Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern haben deutsche Wälder aus Sicht von Feuerwehrleuten einen großen Vorteil: Sie sind relativ gut durch Straßen und Wege erschlossen, so dass Löschtrupps in vielen Fällen mit ihren Fahrzeugen relativ nah an Brandherde herankommen. Außerdem gibt es hierzulande – anders als etwa in Spanien oder Griechenland – keine riesigen unbewirtschafteten Buschflächen, die sich in Dürrezeiten in Brandbeschleuniger verwandeln.
Wann Löschfahrzeuge bei einem Waldbrand nicht mehr ausreichen
Allerdings können auch in Deutschland Wälder brennen, die für Feuerwehrleute auf dem Boden kaum zu bekämpfen sind. Zum Beispiel, wenn Explosionsgefahr besteht, weil im Boden Munitionsreste aus dem Zweiten Weltkrieg vermutet werden.
Oder wenn es im schwer zugänglichen bayerischen Bergwald brennt. Wie zuletzt vor wenigen Tagen im Chiemgau. Dort war im Bereich der Lackenbergwand ein Waldstück im steilen Gelände in Brand geraten. Für Löschfahrzeuge am Boden war es unmöglich, nahe an den Brandherd heranzufahren. In solchen Fällen muss in der Regel aus der Luft gelöscht werden. Hier sehen Fachleute aber in Deutschland und auch in Bayern erhebliche Lücken.
Deutschland setzt auf Hubschrauber zum Löschen
Im Morgenmagazin von ARD und ZDF sagte Ulrich Cimolino vom Deutschen Feuerwehrverband, es dauere auch aus Kostengründen sehr lange, bis Behörden vor Ort fliegende Löschtrupps anfordern dürften. In der Regel rücken dann Hubschrauber von Polizei und Bundeswehr an, die aus einer Art Korb Wasser abwerfen. Die Bundeswehr (exerner Link) setzt in solchen Fällen im Rahmen der sogenannten Amtshilfe vor allem ihren größten Transporthubschrauber CH-53 ein. An den wird dann ein sogenannter „Smokey“ oder „Bambi Bucket“ gehängt, der bis zu 5.000 Liter Wasser aufnehmen kann.
Die Piloten lassen den Behälter über einem Gewässer, zum Beispiel einem See, eintauchen und fliegen dann weiter zur Brandstelle, wo sie das Wasser abwerfen. Diese Aufgabe übernehmen unter anderem Besatzungen des Hubschraubergeschwaders 64 aus Laupheim, die eigens für solche Einsätze trainieren. Denn Löschflüge sind durchaus herausfordernd. Durch den tonnenschweren Wasserbehälter ändert sich das Flugverhalten. Außerdem müssen die Piloten damit umgehen können, dass rund um Brände schwer berechenbare Aufwinde herrschen.
Zu wenige große Gewässer für eigene Spezialflugzeuge
Und nicht zuletzt müssen sie unter diesen widrigen Bedingungen möglichst zielsicher sein, wenn sie aus 20 bis 50 Metern Höhe ihre Wasserladung über dem Feuer abwerfen. Zuletzt waren die fliegenden Löschtrupps der Bundeswehr in Frankreich im Einsatz. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) dankte den Soldatinnen und Soldaten für ihren Einsatz. Dieser habe nicht nur Leben geschützt, sondern sei auch ein starkes Zeichen europäischen Zusammenhalts.
Größere Spezialflugzeuge dagegen hat Deutschland nicht, anders als etwa Griechenland, Spanien oder Frankreich. Einer der Gründe: Nach Einschätzung der zuständigen Behörden gebe es in der Nähe von gefährdeten Wäldern keine geeigneten Gewässer, auf denen Amphibienflugzeuge Wasser „auftanken“ und wieder starten könnten – Voraussetzungen, wie es sie dagegen in den Mittelmeerländern gibt.
Löschcontainer für Militärtransporter
Aber auch in diesen Staaten mangelt es inzwischen an geeigneten Maschinen. Die Produktion von Spezialfliegern wie der Canadair-Modelle 215 und 415 ist nämlich ausgelaufen. Der Nachfolger ist zwar beim Hersteller geordert, lässt aber auf sich warten. Denn er muss erst noch fertig entwickelt werden. Zwar haben sowohl die EU als auch einige Einzelstaaten ganze Flotten der zukünftigen Canadair 515 bestellt, doch diese Maschine wird erst in einigen Jahren serienreif sein.
Deswegen setzt man in Europa nun auf andere Lösungen und rüstet vorhandene Transportflieger um. So hat Airbus eine Art Löschcontainer entwickelt, der in den Laderaum des großen Militärtransporters A400M gerollt werden kann. Die ersten Einsätze seien sehr vielversprechend verlaufen, heißt es beim französischen Militär. So kann ein solches Transportflugzeug bei jedem Flug 20.000 Liter Wasser oder spezielle Löschmittel mitführen und abwerfen. Allerdings wird es auch hier Jahre dauern, bis die entsprechenden Container in größerer Stückzahl zur Verfügung stehen.

