Künstlernachlässe werden oft als Privatsache angesehen. Dabei sind Kunstwerke Zeugnisse ihrer Zeit und damit Kulturgut von gesellschaftlichem Wert. Im Fall von Helmut Sturm geht es dabei nicht nur um fertige Gemälde. Hinzu kommen tausende Skizzen und kistenweise Inspirationsmaterial: Fotos, Zeitungsausschnitte und Fundstücke. Dazu Briefe und Notizen, die Hinweise auf die Hintergründe einzelner Bilder liefern können. „Das Besondere an einem Künstlernachlass ist für mich, dass er die Werke, die man aus dem Museum kennt, zusammenbringt mit dem Menschen, mit dem Künstler als Persönlichkeit und der Entstehungsgeschichte der Kunstwerke“, sagt Katharina Sturm. „Der Nachlass beinhaltet einfach das Gesamte.“
Privatsache? Kulturgut!
Helmut Sturm selbst hat nie darüber gesprochen, was nach seinem Tod mit seinen Arbeiten geschehen soll. Ihm ging es ums Malen, manchmal signierte er seine Bilder nicht einmal. Nun muss seine Familie sichten, sortieren und dokumentieren – und immer wieder entscheiden, was bewahrt werden muss.
Im Fall von Sturm ist diese Arbeit besonders aufwändig, weil der Künstler sein Atelier in einer ganz eigenen „Ordnung“ hinterlassen hat: Außenstehende würden von „kreativem Chaos“ sprechen. „Für meinen Vater war das die Ordnung, die er gebraucht hat, oder auch die Inspiration, die er gebraucht hat, wenn er im Dialog mit seinen Bildern gearbeitet hat“, sagt Katharina Sturm. „Für jemanden, der sich später mit dem Nachlass beschäftigen muss, ist das natürlich eine ganz schöne Herausforderung.“
Kreatives Chaos mit Überraschungen
Immer wieder stößt sie beim Sichten auf Überraschungen: Einmal hat sie eine bedeutende Zeichnung zwischen verstaubten Papierstapeln im Keller gefunden, ein anderes Mal ein Skizzenbuch: „Da hat mein Vater mit der Hand auf das Etikett geschrieben: ‚Schlamperei – in unseren Zeiten oft die letzte Zuflucht der Menschlichkeit.‘ Als ich das gesehen habe, musste ich laut loslachen“, erinnert sie sich. „Das passt einfach so gut, wie ich hier mitten in diesem ganzen Chaos sitze und versuche Ordnung zu schaffen und dann sehe ich das.“
Sie wünscht sich, dass das Werk ihres Vaters eines Tages dauerhaft öffentlich zugänglich wird – fehlt nur noch ein Sponsor! Bis dahin sucht sie Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker, die sich wissenschaftlich mit dem Werk ihres Vaters beschäftigen wollen. Denn Helmut Sturms Nachlass ist ein Schatz, der noch gehoben werden muss.

