In der vergangenen Woche hat der Herzogenauracher Industrie- und Autozulieferer Schaeffler angekündigt, in Deutschland weitere 1.300 Stellen abbauen zu wollen: über Altersteilzeit-Lösungen nach dem sogenannten „Blockmodell“. Beschäftigte arbeiten dabei erst bei reduziertem Gehalt weiter, um sich dann mit Freistellung und Weiterbezahlung praktisch verfrüht in den Ruhestand zu verabschieden.
Das will die Bundesregierung mit der Rentenreform abschaffen. Ziel ist es, Fachkräfte länger im Berufsleben zu halten. Ziehen Firmen deshalb nun Stellenabbau-Programme vor? Im Fall von Schaeffler könnte das nach BR-Informationen eine Rolle gespielt haben. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg hält es für plausibel, dass Firmen reagieren – sieht darin aber kein größeres Problem.
Arbeitsmarkt-Experte hält vorgezogenen Stellenabbau für denkbar
Dass Firmen vorab auf künftige Reformen reagieren, sei „ein Phänomen, das regelmäßig auf dem Arbeitsmarkt zu beobachten ist“, sagt Arbeitsmarkt-Experte Kai Miele vom IAB. Grundsätzlich sei es daher denkbar, dass Firmen einen ohnehin geplanten Stellenabbau vorziehen.
Den Unternehmen dürfte es vor allem um die Nutzung des „Blockmodells“ gehen. Diese Variante der Altersteilzeit ist mit Abstand die am meisten genutzte. Dass im Zuge der Rentenreform das Mindestalter für Altersteilzeit von 55 auf 58 Jahre angehoben werden soll, spiele dagegen für Unternehmen weniger eine Rolle, heißt es vom IAB.
Vorgezogener Stellenabbau kein größeres Problem
Selbst wenn Firmen wegen der anstehenden Rentenreform verstärkt Stellenabbau-Programme über Altersteilzeit vorziehen sollten: Laut den Nürnberger Arbeitsmarkt-Experten wäre das kein größeres Problem.
Die Effekte für die Gesamtwirtschaft seien „als eher unwesentlich zu bewerten“, so Miele. Denn: Ein vorgezogener Stellenabbau sei nicht mit einer Streichung zusätzlicher Jobs zu verwechseln. Einen Grund anzunehmen, dass Firmen wegen der Rentenreform mehr Arbeitsplätze eindampfen wollen, gebe es nicht.
Arbeitsmarkt-Experte für Abschaffung des „Blockmodells“
Die Idee, das „Blockmodell“ bei der Altersteilzeit zu streichen, findet Kai Miele vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung gut. Derzeit würde die Regelung häufig als Weg in einen verfrühten Erwerbsausstieg genutzt. Ein Problem mit Blick auf den Fachkräftemangel. Denn wer einmal aus dem Arbeitsmarkt ausgeschieden sei, sei nur schwer wieder als Arbeitskraft zurückzugewinnen, heißt es vom IAB.
Miele meint: Wenn Firmen Stellenabbauprogramme tatsächlich vorziehen, dürfte das „weniger ins Gewicht fallen als das langfristige Ziel, ältere Beschäftigte länger im Erwerbsleben zu halten“.
IG Metall will am „Blockmodell“ festhalten
Die Gewerkschaft IG Metall sieht das ganz anders. Sie bezeichnet das „Blockmodell“ als unverzichtbar. Es verbinde „soziale Verantwortung mit wirtschaftlicher Vernunft“, sagte eine Gewerkschaftssprecherin BR24. Das Blockmodell ermögliche älteren Beschäftigten einen „respektvollen und abgesicherten Weg in den Ruhestand“ – und den Unternehmen, „den Wandel ohne harte Einschnitte zu bewältigen“.

