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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Kulturförderung: Ausgabe oder Investition?
Kultur

Kulturförderung: Ausgabe oder Investition?

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 21. Juli 2026 16:46
Von Uta Schröder
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4 min. Lesezeit
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Kultur kostet Geld. Und sobald Kommunen sparen müssen, gerät sie schnell unter Druck. Theater, Museen oder Konzerthäuser gehören zu den sogenannten freiwilligen Leistungen – anders als Schulen, Kitas oder Straßen. Trotzdem werben Forschende und Kulturschaffende immer wieder dafür, Kultur nicht nur als Ausgabeposten zu sehen.

Inhaltsübersicht
Wie Kultur Geld in die Stadt bringtRegensburg: 1,60 Euro pro investiertem EuroWarum Berlin auf deutlich höhere Werte kommtDer Wert der Kultur passt nicht in eine Bilanz

Und eine neue Studie des Instituts für Kulturelle Teilhabeforschung aus Berlin unterstützt diese Einschätzung. Sie kommt zu einem überraschend klaren Ergebnis: Jeder Euro öffentlicher Kulturförderung soll mehr als 3,50 Euro wirtschaftliche Rückflüsse auslösen. Kultur ist demnach nicht nur ein Kostenfaktor, sondern kann auch ein wirtschaftlicher Motor sein. Doch was steckt hinter solchen Berechnungen? Und lässt sich daraus ableiten, dass Kulturförderung eine gute Investition ist?

Wie Kultur Geld in die Stadt bringt

Wer einen Theaterabend plant, kauft oft mehr als nur ein Ticket. Vor der Vorstellung gibt es vielleicht ein Getränk, danach einen Restaurantbesuch. Gäste von außerhalb buchen manchmal sogar eine Übernachtung. Genau diese Ausgaben fließen in die Berechnungen zur sogenannten Umwegrentabilität ein.

Der Wirtschaftswissenschaftler Manfred Schwaiger von der Ludwig-Maximilians-Universität München hat untersucht, welche wirtschaftlichen Effekte das Theater Regensburg auslöst. Dabei werden nicht nur die Einnahmen und Ausgaben des Theaters berücksichtigt, sondern auch die Ausgaben der Besucher für Hotels, Gastronomie oder Verkehr sowie Steuerzahlungen, die daraus entstehen. Die Idee dahinter: Kultur erzeugt wirtschaftliche Aktivitäten, die weit über die Kultureinrichtung selbst hinausreichen.

Regensburg: 1,60 Euro pro investiertem Euro

Für das Theater Regensburg hat Schwaiger die Spielzeit 2023/24 ausgewertet. Die Besucher ließen laut Studie zusätzlich zum Ticketkauf Geld in der Stadt. Wer aus Regensburg kam, gab im Durchschnitt rund 45 Euro aus, auswärtige Gäste sogar bis zu 177 Euro.

Das Ergebnis: Für jeden Euro, den die öffentliche Hand in das Theater investiert, entstehen wirtschaftliche Effekte von rund 1,60 Euro. Insgesamt summieren sich die zusätzlichen Umsätze laut Studie auf mindestens 25 Millionen Euro pro Jahr.

Solche Analysen basieren teilweise auf harten Finanzdaten, teilweise auf Befragungen und statistischen Schätzungen. Deshalb seien die Ergebnisse belastbar, aber nicht auf den Cent genau, sagt Schwaiger. Für Regensburg liege die statistische Unsicherheit bei etwa 14 Cent pro Euro.

Warum Berlin auf deutlich höhere Werte kommt

Dass die Berliner Studie auf mehr als 3,50 Euro Rückfluss pro Förder-Euro kommt, hat vor allem mit der Größe und Anziehungskraft der Hauptstadt zu tun. Kultur zieht dort viele Touristen an. Laut Studie entstehen rund 63 Prozent der wirtschaftlichen Effekte durch die Ausgaben des Publikums.

Die wirtschaftliche Bedeutung großer Kulturereignisse überrascht kaum. Interessanter ist die Frage, ob ähnliche Effekte auch kleinere Bühnen, Museen oder Kulturzentren erzielen. Genau hier setzt die Berliner Studie an: Sie argumentiert, dass nicht nur Leuchtturmprojekte, sondern das alltägliche Kulturangebot zur Attraktivität einer Stadt beiträgt.

Der Wert der Kultur passt nicht in eine Bilanz

So nützlich ökonomische Zahlen in politischen Debatten sein mögen – sie erzählen nur einen Teil der Geschichte. Schwaiger warnt davor, Kultur allein auf ihre wirtschaftliche Rendite zu reduzieren. Lebenszufriedenheit, Kreativität oder gesellschaftlicher Zusammenhalt ließen sich kaum beziffern.

Ähnlich sieht es Kristina Hammer. „Zahlen öffnen Türen, aber der eigentliche Wert der Kunst lässt sich nicht in Euro messen“, sagt die Präsidentin der Salzburger Festspiele. Wirtschaftliche Effekte seien ein wichtiges Argument für Kulturförderung. Den Wert von Kunst könnten sie aber nie vollständig erfassen.

Die Zahlen aus Berlin oder Regensburg mögen unterschiedlich ausfallen. Ihre Botschaft ist dennoch ähnlich: Kulturförderung ist mehr als ein Zuschuss. Wie viel sie wirtschaftlich zurückbringt, lässt sich berechnen. Warum Kultur für eine Gesellschaft wichtig ist, dagegen nur begrenzt. Genau dort beginnt der Teil, den keine Bilanz erfassen kann.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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