ein echter Fan etwas teilt – oder ob es bezahlte Accounts oder teilweise sogar Fake-Accounts sind. Am Ende bleibt der Eindruck, dass es sich um einen echten Hype rund um den Künstler handelt.

Eliza McLamb bemerkte, dass auch „Geese“ zu den Kunden von „Chaotic Good Projects“ gehört. Mittlerweile hat die Firma die Liste ihrer Kunden von der Website entfernt. Weder „Chaotic Good Projects“, noch „Geese“ haben auf unsere Anfragen geantwortet, wie sich die Zusammenarbeit genau gestaltet hat. Aber, dass ausgerechnet eine Band, die als Indie-Band auf Authentizität setzt, zu solchen Methoden greifen könnte, weckt Unbehagen. Wie stark lässt sich also heute manipulieren, was wir für echten Hype halten?

90 Prozent von Social-Feeds kampagnengesteuert?

Dass „Chaotic Good Projects“ für „Geese“ gearbeitet hat, ist Fakt. Was sich daraus nicht seriös ableiten lässt: dass ihr Erfolg ausschließlich gekauft oder künstlich erzeugt wurde. Am Ende müssen Künstler immer noch ein bei Fans beliebtes Produkt abliefern, um langfristig Erfolg zu haben. Trotzdem lassen solche Kampagnen die Grenzen davon verschwimmen, was Werbung ist. Keiner dieser Clips, die Teil einer Kampagne sind, ist als solcher gekennzeichnet. Und „Chaotic Good Projects“ ist nicht die einzige Firma, die solche Taktiken verfolgt. Es gibt Hunderte. Der ehemalige CEO einer solcher Firmen, Joe Lim, behauptete im Gespräch mit dem Vulture-Magazin (externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt), dass mittlerweile 90 Prozent unserer Feeds in den Sozialen Netzwerken aus gesteuerten Marketing-Kampagnen bestehen, ohne, dass wir es merken.

Aufmerksamkeit ist alles

Eliza McLamb stellt in ihrem Essay für sich die existenzielle Frage, ob Künstlerinnen wie sie überhaupt noch organisch erfolgreich sein können. Kleine Künstler, die nicht Teil eines größeren Systems sind, haben selten Zugang zu solchen kostspieligen Kampagnen. Wenn gesteuerte Kampagnen aber organische Hypes verdrängen, dann bleibt kleinen Künstlern aber nicht mehr viel übrig, um den Durchbruch zu schaffen. Denn Aufmerksamkeit ist in Zeiten von Social Media nun mal alles.

Während „Geese“ noch immer zu den Vorwürfen schweigt, bleibt Eliza McLamb nichts anderes übrig, als selbst auf ihre Musik aufmerksam zu machen. Mit ihrem Essay über „Geese“ ist ihr das zumindest gelungen.

Inwieweit verdanken „Geese“ ihren Hype einer Social-Media-Kampagne? Das hat sich auch das BR-Youtube-Format „Pop Secret Stories“ gefragt.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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