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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Streit um die „Rente mit 63“: Was es kostet, wenn sie bleibt
Wirtschaft

Streit um die „Rente mit 63“: Was es kostet, wenn sie bleibt

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 18. August 2026 09:51
Von Christin Freitag
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5 min. Lesezeit
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Die Abschaffung der Rente mit 63 ist das Herzstück der Rentenreform. Nun laufen mindestens sieben Ministerpräsidenten Sturm dagegen. Kritik kommt vor allem aus Ostdeutschland. Dort haben viele schon mit 16 angefangen, zu arbeiten und Jahrzehnte in die Rentenkasse eingezahlt. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke schrieb dazu auf Instagram: „45 Jahre sind ein langes Arbeitsleben. Das muss für eine Rente ohne Abschläge reichen.“ Der Post ging viral.

Inhaltsübersicht
Rente mit 63: Die Zahl ist eigentlich falschWie viele profitieren von der abschlagsfreien Frührente?Wie viel kostet die abschlagsfreie Frührente?„Rente mit 63“ abschaffen: Wie groß ist das Einsparpotenzial?Um wie viel sinken die Rentenbeiträge ohne „Rente mit 63“?Wie baue ich meine eigene Frührente?

Doch die Offensive der Politiker steht fachlich auf dünnem Eis. Fast alle Wissenschaftler sind dafür, die abschlagsfreie Frührente zu streichen. Marcel Fratzscher vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hält sie sogar für das finanziell wichtigste Element der Reform und warnt: „Ohne das Element ist die Rentenreform tot.“ Der ARD Wirtschaftspodcast Plusminus hat nachgerechnet: Was kostet die Rente mit 63 und wie hoch sind die Rentenbeiträge dadurch?

Rente mit 63: Die Zahl ist eigentlich falsch

Eigentlich absurd: Die Zahl, über die alle reden – 63 – stimmt nicht mehr. Weil das Rentenalter schrittweise auf 67 steigt, verschiebt sich auch die abschlagsfreie Frührente nach hinten. Aktuell liegt sie bei 64,5 Jahren, künftig bei 65. Den Namen „Rente mit 63“ könnte man also einkassieren und „65er Rente“ daraus machen.

Wie viele profitieren von der abschlagsfreien Frührente?

Die abschlagsfreie Frührente ist beliebt. Etwa jeder dritte Altersrentner nutzt sie: Pro Jahr 250.000 bis 280.000 Menschen. Der Deal ist reizvoll: Wer 45 Jahre eingezahlt hat, kann zwei Jahre früher aufhören. Ohne Abzüge. Für alle anderen gilt: Jeder Monat früher kostet 0,3 Prozent Rente.

Eigentlich war das Projekt als Entgegenkommen für Menschen gedacht, die harte Jobs haben: Maurer, Fliesenleger, Altenpfleger. Zahlen zeigen aber, dass vor allem Menschen mit „stabilen Erwerbsbiografien“ davon profitieren.

Überdurchschnittlich häufig profitieren Männer, Personen mit höheren Einkommen und tendenziell gesunde Personen. Ein teures Unterfangen.

Wie viel kostet die abschlagsfreie Frührente?

Wer früher in Rente geht, zahlt kürzer in die Kasse ein und bekommt länger Geld raus. Genau das macht es teuer: Nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung entstehen durch die Rente für besonders langjährig Versicherte jedes Jahr rund 3,5 Milliarden Euro zusätzliche Kosten. Auf einen Beitragszahler gerechnet sind das rund 40 Euro im Jahr. Wichtig dabei: Die abschlagsfreie Rente wird nicht ausschließlich über Rentenbeiträge finanziert, sondern auch über Steuergeld. Die Modellrechnung ist deshalb nur eine Annäherung.

„Rente mit 63“ abschaffen: Wie groß ist das Einsparpotenzial?

Besonders spannend ist der Blick auf einen ganzen Rentenjahrgang – vom Renteneintritt bis zum Tod. Pro Jahrgang könnte Deutschland 9,5 Milliarden Euro einsparen, wenn die abschlagsfreie Rente wegfällt. Das geht aus einer aktuellen DIW-Studie (externer Link) hervor. Weil die Menschen später in Rente gingen, könnten zudem 125.000 Vollzeitkräfte zusätzlich arbeiten. Durch diese Vorteile würden die Rentenbeiträge für alle sinken.

Um wie viel sinken die Rentenbeiträge ohne „Rente mit 63“?

Eine Prognos-Studie (externer Link) geht davon aus, dass der Beitragssatz um 0,4 bis 0,5 niedriger liegt, wenn die abschlagsfreie Rente abgeschafft wird. Für 2030 heißt das: Der Beitragssatz würde nicht auf die prognostizierten 20 Prozent steigen, sondern nur auf 19,5 Prozent. Ein Arbeitnehmer mit einem mittleren Einkommen von 4.500 Euro brutto im Monat müsste dann rund 11 Euro weniger Rentenbeitrag bezahlen. Diese 11 Euro könnten stattdessen in die private Altersvorsorge fließen.

Wie baue ich meine eigene Frührente?

Sollte die abschlagsfreie Rente nach 45 Jahren tatsächlich wegfallen, bedeutet das nicht, dass alle bis 67 oder länger arbeiten müssen.

Wer klug vorsorgt, kann früher aufhören und die Abschläge abfedern. Verhaltensökonom Hartmut Walz empfiehlt dafür die KISS-Methode: „Das heißt nicht, dass wir immer küssen, sondern das heißt: Keep It Simple Stupid.“

Für die private Altersvorsorge reiche schon ein einziger weltweit gestreuter ETF. Wer monatlich per Sparplan investiert, könne jahrzehntelang Dornröschenschlaf halten und von den Renditen der globalen Aktienmärkte profitieren. Auch das geplante Altersvorsorgedepot kann eine Option sein.

Spätestens zehn Jahre vor Renteneintritt, sollte man auch Anleihen mit weniger Kursschwankungen ins Portfolio aufnehmen, so Walz. Und vielleicht ist genau das die beste Antwort auf die Rentendebatte: Eine selbst gebaute KISS 65er-Rente.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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