Mit der Kochschürze gegen Darmkrebs? Das ist das Ziel von Medizinstudentinnen der Technischen Universität München (TUM): Ihr Projekt „Science Snack: Darmkrebsprävention für junge Menschen“ (externer Link) soll junge Menschen erreichen.
Die Idee sei bei einem Seminar zu Wissenschaftskommunikation entstanden, erklärt Anna Fuhrmann. Sie studiert im Master an der TUM molekulare Biotechnologie: „Wir wollen über Symptome und Darmkrebsvorsorge aufklären und das in einem entspannten Kochevent, bei dem es auch um Fermentation und die Vorteile vegetarischer Ernährung für die Darmgesundheit geht“, erklärt sie.
Darmkrebs-Prävention ist für junge Menschen sinnvoll
Die Betroffenenzahl bei jungen Erwachsenen steigt – besonders in den USA, aber auch in anderen Industrienationen. Deshalb sind eine bessere Prävention und Aufklärung dieser Zielgruppe wichtig. Von jährlich rund 56.000 neuen Darmkrebsfällen entfallen in Deutschland etwa fünf Prozent auf Jüngere.
Aufgrund der Ergebnisse einer aktuellen Studie empfiehlt das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) auch jungen Erwachsenen, bei Symptomen zeitnah ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Vorrangig sei dabei, Risikogruppen – etwa Menschen mit familiärer Vorbelastung – konsequent zu identifizieren und ihnen gezielt Vorsorgeuntersuchungen anzubieten.
Fünf Tipps senken das Darmkrebsrisiko
– Übergewicht und Bauchfett reduzieren
– Regelmäßige Bewegung
– Ballaststoffreiche Ernährung: viel Gemüse, Vollkorn, Hülsenfrüchte
– Wenig verarbeitetes und rotes Fleisch
– wenig Alkohol, nicht rauchen
Übergewicht begünstigt frühen Darmkrebs
Studien zeigen, dass Übergewicht und Adipositas in der Jugend oder im frühen Erwachsenenalter das Risiko für frühzeitigen Dickdarmkrebs erhöhen. Verschiedene Ursachen werden in diesem Zusammenhang erforscht, beispielsweise gelten chronische Entzündungen im Darm, veränderte Blutwerte und hormonelle Veränderungen als mögliche Risikofaktoren. Dazu kommt: Der Ernährungsstil beeinflusst auch das Mikrobiom, also die Zusammensetzung der Darmbakterien.
„Wenige wissen, dass Vorsorge durch die Ernährung möglich ist“, erklärt Ernährungswissenschaftler Dirk Haller, der an der TUM beispielsweise zu Morbus Crohn forscht. Haller betont, die Mikrobiom‑Forschung ermögliche zwar bislang keine individuellen Nahrungsmittel-Empfehlungen, aber 2025 konnte seine Forschungsgruppe zeigen (externer Link), dass dauerhafter Stress zur permanenten Aktivierung eines Schutzproteins in den Darmzellen führt. Das verändert den Fettstoffwechsel und die Zusammensetzung der Darmbakterien negativ und ein typisches „Tumor-Mikrobiom“ entsteht, das die Entwicklung von Darmkrebs begünstigen kann.
Vier zentrale Warnzeichen für Dickdarmkrebs
– Blut im Stuhl (sichtbar oder im Test)
– Längere Veränderungen der Stuhlgewohnheiten
– Ungeklärter Gewichtsverlust und Leistungsabfall
– langanhaltende Bauchschmerzen oder Blähungen
Ein erhöhtes Risiko für Darmkrebs besteht bei jungen Menschen mit Krankheitsfällen bei Verwandten 1. Grades, bei erblicher Belastung und bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Betroffene sollten frühzeitig eine ärztliche gastroenterologische Beratung suchen.
Fermentation statt Fast Food: sinnvoll im Alltag
Beim „Science-Snack“ Kochabend halten die Studierenden kurze Vorträge über das Darmmikrobiom und klären über die aktuelle Forschung und internationale Studienergebnisse auf. Auch die möglichen Symptome und Vorsorgeuntersuchungen sind ein Thema.
An Fermentationsstationen lernen die Gäste, wie sie Wasserkefir, ein Glas mit Gemüse oder auch Obst ansetzen können. „Mit Salz ziehen wir erst Wasser aus der Melone und Milchsäurebakterien sorgen dann für die Fermentation“, sagt Anna Fuhrmann. Nach ein paar Tagen ist das Glas bei Raumtemperatur fertig. Fermentierte Radieschen leuchten pink.
Fermentation und exotische Lebensmittel wie Kochbananen sind ein Trend auf Social Media. Der Höhepunkt des Abends mit einem mehrgängigen vegetarischen Menü soll Lust machen, auch im Alltag auf eine pflanzenbasierte Kost zu achten, 30 Gramm Ballaststoffe täglich sind empfohlen. Anders als bei einzelnen Superfoods, sind die Vorteile dieser Ernährungsweise für die Darmgesundheit wissenschaftlich belegt. Eine Teilnehmerin fasst zusammen: „Wir stellen den ungewünschten Mikroorganismen im Darm durch diese Nahrungsmittel gewisse Hürden, und fördern die guten Darmbakterien.“
Teilnahmemöglichkeit am preisgekrönten Projekt
Das innovative Konzept „Science-Snack“ wurde beim Hochschulwettbewerb 2026 als eines von zehn Studentenprojekten ausgezeichnet. Beim mobilen Kochstand auf dem Universitätsgelände oder bei Straßenfesten können alle Interessierten vorbeikommen und einen gesunden Snack probieren. Für die Teilnahme an einem kostenfreien Kochabend in der Studienküche am TUM Campus in München können sich Interessierte auf der Website der TUM und auf dem Instagram-Kanal der TUM Studentinnen anmelden. Hier gibt es auch zahlreiche Rezepte und Informationen zur Darmgesundheit.

