Es sollte ein sicherer Ort für Missbrauchsbetroffene sein: BeNe – das Betroffenennetzwerk der evangelischen Kirche. Eine Online-Plattform zum Austausch und zur Vernetzung. Doch die Webseite ist Opfer eines Hackingangriffs geworden, bei dem vermutlich Daten geklaut wurden. Missbrauchsbetroffene üben nun Kritik an der evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).
Betroffene nach Angriff entsetzt
Betroffene von Missbrauch in der evangelischen Kirche befürchten nun, dass hochsensible Daten wie Passwörter, E-Mail-Adressen und Inhalte aus privaten Chats gestohlen wurden. Möglicherweise mit dem Ziel „um Betroffene sexualisierter Gewalt zu erpressen“, befürchtet die Betroffeneninitiative „Vertuschung beenden“.
Auch Betroffene wie Detlev Zander, der dem Beteiligungsforum sexualisierte Gewalt der Evangelischen Kirche in Deutschland angehört, haben daher von der Kirche eine umfassende und transparente Aufklärung gefordert. „Dieser Vorfall ist für viele Betroffene nicht einfach nur ein technisches Problem“, sagt Zander. „Es geht um ihre intimsten Erfahrungen, um persönliche Nachrichten und um Gespräche, die im Vertrauen auf einen geschützten Raum geführt wurden.“ Für Menschen, deren Grenzen und Vertrauen bereits schwer verletzt worden seien, bedeute der Vorfall einen erneuten Kontrollverlust.
Mutmaßlicher Datendiebstahl erfolgte wohl durch Bot
Die technische Prüfung des Vorfalls sei inzwischen abgeschlossen, teilte die EKD mit. Grund für das Datenleck war eine Sicherheitslücke im Content-Management-System WordPress. Es ist ein weltweit beliebtes Programm zur Erstellung und Verwaltung von Internetseiten, Blogs und Onlineshops.
Mutmaßlich verschaffte sich ein Bot Zugriff auf die Daten der Plattform. Die EKD geht darum davon aus, dass es sich nicht um einen gezielten Angriff auf „BeNe“ handelte. Auch wenn die Sicherheitslücke mittlerweile geschlossen sei, bleibt die Plattform bis auf Weiteres offline. Die EKD hat eigenen Angaben zufolge inzwischen Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt.
Chaos Computer Club: Angriff „sehr kritisch“
Der Chaos Computer Club (CCC) wertet den Angriff auf die Vernetzungsplattform für Missbrauchsbetroffene als „sehr kritisch“. Die Angst der Betroffenen, dass Inhalte in falsche Hände geraten könnten, sei berechtigt. Auf einer vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) veröffentlichten Skala schwerwiegender Sicherheitslücken von 1 bis 10 erreiche der Sicherheitsvorfall auf der „BeNe“-Plattform einen Wert von 9,8, so Jochim Selzer vom CCC.
Auch wenn „die Daten in verschlüsselter Form abgeflossen“ seien, wie die EKD vermeldet, könne nicht garantiert werden, dass sie nicht doch ausgelesen werden, schätzt Jochim Selzer. Bei einem schwachen Passwort bestehe „die Möglichkeit, einen sogenannten Wörterbuchangriff zu fahren“: Angreifer seien dann in der Lage, Passwörter zu raten. Vermutlich sei mit dieser Methode der Zugriff auf die Administratorenpasswörter und damit der Angriff überhaupt möglich gewesen.

