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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Industrie bildet weniger aus: Ausbildungsmarkt in der Krise?
Wirtschaft

Industrie bildet weniger aus: Ausbildungsmarkt in der Krise?

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 10. August 2026 09:49
Von Christin Freitag
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5 min. Lesezeit
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In Bayern kommen auf 100 unbesetzte Ausbildungsstellen rein rechnerisch 62 noch unversorgte Bewerberinnen und Bewerber, teilt die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit mit. Es gibt also mehr offene Stellen als Anwärter auf eine Ausbildungsstelle. Doch das betriebliche Ausbildungsangebot ist geschrumpft, stellt das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) fest. Und davon ist in Bayern besonders die Metall- und Elektroindustrie betroffen.

Inhaltsübersicht
Zahl der Ausbildungsverträge geht deutlich zurückStrukturkrise und wirtschaftliche Lage wirken sich ausAndere Gründe als die Flaute?Azubi-Übernahmen in Bayerns Industrie dafür hochKurz vor Ausbildungsjahr noch LückenKlassiker weiterhin gefragtDuale Ausbildung wichtig

Zahl der Ausbildungsverträge geht deutlich zurück

In diesem Jahr ist die Zahl der Ausbildungsverträge in der Metall- und Elektroindustrie, zu der auch die für Bayern wichtige Autoindustrie zählt, deutlich niedriger als 2025. In Bayern wurden in der Branche heuer 10,4 Prozent weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen als noch im Vorjahr. Damit fällt das Minus nach 10,9 Prozent im Jahr 2025 das zweite Mal in Folge zweistellig aus, meldeten die bayerischen Arbeitgeberverbände bayme und vbm.

Strukturkrise und wirtschaftliche Lage wirken sich aus

Demnach wirkt sich die Wirtschaftskrise auf die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen aus. „Wäre die wirtschaftliche Lage besser, würden die Unternehmen insbesondere im Metall- und Elektrobereich mehr ausbilden“, ist sich Verbandschef Bertram Brossardt sicher.

Kritik zu den Zahlen kommt von der Gewerkschaft IG Metall. Gerade in Zeiten von Transformation, Digitalisierung und demografischem Wandel brauche die Industrie mehr Ausbildung, nicht weniger, heißt es von der Gewerkschaft. Schließlich seien die jungen Menschen die Fachkräfte von morgen.

Andere Gründe als die Flaute?

Doch nach Ansicht der Arbeitgeber ist es nicht nur die wirtschaftliche Situation, die für das Schrumpfen der Ausbildungsplätze sorgt. Unternehmen beklagten beispielsweise, nicht immer geeignete Kandidaten zu finden. Von den Betrieben, die einen Rückgang bei abgeschlossenen Ausbildungsverträgen verzeichnen, nannte die Mehrheit das Fehlen geeigneter Bewerberinnen und Bewerber als Ursache.

Gut ein Viertel der Betriebe gab an, dass zu wenig Bewerbungen eingingen. „Das Matching zwischen Unternehmen und Azubis bleibt eine Herausforderung“, sagt Bertram Brossardt von den Arbeitgeberverbänden bayme und vbm. Doch wenn Betrieb und junger Mensch mit einem Ausbildungsvertrag zusammenkommen, dann bleiben nach der Ausbildung länger im Unternehmen – zumindest in der Industrie.

Azubi-Übernahmen in Bayerns Industrie dafür hoch

Denn die Übernahmesituation in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie ist indes gut. Die Unternehmen planen für das laufende Jahr fast 90 Prozent der Azubis befristet oder unbefristet zu übernehmen. Im kommenden Jahr könnte die Übernahmequote sogar auf knapp 96 Prozent steigen.

Doch das ist nicht überall so: Bundesweit werden nur drei von vier Auszubildenden von ihrem Ausbildungsbetrieb übernommen. Das meldet das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) mit Sitz in Nürnberg. Das entspricht einer Übernahmequote von 75 Prozent. Verglichen mit dem Vorjahr ist der Wert um vier Prozentpunkte gesunken. Arbeitsmarktexperten führen das auf die wirtschaftliche Schwäche zurück.

Kurz vor Ausbildungsjahr noch Lücken

Derzeit suchen noch etwa 19.500 Jugendliche in Bayern eine Ausbildungsstelle. Dem stehen etwa 31.500 unbesetzte Stellen gegenüber. Die bayerische Direktion der Bundesagentur für Arbeit betont, dass es sich wenige Wochen vor Beginn des Ausbildungsjahres noch lohnt, einen Ausbildungsplatz zu suchen.

Besonders gut stehen demnach die Chancen für Bewerberinnen und Bewerber im Verkauf und im Handel. Auch in der Energietechnik und in der Lagerwirtschaft sind nach wie vor viele Ausbildungsstellen offen.

Klassiker weiterhin gefragt

Zu den gefragtesten Ausbildungsberufen zählen in Bayern weiterhin die Klassiker, so die Bundesagentur. Weibliche Ausbildungssuchende bewerben sich insbesondere als Medizinische Fachangestellte, Kauffrauen für Büromanagement oder Zahnmedizinische Fachangestellte. Männliche Bewerber suchen eher nach einer Ausbildungsstelle als Kfz-Mechatroniker, Elektroniker oder Fachinformatiker.

Duale Ausbildung wichtig

Die Arbeitsagenturen weisen auf die Bedeutung einer abgeschlossenen Berufsausbildung hin. Ohne Berufsabschluss seien Menschen häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen und würden oft in geringer entlohnten Helfertätigkeiten arbeiten. So betrug 2025 die Arbeitslosenquote von Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung in Bayern 13,8 Prozent, während sie für Menschen mit abgeschlossener Berufsausbildung nur bei 2,6 Prozent lag.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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