Was zur Banane ist an Minions faszinierend? Sind das nicht eigentlich nur tollpatschige Wesen in Latzhosen, die eine Fantasiesprache sprechen und Fünfjährige mit Slapstick-Humor ins Kino locken sollen?
Tatsächlich kann das popkulturelle Produkt aus der Feder des Disney-Konkurrenten Illumination Studios mehr. In den vergangenen Jahren hat sich rund um die Minions ein gewaltiges Rabbit Hole gebildet, ein eigenes kleines Theorie-Universium im Netz. Auch Erwachsene lieben es, im Internet über die Minions zu philosophieren.
Wie genial ist Minionesisch?
So besagt eine beliebte Internet-Theorie, dass Minions gar nicht so infantil sind, sondern in Wahrheit Genies. Sie spielen nur die Blöden, um irgendwann die Weltherrschaft an sich zu reißen.
Ebenfalls debattiert wird, ob die fiktive Sprache der Minions, das Minionesisch, ein Weg sein könnte, kulturelle Unterschiede zu überwinden. Ein antirassistisches Statement, das auf Universalismus statt Spaltung setzt. Wenn die Minions reden, treffen Italienisch, Spanisch, Deutsch, Indisch und popkulturelle Bezüge aufeinander. Aber jeder versteht das, egal, woher er kommt.
Die Minions könnten also, der Theorie nach, gelebte Globalisierung sein. Das, was hätte sein können, hätte Gott nach dem Turmbau zu Babel nicht verschiedene Sprachen entwickelt, um den Hochmut der Menschheit zu bestrafen.
Verschwörungserzählung verbindet Minions mit Nazis
Und um Minions gibt es auch absurde Verschwörungserzählungen. Dass beispielsweise die Idee „Minions“ durch ein schreckliches Experiment der Nationalsozialisten inspiriert wurde. Im Jahre 1944, so die Theorie, hätten die Nazis jüdischen Kindern Metallhelme mit einem Bullauge auf den Kopf gesetzt, um sie zu versklaven. Vermeintliche Fotos sollen das beweisen. Diese Helme hätten auch das Wachstum der Kinder gehemmt und sie tatsächlich zu einer Art Minion gemacht.
Aber für diese Theorie gibt es keine Beweise: Und das Foto, auf das sich die Verschwörungstheorien beziehen, zeigt laut der Nachrichtenagentur Reuters eigentlich nur eine alte Taucher-Ausrüstung, keine jüdischen Kinder.
Minions: Helden der Arbeiterklasse?
Auch politisch wird im Netz über Minions gestritten. Seit vielen Jahren tobt eine linke Debatte, ob Minions Helden der Arbeiterklasse oder doch nur obrigkeitshörig sind. Befeuert hat sie der beliebte Filmkritiker Wolfgang M. Schmitt im Format „Die Filmanalyse“ auf YouTube: „Die Minions sind Repräsentanten der Arbeiterklasse“, sagt Schmitt.
Denn: Oft stehen in Hollywood-Filmen ja die Individuen im Vordergrund, die eine Heldenreise erleben. Bei den Minions ist das anders. Allein kommen sie nicht weit, ohne Gemeinschaft geht es nicht. Eine Seltenheit im Kino.
Minions als perfekte Arbeiter – aber gefährlich für ihre Chefs
Das Problem ist nur: Gleichzeitig vermitteln die Filme auch, dass der einzige Zweck der Minions seit Anbeginn der Geschichte darin besteht, einen Superschurken zu finden, dem sie dann uneingeschränkt zu Diensten stehen. Die Arbeiterklasse muss sich also einem mächtigen Vorgesetzten unterwerfen, sonst kann und darf sie in diesen Filmen nicht existieren – sagt Schmitt. Sein Fazit: „Die Minions sind Arbeiter, die sich so jeder ordentliche Kapitalist wünschen kann.“
Zur Verteidigung der Minions ist jedoch zu sagen, dass die Minions ihre Vorgesetzten – wenn auch unfreiwillig – eigentlich doch immer in den Untergang stürzen. Der fiese Big Boss, der die Minions nur zu seinen Zwecken missbrauchen will, ist auch im neuen Kinofilm „Minions & Monster“ wieder der, der als erstes dran glaubt.

