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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Fahrräder beliebt wie nie: Branche trotzdem unter Druck
Wirtschaft

Fahrräder beliebt wie nie: Branche trotzdem unter Druck

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 18. August 2026 16:47
Von Christin Freitag
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5 min. Lesezeit
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Fahrradfahren ist in Deutschland so beliebt wie nie. Schätzungsweise mehr als 90 Millionen Fahrräder und E-Bikes gibt es inzwischen hierzulande, rund 18 Millionen mehr als noch vor zehn Jahren. Doch trotz des Booms steckt die Branche in einer schwierigen Phase. Das zeigt sich am Insolvenzverfahren der niederländischen Accell-Gruppe – laut eigenen Angaben der größte Lieferant von E-Bikes und einer der größten von Radkomponenten in Europa.

Inhaltsübersicht
Vom Corona-Boom zur BranchenkriseE-Bikes bleiben der UmsatzmotorKritik an Importen aus ChinaErsetzt der E-Scooter bald das E-Bike?Branche fordert bessere Infrastruktur

Zu Accell gehören die bayerischen Marken Haibike, Winora und Ghost. Rund 370 Beschäftigte arbeiten dort. Der Geschäftsbetrieb läuft zunächst weiter, die Löhne sind nach Unternehmensangaben bis Ende Oktober über das Insolvenzgeld gesichert. Ziel ist die Suche nach einem Investor.

Vom Corona-Boom zur Branchenkrise

Die Probleme der Branche reichen mehrere Jahre zurück. Während der Corona-Pandemie stieg die Nachfrage nach Fahrrädern und E-Bikes sprunghaft an. Hersteller bauten ihre Kapazitäten aus, gleichzeitig sorgten gestörte Lieferketten für Engpässe.

Als sich die Lieferketten später wieder stabilisierten, füllten viele Unternehmen ihre Lager. Doch mit dem Beginn des Ukraine-Kriegs Anfang 2022 verschlechterte sich das Konsumklima. Hohe Inflation und wirtschaftliche Unsicherheit führten zu einer deutlich schwächeren Nachfrage.

Die Folgen sind bis heute spürbar: Nach Zahlen des Zweirad-Industrie-Verbands (ZIV) (externer Link) ist die Produktion von Fahrrädern und E-Bikes in Deutschland seit 2022 rückläufig, Lagerbestände müssen abgebaut werden und die Preise fallen. Auch die Umsätze sinken seit 2022, liegen aber weiterhin über dem Niveau vor der Pandemie.

Arne Behrensen, Senior Expert Transportwende beim Lobbyverband Zukunft Fahrrad, spricht von einer „Korrektur des Booms“. Für viele Unternehmen sei die Lage jedoch angespannt. Das Bundeswirtschaftsministerium bewertet die Entwicklung als Normalisierung nach den außergewöhnlichen Wachstumsjahren.

E-Bikes bleiben der Umsatzmotor

Trotz der aktuellen Schwierigkeiten ist die Fahrradwirtschaft ein wichtiger Bestandteil des Industriestandorts Deutschland. Nach Angaben von Zukunft Fahrrad beschäftigt die Branche in Deutschland einschließlich Handel rund 76.700 Menschen direkt und weitere 73.600 indirekt.

Besonders wichtig sind dabei E‑Bikes. Ihre Zahl ist innerhalb von zehn Jahren von 2,6 auf 17,2 Millionen gestiegen. Mit rund zwei Millionen verkauften Rädern machten sie zuletzt mehr als die Hälfte aller Fahrradverkäufe aus.

Für Verbraucher könnte die aktuelle Marktlage sogar Vorteile bringen. Die Durchschnittspreise für E-Bikes sind in den vergangenen Jahren gesunken. Während 2023 noch durchschnittlich rund 2.950 Euro für ein E-Bike fällig waren, lag der Preis 2025 bei etwa 2.550 Euro.

Kritik an Importen aus China

Belastet wird die Branche nach Einschätzung von Behrensen auch durch Importe aus China. Die EU erhebt seit Jahren Anti-Dumping-Zölle auf chinesische Fahrräder und E-Bikes (externer Link). Jedoch würden diese Vorgaben teilweise umgangen, kritisiert der Branchenvertreter.

Für Aufsehen sorgte 2025 die europaweite Operation „Calypso“. Dabei beschlagnahmte die Europäische Staatsanwaltschaft im Hafen von Piräus mehr als 2.400 Container. Nach Angaben der Ermittler waren mindestens 500 davon mit E-Bikes beladen. Ein kriminelles Netzwerk soll versucht haben, Waren am Zoll vorbei in die EU einzuführen.

Ersetzt der E-Scooter bald das E-Bike?

Der Boom privater E-Scooter habe nicht direkt Einfluss auf die Fahrradbranche, so Behrensen. Auch nach Einschätzung des Bundeswirtschaftsministeriums lasse sich davon nicht ableiten, dass das E-Bike vom E-Scooter verdrängt werden würde. Denn E-Scooter und E-Bikes würden unterschiedliche Mobilitätsbedürfnisse bedienen.

Stattdessen wächst die Vielfalt der Angebote. Neben E-Bikes gewinnen auch Bike-Sharing und Fahrrad-Abonnements an Bedeutung. Gleichzeitig sorgen E-Bikes dafür, dass viele ältere Menschen länger mobil bleiben.

Branche fordert bessere Infrastruktur

Langfristig blickt der Branchenexperte Behrensen trotz aller Probleme vorsichtig optimistisch nach vorn. Laut Fahrrad-Monitor 2025 (externer Link) möchten 55 Prozent der Menschen in Deutschland künftig häufiger Fahrrad fahren.

Damit aus dem Wunsch auch tatsächliche Fahrten werden, fordert die Branche bessere politische Rahmenbedingungen. Dazu gehören vor allem schnellere Investitionen in sichere und gut ausgebaute Radwege. Denn die Lust am Fahrradfahren ist ungebrochen, auch wenn die Hersteller aktuell eine schwierige Phase durchlaufen.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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