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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Groß, gut ernährt, erfolgreich: Die Bajuwaren von Berglern
Kultur

Groß, gut ernährt, erfolgreich: Die Bajuwaren von Berglern

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 3. August 2026 16:47
Von Uta Schröder
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4 min. Lesezeit
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Die Gemeinde Berglern wollte eigentlich nur ein neues Baugebiet ausweisen. Doch dann entdeckten Archäologen auf der Fläche die Sensation: Vor über 1.400 Jahren lebten hier bereits die Bajuwaren, aus denen die heutigen Bayern hervorgegangen sind.

Inhaltsübersicht
Exporte von Stoffen und Schwertern70 Gräber entdecktBayern mit strategischer BedeutungGemeinde muss Ausgrabung bezahlen

Eine kleine Stadt, mit Häusern, Werkstätten, Straßen und einem Friedhof. Genau das sei das Besondere an den Funden von Berglern, erklärt Jochen Haberstroh vom Landesamt für Denkmalpflege: „In den meisten Fällen hat man entweder Gräber oder Siedlungsbefunde. Dass das zusammentrifft, ist nicht häufig.“

Exporte von Stoffen und Schwertern

Bei den Ausgrabungen wurden unter anderem Schlackeklumpen gefunden – Reste, die bei der Eisenverarbeitung entstehen. Sie deuten darauf hin, dass in Berglern Schwerter geschmiedet wurden. In anderen Häusern standen Webstühle. Die Stoffe und Schwerter wurden damals offenbar für den Export hergestellt. „Es ist mehr produziert worden, als hier verbraucht wurde. Davon kann man ausgehen“, sagt Haberstroh. „Es gibt natürlich schon Handel in der Zeit, sowohl mit Textilien, aber auch mit Eisenprodukten.“

70 Gräber entdeckt

Heute ist Berglern mit seinen vier Ortsteilen eine kleine Gemeinde mit knapp 3.000 Einwohnern. Vor 1.400 Jahren war hier eine weitaus größere Ansiedlung zu finden. Der Kiesboden auf der Schotterebene um Berglern sorgte dafür, dass die Skelette der Verstorbenen aus dem 7. Jahrhundert noch gut erhalten sind. 70 Gräber wurden bisher entdeckt.

Die frühen Bajuwaren waren offenbar bereits Christen – sie seien mit Blick nach Osten bestattet worden, erklärt Grabungsleiterin Tabea Rechel vor einem gerade freigelegten Skelett: „Was wir bis jetzt sagen können, ist, dass es sich wahrscheinlich um eine weibliche Bestattung handelt. An Beigaben sehen wir hier eine Gürtelschnalle, die schön erhalten ist, und hier am Oberschenkel hatte sie noch ein kleines Messerchen mit dabei. Das hatten wir bei einigen anderen weiblichen Bestattungen auch.“

Männer hatten oft Schwerter am Körper. Frauen manchmal wertvolle Broschen, Perlen, Goldohrringe. Die Grabbeigaben zeigen: Die Bajuwaren von Berglern waren wohlhabende Menschen. Aus den Knochen lässt sich auch ablesen, dass sie gut mit Essen versorgt waren. Denn Einzelne waren ungewöhnlich groß: fast 1,80 Meter. Die meisten aber etwas kleiner. „Die Durchschnittsgröße bei den Frauen bewegt sich im Bereich um 1,60 m, bei den Männern etwa 10 Zentimeter mehr“, sagt Haberstroh.

Bayern mit strategischer Bedeutung

Die Funde bieten einen einzigartigen Blick in die Vergangenheit, als sich das Stammesherzogtum Bayern gerade gebildet hatte. Nach dem Ende des römischen Reichs vermischten sich die unterschiedlichsten Ethnien. Zurückgebliebene Römer mit Kelten, Germanen, Goten und anderen. Irgendwann nannte man dieses Mischvolk Bajuwaren. Und die Gegend, in der sie wohnten: Bayern.

„Bayern ist damals wie heute ein zentraler Raum, von dem aus die Alpen überquert werden können, und deswegen musste man ihn auch militärisch sichern“, so Haberstroh. Damit sei eine hohe strategische Bedeutung und oberste Liga in der Politik einhergegangen.

Gemeinde muss Ausgrabung bezahlen

Für die Gemeinde Berglern bedeuten die Ausgrabungen Verzögerung. Die geplante Ausweisung als Baugebiet muss um einige Jahre verschoben werden. Und die Gemeinde muss die Archäologen auch bezahlen. Etwa 500.000 Euro wird das Ganze kosten.

Doch bei Bürgermeister und Gemeinderat überwiegt trotzdem der Stolz ob der Funde. Denn die Siedlungsgeschichte von Berglern ist weitaus älter als bisher angenommen: „Wir sind aktuell 793 nach Christus das erste Mal urkundlich erwähnt und wenn man die jetzigen Funde anschaut, sind wir noch deutlich älter“, so Berglerns Bürgermeister Anton Scherer. Und: Kaum ein anderer Fundort erzählt so viel über jene Menschen, die vor 1.400 Jahren in Bayern lebten, arbeiteten und Handel trieben.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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