Anfang Mai standen nahe Ruhpolding im Chiemgau 140 Hektar Wald in Flammen. Mehr als 350 Einsatzkräfte und elf Hubschrauber waren nötig, um den Waldbrand auf dem „Saurüsselkopf“ in einem unwegsamen, steilen Gelände zu löschen. Laut dem Bayerischen Innenministerium war es einer der größten der letzten Jahrzehnte. Laut der Bayerischen Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft erwarten Experten aufgrund des menschgemachten Klimawandels und den damit verbundenen Hitze- und Trockenperioden in Zukunft eine Zunahme des Waldbrandrisikos [externer Link].
Freiwillige Luftbeobachter spüren Waldbrände auf
Um ein Katastrophenszenario wie das am Saurüsselkopf zu möglichst zu verhindern, sind die ehrenamtlichen Piloten der Luftrettungsstaffel Bayern [externer Link] mit ihren privaten Fluggeräten unterwegs. Sie sollen Waldbrände früh in ihrer Entstehungsphase aufspüren. Aktuell stehen dafür etwa 120 Flächenflugzeuge, zwei Hubschrauber und rund 300 ausschließlich ehrenamtliche Pilotinnen und Piloten bereit, die von staatlich ausgebildeten Luftbeobachtern begleitet werden. Der Präsident der Luftrettungsstaffel Karl Herrmann ist stolz auf die Flotte aus freiwilligen Helfern, die bereits Anfang Juni mit beachtliche Zahlen aufwarten kann: „Wir haben in diesem Jahr zwölf Waldbrände, zwölf Flächenbrände und zwei Gebäudebrände melden können.“
Innerhalb von 20 Minuten ist jeder Ort in Bayern erreicht
Verteilt sind die Flugzeuge und Hubschrauber auf mehr als dreißig Flugplätze in ganz Bayern. Sie können bei hoher Waldbrandgefahr auf Anforderung des Innenministerium jeden Ort in Bayern in maximal zwanzig Minuten erreichen. Die Arbeit der Luftrettungsstaffel sei unverzichtbar, erklärte das Bayerischen Innenministerium auf eine Anfrage des Bayerischen Rundfunks. Der Einsatz etwa von Drohnen zur Früherkennung von Waldbänden sei vor allem auch wegen luftfahrtrechtlicher Vorgaben schwierig. Auch lieferten bislang bestehende Satellitensysteme nicht die flächendeckenden und zeitnahen Informationen, die für die Waldbrandbekämpfung in Bayern erforderlich sind.
Satelliten aus Bayern suchen Waldbrände auf der ganzen Welt
Tatsächlich waren normale Forschungssatelliten wegen großer Überwachungslücken und einer zu langsamen Datenübermittlung lange Zeit nur sehr eingeschränkt für die Waldbranddetektion zu gebrauchen, da sie nie für diesen Zweck entwickelt wurden. Das Startup Ororatech aus München will mit seinem neu entwickelten Satellitennetzwerk dieses Problem lösen. Achtzehn eigene Satelliten hat das Unternehmen bereits im All, die speziell für die Waldbranderkennung entwickelt wurden. Ihre hochauflösende Wärmebildkameras können nach eigenen Angaben ein Feuer etwa ab der Größe eines einzelnen brennenden Baumes erfassen.
Ein schnell wachsendes weltweites Überwachungsnetzwerk
Neuerdings rüstet Ororatech auch zusätzlich normale Kommunikationssatelliten mit Wärmebildkameras aus, um eine flächendeckende Beobachtung zu gewährleisten. Mit Hilfe von KI werden die gesammelten Daten bereits im All ausgewertet. Damit ist eine schnellstmögliche Übermittlung möglich. Inzwischen ist das System weltweit im Einsatz, darunter in den USA, Kanada, Australien, und Griechenland.
Schnelle Abtastung riesiger Flächen durch Satelliten
Gegenüber einer Luftbeobachtung mit Hilfe von Flugzeugen hätten die Satelliten in einem Bereich einen klaren Vorteil, so Ororatech-Manager Collin Ratzka: „Unsere Überflüge von einem Satelliten nehmen eine Bildbreite von 400 Kilometern auf einmal auf. Das heißt, wir können sehr große Flächen sehr schnell abdecken. Wir sehen auch in schwer zugänglichen Gebieten besser, als es bestehende Systeme tun.“ Aber die Wärmebildkameras der Satelliten haben auch Schwächen: Bei dichter Bewölkung sind sie praktisch blind.
Piloten und Luftbeobachter können Einsatz aus der Luft koordinieren
Auch deswegen werden die Satelliten die Arbeit der Pilotinnen und Piloten sowie der Luftbeobachter der Bayerischen Luftrettungsstaffel in Zukunft kaum übernehmen können. Die menschlichen Brandbeobachter kennen die Gegend und können deshalb auch die Gesamtsituation vor Ort erfassen, etwa um Feuerwehren die besten Zufahrtswege zu beschreiben und zu erkennen, welche Einsatzfahrzeuge wo gebraucht werden. Präsident Karl Herrmann erwartet deshalb keine Konkurrenz für sein engagiertes Team.
Sinnvolle Ergänzung zu menschlichen Waldbrandsuche
Konkurrieren möchten die Satellitenbetreiber von Ororatech mit den Luftüberwachern ohnehin nicht. Aber sie könnten wertvolle zusätzliche Informationen für die Waldbrandbeobachtung bereitstellen. Zwar ist die Gefahrenlage in Bayern bezüglich Waldbränden längst nicht so dramatisch wie etwa in Kalifornien oder Griechenland. Doch Brände wie der am Saurüsselkopf zeigen, welche dramatische Folgen ein Brand in einer Hochgebirgsregion haben kann.

