„Bundeskanzler Merz, Sie können zwar auf Nummer sicher gehen, doch mit dem bisherigen Tempo werden wir nicht weit kommen. Uns läuft die Zeit davon, während unsere Wettbewerber davon ziehen und uns die Show stehlen.“ So lauten – auf deutsch übersetzt – ein paar der Textzeilen von „Imagine a Moonshot“.
Florian Seibel hat das von einer KI komponierte Lied (externer Link) in Auftrag gegeben, auf Schallplatte pressen lassen und diese dem Kanzler jüngst bei einer Abendveranstaltung in Berlin als Geschenk überreicht. Seibel ist Chef des bayerischen Drohnenhersteller Quantum Systems und gleichzeitig Startup-Beauftragter beim Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI). Er will das Lied gleichzeitig als musikalischen Protest gegen ausbleibende Reformen und als groovende Motivation für die Berliner Politik verstanden wissen.
Topmanager teilen Song „Imagine a Moonshot“
Bei Größen der deutschen Wirtschaft kommen der Song und seine Botschaft gut an. Der langjährige Siemens-Chef und heutige Multi-Aufsichtsrat Joe Kaeser zum Beispiel hat ihn auf seinem LinkedIn-Profil geteilt. Doch was meint Initiator Florian Seibel mit dem Titel „Imagine a Moonshot“, was sich mehr oder weniger mit „Stell Dir einen großen Wurf vor“ übersetzen lässt? Der Manager verweist auf seine eigene Erfahrung bei der Gründung und beim Aufbau eines Unternehmens gegen viele Widerstände. Startups seien es gewohnt, auch Durststrecken zu überstehen, weil ihre Gründer davon überzeugt seien, es lohne sich.
Bundeswehr hängt an alten Zöpfen
Doch nicht nur vom Kanzler wünscht sich Seibel mehr Mut, wenn es darum geht, alte Zöpfe abzuschneiden und entschlossen auf eine sich schnell verändernde Welt zu reagieren. Der Chef von Quantum Systems kritisiert auch die Bundeswehr. Sie habe in den kommenden Jahren so viel Geld zur Verfügung wie noch nie in ihrer Geschichte. Doch das meiste davon wollen Verteidigungsminister Pistorius und die Beschaffungsbehörden nicht in Innovationen stecken, sondern in Militärgerät der alten Schule: Panzer, Fregatten, Kampfjets. Auch aus dem Haushaltsausschuss des Bundestages gab es schon Kritik an der Verwendung der Gelder. Tenor: Zum Teil rüste die Bundeswehr am eigentlichen Bedarf vorbei und wolle überholte Technologien bestellen.
Drohnen spielen bei der Beschaffung nur eine Nebenrolle
Nur ein Bruchteil der riesigen Budgets ist dagegen für unbemannte Systeme wie Drohnen verplant. Ein Unding, und eine Verschwendung von Steuermilliarden, sagt Seibel. Dabei zeige der Blick auf den Drohnenkrieg in der Ukraine, was eine Armee künftig wirklich brauche. Aus der Realität aktueller Konflikte habe die deutsche Verteidigungspolitik bisher nicht die richtigen Schlüsse gezogen. So verstehe man in der Ukraine nicht, dass Deutschland Milliarden für schweres Gerät ausgebe, das irgendwann im nächsten Jahrzehnt geliefert werde und „dann mit dem Begriff Alteisen ganz gut bezeichnet“ wäre.
Großes Interesse aus arabischen Ländern
Während Deutschland hier noch eher zögere, seien andere Länder weiter. So gebe es aus der arabischen Golfregion großes Interesse an Technologien rund um Drohnen und deren Abwehr, sagt Seibel. In der Vergangenheit hatten die Golfstaaten Milliarden für Hightech-Waffen – vor allem aus den USA – ausgegeben. Der Iran habe aber gezeigt, wie man mit vergleichsweise billigem Gerät die teuer beschafften Flugabwehrsysteme aushebeln könne. Nun suchen Länder wie Saudi-Arabien, Katar oder die Vereinigten Arabischen Emirate nach neuen Lieferanten, die kostengünstige Verteidigungslösungen anbieten können.
Quantum Systems auf der ILA mit Flugzeug-Premiere
Auf diesen Markt zielt Florian Seibel mit seinem neuesten Projekt, mit dem der Drohnenspezialist zum Flugzeugbauer werden will. Auf der anstehenden Luft- und Raumfahrtmesse ILA in Berlin (externer Link) will Quantum Systems eine Maschine von der Dimension eines größeren Sportflugzeuges vorstellen. Der Flieger mit dem Namen P19 Pulse soll sowohl bemannt als auch unbemannt fliegen, große Gebiete überwachen und vor Drohnenangriffen schützen können. Erstflug ist für den Sommer des kommenden Jahres geplant. Bauen will Seibel die P19 Pulse in Oberpfaffenhofen. Dort hat er zwei Hangars aus der Insolvenzmasse des gescheiterten Flugtaxi-Entwicklers Lilium angemietet.

