Ein Planet im Ausnahmezustand
Die Auswirkungen betreffen den halben Globus. Matei skizziert: Sturzfluten entlang des Yangtse in China, Dürren in Südostasien mit eskalierenden Waldbränden, Überschwemmungen an der normalerweise trockenen Pazifikküste Südamerikas, ein geschwächter Sommermonsun in Indien. „Wir haben nicht nur Dürre, wir haben auch starke Regenfälle, richtige Sturzfluten“, sagt Matei. Dazu eine Rekordhäufigkeit von Supertaifunen über Südostasien, wie sie bereits beim Super-El-Niño 2015/16 zu beobachten war. Klimaforscher Mojib Latif ergänzt: Auch Europa ist nicht außen vor: Wenn Ernten weltweit ausfallen, steigen die Preise überall.
Fink mahnt zur Nüchternheit über den Unterschied zwischen Wissen und Handeln: „Es lässt sich einiges an Schäden und Menschenleben verhindern durch vorausschauende Aktionen, aber keineswegs alles.“ Das Beispiel Ahrtal zeigt, wie eine gute Wettervorhersage trotzdem in einer Katastrophe enden kann, wenn die Warnkette versagt. Dass Regierungen wissenschaftlich informierte Entscheidungen tatsächlich träfen, sei „ganz schwierig von unserer Seite zu beeinflussen“.
Bald blind in den El Niño?
1877 wussten die Menschen nicht, was kommt. Heute wissen wir es dank mehr als 4.000 Messinstrumenten im Pazifik, die seit den 1990ern Echtzeitdaten liefern. Das Frühwarnsystem funktioniert. Aber es steht unter Druck.
Latif schlägt Alarm: Die USA finanzieren einen Großteil der Messbojen im tropischen Pazifik, also jene Instrumente, die El-Niño-Vorboten in 100 bis 300 Meter Tiefe erfassen. Trumps Kürzungen im Bereich Klimaforschung bedrohen genau dieses System. „Wenn diese Messbojen nicht mehr da sind, haben wir wirklich ein massives Problem. Das würde letzten Endes Millionen, vielleicht sogar Milliarden von Menschen betreffen.“
Matei fügt einen Warnhinweis hinzu: Die Wahrscheinlichkeit eines sehr kalten Winters ab Januar sei durch den aktuellen El Niño deutlich erhöht. „Wir sollten unsere Gasspeicher im Blick behalten und uns nicht überraschen lassen.“

