Roya und Conor besuchen die 11. Klasse des Wilhelm-Hausenstein-Gymnasiums in München. Heute sind sie nicht als Schüler, sondern als „Medienscouts“ unterwegs, also als eine Art Digital-Experten. Sie geben jüngeren Mitschülerinnen und Mitschülern hilfreichen Input zu Social Media, Digital Detox und Fake-Fotos. Und sie erklären, wie Künstliche Intelligenz (KI) funktioniert und wie sie trainiert wird.
Dazu haben sie sich ausbilden lassen und geben regelmäßig in Unterrichtsstunden ihr Wissen weiter. Außerdem sind sie auch Ansprechpartner, wenn etwas im Klassenchat schief läuft und Vorfälle aufgearbeitet werden müssen.
Schüler als Medienscouts: Wie werden sie ausgebildet?
Roya und Conor haben über einen Wahlkurs an ihrer Schule eine Ausbildung zu Medienscouts bekommen. Ziel ist, dass sie vor allem jüngeren Schülerinnen und Schüler bei medienbezogenen Themen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Wer Medienscout sein will, muss bereit sein, Zeit zu investieren. Im Schuljahr 2023/24 begann ihre Ausbildung mit einem Workshop-Tag im Pädagogischen Institut München.
Zweimal in der Woche werden nachmittags feste Termine für die Medienscouts angeboten, um sich weiter zu schulen und die Besuche in den unteren Klassen vorzubereiten. Dabei werden sie von einem Lehrerteam begleitet.
Ist ein Bild echt oder ein Fake?
Seit drei Jahren beschäftigen sich Roya und Conor mit dem Thema Medienerziehung. Die beiden wissen nur zu gut, dass die KI schwer zu durchschauen ist. Heute geht es um Bilder im Netz und die Frage: Sind diese Bilder echt, oder ein Fake? Und bei manchen Fotos müssen selbst die Profis genau hinschauen: „Bei manchen dieser Fotos weiß ich auch nicht, ob ich den Unterschied direkt erkennen könnte. Man muss da schon echt aufpassen“, sagt Roya.
Seit drei Jahren sind im Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium regelmäßig Medienscouts im Einsatz, Roya und Conor sind von Anfang an dabei. Um die 30 sind es insgesamt.
Zunächst geben die beiden eine Einführung zur KI, erklären, wie sie funktioniert. Und dann gibt es ein paar Tipps, um Wahres von Falschem zu unterscheiden. Das Wichtigste: Wie erkenne ich, ob ein Foto echt ist oder nicht? Ein Merkmal, das ganz offensichtlich ist: „Wenn man in ein Bild reinzoomt und die Finger sind ineinander verschwommen, dann merkt man schnell, dass es KI ist“, erklärt Roya. Ein weiteres Indiz für Fake: „Wenn bei Personen die Haut superglatt ist, kein Pickel zu sehen ist, und die Zähne perfekt sind, dann ist es auch KI oder mit KI bearbeitet.“
Hausaufgaben mit KI lösen
Die Schule verspricht sich mehr Augenhöhe, wenn nicht Lehrkräfte, sondern Schülerinnen und Schüler über Themen wie KI oder Social Media sprechen. Denn gerade für Kinder und Jugendliche sei die KI attraktiv, sagt Dorothe Diezmann, Lehrerin und Medienbeauftragte: „Hausaufgaben sind auch ein ganz beliebtes Anwendungsfeld von KI. Letztendlich kann man es auch nicht immer erkennen, aber immerhin oft.“ Beispielsweise wenn Texte in einer Fremdsprache Wörter enthielten, die nicht zum Sprachniveau der Jahrgangsstufe passten. Dann falle es auf, sagt Diezmann. Problematisch sei es natürlich auch, dass in Leistungsnachweisen solche Hilfsmittel nicht erlaubt seien.
Sensibel werden für Künstliche Intelligenz
Eine Schulstunde lang geht es für die Sechstklässler um KI und Fake Bilder. „Ich habe heute gelernt, wie man mit KI umgeht und wie man KI-generierte Bilder auch erkennt,“ sagt Schülerin Dorothea. Schüler Max hat mitgenommen, dass es leicht sei, ein KI Bild zu erstellen und das es auch ziemlich gefährlich sein könne.
Auch die beiden Medienscouts sind zufrieden. Ihr Ziel, den Jüngeren zu zeigen, dass KI-Bilder jeder machen könne, und dass es schwer sei, diese zu erkennen, hätten sie erreicht. Und auch, dass im Internet nicht jedes Bild echt sei. Und trotzdem: Orientierung geben in einer sich rasant entwickelnden digitalen Welt, das bleibt für alle eine Herausforderung, auch für die Medienscouts.

