Für gesunde Erwachsene nennt die American Heart Association (AHA) nach einer neuen Bewertung des Forschungsstands (externer Link) bis zu 400 Milligramm Koffein pro Tag als unbedenkliche Menge. Das entspricht ungefähr drei bis fünf Tassen schwarzem Brühkaffee mit etwa 240 Millilitern. Die Tassenzahl ist allerdings nur ein Richtwert: Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) (externer Link) rechnet mit etwa 90 Milligramm für 200 Milliliter Filterkaffee und etwa 80 Milligramm für 60 Milliliter Espresso.
Eine britische Studie (externer Link) kam 2023 ebenfalls zu dem Ergebnis: Regelmäßiger, moderater Kaffeekonsum war mit weniger Herz-Kreislauf-Erkrankungen und einer niedrigeren Sterblichkeit verbunden. Für Schwangere gilt laut EFSA allerdings eine niedrigere Grenze von 200 Milligramm Koffein pro Tag. Bei Vorerkrankungen, Medikamenteneinnahme oder Beschwerden kann eine ärztliche Einschätzung sinnvoll sein.
Was Kaffee mit Herz und Kreislauf macht
Koffein kann kurzfristig Puls und Blutdruck erhöhen und bei empfindlichen Menschen Herzklopfen oder Unruhe auslösen. Langfristig zeigt sich in Studien jedoch ein anderes Bild, sagt Omar Hahad vom Zentrum für Kardiologie der Universitätsmedizin Mainz: Der Körper könne sich an regelmäßigen Konsum anpassen, im Mittel sei Kaffee wahrscheinlich eher mit Vorteilen für Herz und Gefäße verbunden. Viele Daten zum Kaffeekonsum stammen allerdings aus Beobachtungsstudien. Diese können Zusammenhänge zeigen, aber nicht beweisen, dass Kaffee die Ursache für ein geringeres Erkrankungsrisiko ist.
Gregory Marcus, Leiter der Autorengruppe des AHA-Statements, warnt deshalb vor der Idee, „Kaffee auf Rezept“ für ein gesünderes Leben zu verschreiben: Wie Koffein verstoffwechselt werde, sei individuell verschieden. Wer eine Tasse gut vertrage, bei zwei aber Beschwerden bekomme, solle sich nicht aus Gesundheitsgründen zu mehr Kaffee zwingen. Vorhofflimmern ist nach aktuellen US-Leitlinien (externer Link) kein Grund, Kaffee generell zu meiden. Wer aber nach Kaffee Herzklopfen oder Rhythmusstörungen bemerkt, sollte die Menge reduzieren und das ärztlich abklären.
Diabetes: Warum es nicht nur auf das Koffein ankommt
Kaffee wird auch von der Diabetes-Forschung positiv bewertet: „In sehr vielen Studien hat man beobachtet, dass Personen, die regelmäßig Kaffee trinken, ein vermindertes Risiko haben, an Typ-2-Diabetes zu erkranken“, sagt Matthias Schulze vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke.
Diesen Zusammenhang fanden Studien auch bei entkoffeiniertem Kaffee: Gemäß einer großen Meta-Analyse (externer Link) lag das Diabetesrisiko bei sechs Tassen täglich statistisch um rund 33 Prozent niedriger als bei Menschen, die keinen Kaffee tranken. Schulze hält es deshalb für wahrscheinlich, dass neben Koffein auch andere Inhaltsstoffe eine Rolle spielen. Untersucht werden etwa Chlorogensäuren, eine Gruppe pflanzlicher Stoffe mit starker antioxidativer Wirkung.
Pestizide im Kaffee: Wie groß ist das Risiko?
Zuletzt sorgten Berichte über Pestizide in Kaffee für Verunsicherung. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) (externer Link) sieht derzeit jedoch kein Gesundheitsrisiko für Verbraucher: „Der bloße Nachweis von bestimmten Pflanzenschutzmitteln in Kaffeebohnen ist nicht gleichzusetzen mit ‚Es ist eine Gefahr‘ oder ‚Es ist giftig für den Verbraucher'“, erklärt Jens Schubert vom BfR. Entscheidend sei, welche Menge tatsächlich aufgenommen werde.
Bei rund zwei bis drei Prozent der untersuchten Rohkaffeeproben werden laut Lebensmittelüberwachung die jeweiligen Grenzwerte überschritten. Eine Überschreitung dieser Grenzwerte bedeute zwar nicht automatisch ein gesundheitliches Risiko, so Schubert, die Produkte würden aber dennoch in der Regel aus dem Verkehr gezogen.
Kaffee: Genussmittel statt Medizin
Für die meisten gesunden Erwachsenen spricht damit nach heutigem Forschungsstand nichts gegen moderaten Kaffeekonsum. Daraus folgt aber keine Empfehlung, vorsorglich mit dem Kaffeetrinken anzufangen. Hahad formuliert es so: Kaffee sei für die meisten Menschen in erster Linie ein Genussmittel, kein Medikament oder Supplement. Er könne zu einem gesunden Lebensstil passen – Schlaf, Bewegung und ausgewogene Ernährung ersetzt er aber nicht.

