Ein Waldstück im Landkreis Roth – brütende Hitze. Früher standen hier nur Kiefern. Denen kann man regelrecht dabei zuschauen, wie sie leiden, jetzt, wo die Temperaturen Tag für Tag über 30 Grad klettern. „Wenn man in die Kronen schaut, sieht man rote Nadeln“, erklärt Ralf Straußberger vom Bund Naturschutz: „Da kann man schon jetzt prognostizieren, der Baum wird in ein, zwei Jahren gestorben sein.“ Und das gehe so weiter. „Wir stehen ja leider eher am Anfang einer Klimakrise“, so Straußberger. Die Privatwaldbesitzer in der Gegend waren weitsichtig – und pflanzten schon vor 15 Jahren Buchen. Die kommen jetzt von unten nach und halten die Hitze besser aus.
Schneller mehr Laubbäume statt Fichten-Monokulturen
Ein solcher Waldumbau sei lebenswichtig, sagt der Naturschützer, aber er komme in Bayern nicht schnell genug voran. Die EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur macht hier Druck: Sie schreibt vor, auf immer mehr Fläche zu naturnäheren Mischwäldern zurückzukehren. Analog gilt das auch für andere Naturräume, wie Gewässer oder Moore. Bis 2030 müssen bei zumindest 20 Prozent der Ökosysteme, die in schlechtem Zustand sind, Renaturierungsmaßnahmen ergriffen werden. Das entsprechende Gesetz wurde vor zwei Jahren mit knappen Mehrheiten in EU-Parlament und Rat verabschiedet.
CSU will Renaturierungsverordnung kippen
Die CSU hatte in Brüssel nicht dafür gestimmt, und sie hält auch weiter wenig von dem EU-Gesetz. Die Staatsregierung hat sich dagegen positioniert, und auch die CSU-Landtagsfraktion fordert per Dringlichkeitsantrag, die EU-Wiederherstellungsverordnung zu kippen. Diese setze einen unrealistischen Zeitrahmen. Für Landwirte, Kommunen und Verwaltungen bedeute die Verordnung vor allem überbordende Bürokratie.
Waldbesitzer wollen mehr Spielraum
Auch der Bauernverband und der Bayerische Waldbesitzerverband wollen die Umsetzung der Wiederherstellungsverordnung stoppen. Der Präsident des Waldbesitzerverbands, Bernhard Breitsameter, äußert im Gespräch mit BR24 konkrete Befürchtungen: Die strengeren Regeln zur Renaturierung ließen den Waldbesitzern zu wenig Spielraum. Sie wolle einen früheren Zustand wiederherstellen, der in Zeiten des Klimawandels womöglich gar nicht mehr nachhaltig sei.
Ein Zurück zu Buchenwäldern etwa sei riskant: „Wir wissen, dass die Buche mit dem Klimawandel mittlerweile ebenfalls große Probleme hat.“ Um auf den Klimawandel zu reagieren, müsse man auch Baumarten pflanzen, die früher nicht in Bayern heimisch waren.
Außerdem bestrafe ein Zwang, die Öko-Qualität der Wälder immer weiter zu verbessern, gerade die Waldbauern, die sich schon in der Vergangenheit bemüht hätten – und jetzt noch mehr tun müssten, so Breitsameter: „Die grundsätzlichen Ziele der Wiederherstellungsverordnung zweifeln wir überhaupt nicht an. Aber der Weg dorthin mit dem nationalen Wiederherstellungsplan ist der falsche. Deswegen ist unsere Aufforderung, diesen nationalen Wiederherstellungsplan zu stoppen.“
Deutschland kann bei Umsetzung viel selbst bestimmen
Dieser nationale Plan wird nicht in Brüssel, sondern in Berlin gemacht, von der schwarz-roten Koalition im Bund. An der die CSU ja beteiligt ist. Der Bund Naturschutz appelliert an CSU und Agrarverbände, bei dieser nationalen Umsetzung konstruktiv mitzuarbeiten. Die EU-Verordnung gebe die großen Ziele vor, lasse aber ansonsten viele Freiheiten.
Ein Knackpunkt ist die Finanzierung. Mehr Laubbäume zu pflanzen und Moore oder Flüsse zu renaturieren kostet Geld. Woher das kommen soll, ist bisher ungeklärt. Die Naturschützer sehen darin ein Druckmittel gegenüber allen politischen Ebenen, ausreichend Geld für Renaturierungspläne zur Verfügung zu stellen. Die Regierungspolitiker in Bund und Land dagegen kämpfen mit leeren Kassen.
Bis zum 1. September haben die EU-Mitgliedstaaten noch Zeit, erste Entwürfe für ihre nationalen Pläne zur Umsetzung der Verordnung an die EU zu übermitteln. Im Juni 2027 muss Deutschland seinen nationalen Wiederherstellungsplan dann spätestens verabschieden.

